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Was ist Klinischer Endocannabinoidmangel?
20/12/2017 - 12:00:00

Klinischer Endocannabinoidmangel ist eine zur Diskussion vorgeschlagene Krankheit, die unter anderem bei Fibromyalgie, Migräne und Reizdarmsyndrom eine Rolle spielen könnte. Bislang wurde nur wenig zu dieser spekulativen Krankheit geforscht, es könnte sich jedoch herausstellen, dass sie für diese weitverbreiteten und auch verwandte Leiden verantwortlich ist. 


Migräne, Serotonin und Thrombozyten 

Die drei soeben genannten Krankheiten weisen gemeinsame klinische und biochemische Muster auf, die auf Klinischen Endocannabinoidmangel als Grundlage hindeuten könnten. Da Regionen, die unter dem Verdacht stehen, an der Entstehung von Migräne beteiligt zu sein, auch von der Cannabinoidaktivität beeinflusst werden, wird davon ausgegangen, dass die Endocannabinoidfunktion mit Migräne verknüpft ist – auch zeigt das Endocannabinoid Anandamid, das bei Schmerzregulierung und dem Transport von Serotonin eine wichtige Rolle spielt, vermutlich gute therapeutische Wirkungen bei Migräne-Patienten.

Migräne ist eine äußerst belastende und sehr häufig vorkommende Erkrankung, die Millionen Menschen weltweit betrifft

Die Biochemie der Migräne ist äußerst komplex und kann bislang nur schlecht nachvollzogen werden, aber es ist bekannt, dass der Serotoninspiegel während Migräneattacken erhöht ist. THC und sein endogener Ligand Anandamid hemmen in hohen Dosen Serotonin (auch wenn niedrige Dosen die Serotonin-Produktion erhöhen können), vor allem in den Blutplättchen des Blutplasmas. Diese auch Thrombozyten genannten Plättchen enthalten die höchsten Serotonin-Reserven des Körpers und sind auch im Darmnervensystem und überall im Gehirn zu finden. Die Freisetzung von Serotonin aus diesen Thrombozyten wird als ausschlaggebend bei der Entstehung von Migräne angesehen und daher wird Migräne gelegentlich auch als eine Erkrankung des Blutes bezeichnet.

Fibromyalgie und Serotoninmangel

Fibromyalgie, eine chronische Schmerzstörung, die weithin als neuropsychiatrisch angesehen wird, wird in den USA in zehn Prozent der Fälle mit Cannabis behandelt (entweder auf Rezept oder durch Selbstmedikation). Auch hat sich gezeigt, dass das vollsynthetische THC-Derivat Nabilon bei dieser Erkrankung eine gute Wirkung erzielt. In einer Studie, die die Wirkung von Nabilon auf Fibromyalgie-Patienten dokumentiert, konnten sich die Teilnehmer nach Verabreichung des Cannabinoids an einer signifikanten Verbesserung ihrer Krankheitssymptome erfreuen. Einer anderen Studie zufolge konnte die Selbstmedikation mit Cannabis (oral oder geraucht) die Lebensqualität von Fibromyalgie-Patienten erheblich steigern.

Stellen besonderer Hypersensitivität bei Fibromyalgie

Zwischen den Serotonin-Werten der Blutplättchen und Fibromyalgie besteht ein Zusammenhang, auch wenn hier davon ausgegangen wird, dass ein Mangel an Serotonin und nicht etwa der Überfluss an selbigem für die anormale Schmerzwahrnehmung der Erkrankten verantwortlich ist. Dieser Widerspruch ist noch ungeklärt und kommt auch etwas überraschend, wenn man die hohen Anteile der Komorbidität zwischen Fibromyalgie und Migräne, also das Auftreten der jeweils anderen Krankheit als Begleiterkrankung, in die Überlegungen miteinbezieht: Laut einer Studie berichteten 63 Prozent der vor allem unter Fibromyalgie Leidenden, dass sie auch mit Migräne-Symptomen zu kämpfen haben. Eine andere Studie zeigt auf, dass 22,2 Prozent derjenigen mit Migräne als Haupterkrankung auch an Fibromyalgie erkrankt sind. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen kann zum Teil durch geschlechtsspezifische Unterschiede erklärt werden, da zum einen keiner der männlichen Migräne-Patienten Symptome einer Fibromyalgie aufwies und zum anderen über 90 Prozent der an Fibromyalgie erkrankten Personen weiblich sind.

RDS und die Verbindung zwischen Gehirn und Darm

Das sogenannte Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine häufig auftretende gastroenterische Erkrankung zu deren Symptomen Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall zählen. Lange wurde ein Zusammenhang zwischen RDS und einer neuropsychiatrischen Störung vermutet, da die Krankheit oft von psychiatrischen Leiden wie Angststörungen, Depressionen oder Posttraumatischen Belastungsstörungen begleitet wird. Oft verstärken sich die akuten Symptome in Zeiten mit erhöhtem mentalen Stress. Da Endocannabinoide sowohl im Darmnervensystem als auch in den von solchen psychiatrischen Störungen betroffenen Gehirnregionen entstehen, können ihre Auswirkungen jedoch auch unabhängig voneinander auftreten.

