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Cannabis in Uruguay: Eine Zwischenbilanz
Autor: Christian Boedefeld  11/01/2018 - 10:30:00

Im Juli vergangenen Jahres startete in Uruguay der legale Verkauf von Cannabis an registrierte Nutzer. Im Vordergrund steht dabei die Entmachtung der Drogen Mafia und des Schwarzmarktes. Wir blicken auf die Erfahrungen, die in diesem halben Jahr gesammelt werden konnten. 

Das Experiment ist weltweit einzigartig. Seit Juli 2017 können Hanffreunde in Uruguay Cannabis kaufen, das vom Staat angebaut und in Apotheken verkauft wird. So kann man sich ganz legal mit maximal 10g pro Woche eindecken. Das Gramm Cannabis kostet 1,30 Dollar. Der niedrige Preis ist eine Kampfansage an den Schwarzmarkt. Mit dem staatlich geregelten Anbau und Verkauf ist das südamerikanische Land mit knapp dreieinhalb Millionen Einwohner das Erste, das eine Legalisierung auf diese Art und Weise umsetzt. 

Cannabis nur für registrierte Einwohner

Um in einer uruguayischen Apotheke Cannabis kaufen zu können, müssen sich Interessenten zunächst einmal registrieren. Erwachsene Einwohner des kleinen Landes können dies per Fingerabdruck machen, mit dem sie sich in der Ausgabestelle ausweisen. Der Name bleibt anonym. Um Cannabis-Touristen fernzuhalten, ist der Verkauf auf Staatsbürger beschränkt.

Lieferengpässe und mangelnde Qualität

Die Legalisierung bringt allerdings auch so manche Tücken mit sich. Der Verkauf beschränkte sich zu Beginn im letzten Jahr auf landesweit 16 Apotheken. Nicht selten müssen Interessen Geduld beweisen und sich in lange Schlangen vor den Apotheken einreihen. Verkaufsstopps von drei Wochen aufgrund von steigender Nachfrage sind dabei keine Seltenheit. Ein weiterer Punkt ist die Qualität des Cannabis‘. Viele registrierte Nutzer zeigten sich enttäuscht von der Qualität der ersten staatlich produzierten Sorte. Mit einem THC-Gehalt von nur 2% blieb die gewünschte Wirkung aus. Als Reaktion darauf führte die Regierung eine neue Sorte mit 9% THC ein. Zudem muss das verkaufte Cannabis unter den gleichen Hygienebedingungen verpackt werden wie Medikamente.

Kampf gegen den Schwarzmarkt

Mit der Legalisierung will man vor allem den Schwarzmarkt bekämpfen und illegalen Dealern das Handwerk legen. Immerhin wird der Wert des illegalen Marktes auf 40 Millionen US-Dollar geschätzt.

Konsumenten können sich sicher sein, dass das Cannabis in den Apotheken nicht gestreckt ist. Den Anbau übernehmen zwei Privatfirmen, die von der uruguayischen Regierung damit beauftragt wurden, vier Tonnen Cannabisblüten pro Jahr zu produzieren. Eine Forschungsgruppe der Universidad de la Republica geht von 160.000 gelegentlichen bis regelmäßigen Cannabiskonsumenten aus. Die zuständige Regierungsstelle gibt an, dass sich bisher fast 20% der regelmäßigen Konsumenten als Nutzer registriert haben, um Cannabis in den Ausgabestellen legal zu erwerben. Ein Mitarbeiter des nationalen Instituts für die Regulierung und Kontrolle von Cannabis bilanziert, man sei damit zufrieden, dass diese Einnahmen nicht mehr in den Schwarzmarkt fließen und man den Drogenschmuggel damit eindämme. Eine der wichtigsten Aufgaben sei jedoch die Auswertung der gesammelten Statistiken.

Gegenwind aus der Bevölkerung

Die Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch immer noch gegen den legalen Verkauf von Cannabis. Das Gesetz, das 2013 unter Präsident Mujica verabschiedet wurde, verschaffe noch mehr Menschen Zugang zu Drogen, so die Argumentation der Legalisierungsgegner. Auch nicht alle Mitglieder der amtierenden Regierung begrüßen die Regelung nicht mit offenen Armen. Der jetzige Präsident, Tabaré Vázquez stellt klar, das Ziel sei eine Reduzierung des Konsums. Im Prinzip solle man gar keine Drogen konsumieren.

Cannabis nur gegen Cash

Widerstand gibt es nicht nur von Seiten der Bevölkerung. Ein großes und bislang ungelöstes Problem stellen die Banken dar. Da viele Banken mit Geldinstituten in den USA zusammenarbeiten, hatten sie angekündigt, die Konten der Apotheken zu sperren. In den USA ist Cannabis ja bekanntlich per Bundesgesetz verboten. Ein Mitarbeiter der Regulierungsbehörde räumt ein, dass man dies zu Beginn nicht bedacht habe und es durchaus ein Hindernis in der Umsetzung der Legalisierung darstelle. Deshalb gibt es Cannabis in den Apotheken nur gegen Bargeld.

Das Cannabis-Gesetz ermöglicht nicht nur den registrierten Kauf in Apotheken. Uruguayer können selbst bis zu sechs Hanfpflanzen anbauen oder Mitglied in einem Klub werden. Ähnlich den Cannabis Social Clubs in Spanien haben Mitglieder dort die Möglichkeit, über den gemeinschaftlichen Anbau, bis zu knapp ein halbes Kilo Cannabis pro Jahr für den Eigenbedarf zu beziehen. Viele Konsumenten bedienen sich deshalb einer Kombination aus mehreren Möglichkeiten, um Cannabis legal genießen zu können.

Hanffreunde in Uruguay haben dazu eine eindeutige Meinung. Das Beste daran sei, nicht mehr wegen des Konsums kriminalisiert zu werden. Außerdem sind Konsumenten jetzt nicht mehr ausschließlich von den Dealern und den Produkten auf dem Schwarzmarkt abhängig.

Der Beitrag Cannabis in Uruguay: Eine Zwischenbilanz erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel: Cannabis in Uruguay: Eine Zwischenbilanz

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