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Medizinisches Cannabis: Patienten in Spanien fordern schnelle Legalisierung
22/11/2017 - 13:00:00

Spanien gerät bei der Regulierung von medizinischem Cannabis ins Hintertreffen. Die Patienten beklagen die Missachtung ihrer Interessen durch eine Regierung, die ihnen trotz wissenschaftlicher Beweise keinen legalen Zugang zu der von ihnen benötigten Behandlung gewährt. Die OECM fordert die sofortige Legalisierung von medizinischem Cannabis. Lesen Sie mehr. 

Die spanische Beobachtungsstelle für medizinisches Cannabis OECM (Observatorio Español de Cannabis Medicinal) hatte für den 14. September 2017 eine Pressekonferenz einberufen. Patienten und Experten beklagten dort, dass Spanien bei der Regulierung und Legalisierung von medizinischem Cannabis allmählich ins Hintertreffen gerät. Die Patienten fühlen sich allein gelassen von einer Regierung, die ihnen keinen legalen Zugang zu einer von ihnen benötigten Behandlung auf Cannabisbasis gewährt. Trotz der wissenschaftlichen und medizinischen Beweislage nach jahrzehntelanger Erforschung der medizinischen Vorteile von Cannabis und trotz seiner zahlreichen therapeutischen Anwendungsformen bei vielen Krankheiten und Störungen ist die Regierung auf diesem Gebiet wie gelähmt. Die Patienten können jedoch nicht ewig warten und sind darauf angewiesen, dass die Regierung schnell handelt. 

Die OECM, eine Organisation von Patienten, ihren Angehörigen, Ärzten und Wissenschaftlern, schlägt nun Alarm wegen der dringenden Notwendigkeit, auch Patienten in Spanien einen legalen Zugang zu medizinischem Cannabis zu gewähren. Es geht dabei um Anwendungsformen, die ihre medizinische Wirksamkeit unter Beweis gestellt haben und in vielen Staaten wie in den USA, in Uruguay, Kolumbien, Kanada, den Niederlanden, Italien oder Deutschland bereits zugelassen wurden.

Logo der OECM, der spanischen Beobachtungsstelle für medizinisches Cannabis (CC. http://oedcm.com/NUEVAWEBOEDCM/)

Rechtliche, wirtschaftliche und gesundheitliche Risiken für die Patienten

Schätzungen zufolge gibt es in Spanien etwa 50.000 bis 100.000 Personen, die Cannabis für medizinische Zwecke nutzen. Weil ihnen eine legale Beschaffung nicht möglich ist, beklagt die OECM, dass diese Patienten auf den Schwarzmarkt abgedrängt werden, mit allen damit einhergehenden Risiken und negativen Folgen in rechtlicher, wirtschaftlicher und gesundheitlicher Hinsicht.

Denn spanische Patienten, die Cannabis zu medizinischen Zwecken nutzen, werden seit der Verabschiedung des neuen Gesetzes über die zivile Sicherheit  von 2015 wie normale Kriminelle behandelt. Nach diesem Gesetz können alle Personen, die im Besitz von Cannabis angetroffen werden, unabhängig von dessen geplantem Verwendungszweck zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 bis 30.000 € verurteilt werden. Außerdem ist natürlich nicht gewährleistet, dass das auf dem Schwarzmarkt gekaufte Cannabis für die Patienten gesundheitlich unbedenklich ist. Es kann von schlechter Qualität oder sogar kontaminiert sein.

Dem einzelnen Patienten bleibt zwar die Möglichkeit, einem Cannabis-Club oder Cannabis-Verein beizutreten, um gesundheitliche Risiken wegen der Qualität des Cannabis auszuschließen. Aber er riskiert auch dann eine Geldstrafe, sobald er einen Fuß auf die Straße setzt, weil er dann einen illegalen Stoff auf öffentlichen Straßen mit sich führt. Und weder in einem Cannabis-Club noch in einem Cannabis-Verein erhalten die Patienten eine medizinische Beratung, Nachuntersuchungen oder eine Betreuung durch die Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, sodass sie auf die Selbstmedikation angewiesen sind.

Die Vorsitzende der OECM, Carola Pérez, erklärte auf der Pressekonferenz vom 14. September 2017: „Es wird uns der Zugang zu einem Stoff verwehrt, der ein Medikament darstellt. Die traditionellen Behandlungsmethoden funktionieren manchmal nicht, und Cannabis kann dabei helfen, mit den Schmerzen fertig zu werden, den Appetit anzuregen und die Gefühlslage zu verbessern„.