Serotonin spielt auch beim Reizdarmsyndrom eine Rolle, da es die Darmmotilität (die peristaltischen Vorgänge im Dickdarm, die während eines Anfalls unkontrolliert oder „spastisch“ werden können), die Empfindlichkeit und die Flüssigkeitssekretion beeinflusst. Interessanterweise verfügen RDS-D-Patienten (Symptom: Durchfall) über einen ungewöhnlich hohen Serotoninspiegel im Blut, wohingegen RDS-O-Patienten (Symptom: Verstopfung) einen verminderten Serotoninspiegel aufweisen.

Cannabinoidrezeptoren im Darmnervensystem

Es wurde gezeigt, dass die Aktivierung der Cannabinoidrezeptoren im Darmnervensystem die Überempfindlichkeit des Darms verringert und die Darmbewegung und auch Entzündungen des Darms reduziert. Viele Betroffene des Reizdarmsyndroms verwenden Cannabis, um ihre Symptome zu lindern, obwohl einige auch berichten, dass sich die Symptome nach Beginn des Cannabiskonsums verschlechtert haben; manche vermuten sogar Cannabis als Auslöser des Reizdarmsyndroms bei bestimmten Individuen.

Das häufige gemeinsame Auftreten der drei Erkrankungen Migräne, Fibromyalgie und Reizdarmsyndrom hat zu der Hypothese geführt, dass sie alle Ausdruck derselben zugrundeliegenden somatischen Störung sind. Viele Betroffene des Reizdarmsyndroms berichten auch von Migräne-Symptomen und bis zu 70 Prozent der Fibromyalgie-Patienten leiden auch an Symptomen des Reizdarmsyndroms. Viele Patienten weisen alle drei Krankheiten auf, aber es müssen nicht zwangsläufig alle drei Erkrankungen vorliegen, um eine zugrundeliegende Störung zu bedingen, da sich eine solche hinsichtlich ihrer Symptome von Patient zu Patient deutlich unterscheiden kann und auch viele verwandte Erkrankungen involviert sein können.

Ist der Klinische Endocannabinoidmangel verantwortlich?

Dieses Diagramm zeigt die Auswirkungen des Reizdarmsyndroms auf

Die Idee, dass ein dysfunktionales Endocannabinoidsystem für solch eine angenommene somatische Störung verantwortlich ist, kam erstmals in den vergangenen Jahren auf. Im Jahr 2004 wurde die Krankheit CEDC erstmalig zur Diskussion vorgeschlagen. Forscher legten nahe, dass der hohe Grad der Komorbidität, zusammen mit dem gemeinsamen Merkmal der ungewöhnlichen Aktivität der Cannabinoid-Rezeptoren, auf eine zugrundeliegende Störung des Endocannabinoidsystems hindeuten könnte. Viele bekannte Erkrankungen können auf die Funktionsstörung eines bestimmten Neurotransmittersystems zurückgeführt werden: Alzheimer wird durch einen Mangel des Acetylcholin-Neurotransmitters verursacht und Parkinson durch einen altersbedingten Dopaminmangel. Es ist daher logisch anzunehmen, dass ein Mangel an Cannabinoid-Neurotransmittern auch eine bestimmte Erkrankung oder eine Reihe verwandter Störungen verursachen könnte.

Bei der Erforschung einer möglichen Existenz des CEDC-Krankheitsbildes spielt auch das Serotonin-Signalsystem eine wichtige Rolle, die nicht ignoriert werden kann. Verhaltensstudien deuten darauf hin, dass die Effekte der Endocannabinoid-Signalgebung durch die Regulation des Serotoninsystems gesteuert werden: THC hemmt bei Migränepatienten nachweislich die Serotoninfreisetzung aus den Thrombozyten und erhöht die Serotoninsynthese im Gehirn; 2-AG und Cannabidiol haben ähnliche Wirkungen gezeigt. Ungeachtet dieses möglicherweise fundamentalen Zusammenhangs mit dem Serotonin-Signalsystem werden die individuellen Auswirkungen der Cannabinoide auf die Cannabinoidrezeptoren als zugrundeliegende Ursache für CEDC vermutet.

Falls es zu einer Bestätigung der Existenz von CEDC kommt, könnten zielgerichtete Therapien entwickelt werden, welche die genaue Art des Mangels bestimmen und somit auch die richtige Rationierung und Dosierung von zusätzlich verabreichten exogenen Cannabinoiden festlegen würden. Derzeit werden die genannten Erkrankungen durch die Einnahme von unverarbeitetem Cannabisextrakt oder durch das Rauchen von Cannabis behandelt, was jedoch in deutlich unterschiedlichen Cannabinoid-Gaben resultiert, da die Cannabinoid-Haushalte der jeweils genutzten Strains deutlich variieren können. Dies bedeutet auch, dass aufgrund der dosisabhängigen Wirkung vieler Cannabinoide die Linderung der Symptome mit einigen Cannabissorten eventuell nicht ausreichend möglich ist.

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