Zu dieser Missachtung der Interessen der Patienten kommt laut Carola Pérez noch hinzu, dass „viele Ärzte Cannabis zwar im Patientengespräch empfehlen, aber nicht sagen, wo man es sich besorgen kann„. Die Kosten für die Beschaffung von Cannabis können außerdem bis zu 800 € pro Monat betragen, was sich nicht jeder leisten kann.

Nur legales medizinisches Cannabis gewährleistet die Sicherheit der Patienten (CC. Steffen Geyer)

Die Vorsitzende der OECM wies außerdem darauf hin, dass durch das Cannabisverbot und die soziale Stigmatisierung, der ein Anwender immer noch ausgesetzt ist, nicht wenige Patienten sich gezwungen sehen, ihre Selbstmedikation mit Cannabis auch vor ihrem engsten sozialen Umfeld wie Familie oder Arbeitskollegen geheim zu halten. Laut den Experten des Beobachtungszentrums sind die medizinische Nutzung von Cannabis und die Nutzung von Cannabis als Freizeitdroge unbedingt voneinader zu trennen: „Die Patienten wollen nicht high sein, sondern die therapeutische Wirkung nutzen, die Cannabis erwiesenermaßen besitzt“.

Genügend wissenschaftliche Beweise für den medizinischen Nutzen von Cannabis

Wie Manuel Guzmán, Professor für Biochemie und Molekularbiologie an der Universidad Complutense de Madrid und Vizevorsitzender der OECM auf der Pressekonferenz erläuterte, liegen heute genügend wissenschaftliche Beweise für den medizinischen Nutzen von Cannabis und seinen Derivaten wie Öle, Extrakte, Tinkturen usw. vor.

Guzmán betonte, dass Cannabis in medizinischer und therapeutischer Hinsicht wertvolle Eigenschaften besitzt und damit sehr viele Krankheiten und gesundheitliche Störungen behandelt werden können. Diese Liste ist sehr lang und umfasst u.a. die Behandlung chronischer Schmerzen, von Muskelkrämpfen, einiger Formen der Epilepsie vor allem bei Kindern, sowie palliative Therapieformen bei Krebs oder neurodegenerativen Krankheiten. Die medizinische Anwendung von Cannabis hilft bei der Linderung von Schmerzen, wirkt entzündungshemmend, verringert Angstzustände und fördert wegen seiner appetitanregenden Wirkung auch die Gewichtszunahme.

„Viele Patienten brauchen Cannabis. Es reduziert nicht nur die Schmerzen, sondern fördert auch die Integration am Arbeitsplatz, im sozialen Umfeld und verringert die Kosten für andere Medikamente wie beispielsweise Opiate„, erklärte Guzmán.

Aus diesen Gründen ist die OECM der Ansicht, dass die spanischen Patienten ab sofort ihre Lebensqualität mit Cannabis auf legalem Wege verbessern können müssen. Das richtige Mittel dafür ist ein spezielles Programm für medizinisches Cannabis in Spanien, das genügend leistungsfähig ist und eine Beschaffung im Wege des Eigenanbaus oder der Kostenübernahme durch die Krankenversicherung erlaubt.

Initiativen der OECM für eine „Politik zur Bekämpfung der Schmerzen“

Die OECM entstand als Plattform für Experten wie Wissenschaftler, Mediziner und Patientenvereinigungen, um wissenschaftlich fundierte Informationen zu liefern und um „Tätigkeiten und Projekte zu fördern, zu koordinieren und durchzuführen, die der Information über die Eigenschaften und den medizinischen Nutzen von Cannabis und seiner Derivate dienen“. Information ist dabei von grundlegender Bedeutung. Das Wissen, das ein Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen und klinischen Studien der letzten Jahrzehnte ist, muss sowohl den öffentlichen und privaten Institutionen und Einrichtungen als auch den Medien und den Cannabispatienten selbst zugänglich gemacht werden.

Bei einer Legalisierung von medizinischem Cannabis sollte auch der Eigenanbau gestattet werden (CC. extensivelyreviewed.com)

Seit ihrer Gründung und ersten Präsentation im September 2016 arbeitet die OECM daran, solche Initiativen zu unterstützen. Im Februar diesen Jahres brachte die OECM daher gemeinsam mit der Partei Ciudadanos einen Entschließungsantrag ohne Gesetzescharakter (Proposición no de Ley, kurz „PNL“) zur Regulierung von medizinischem Cannabis in das Parlament ein, zur Behandlung durch die Kommission für Gesundheit und Soziales der zweiten Parlamentskammer . Leider wurde dieser Antrag abgelehnt. Mit den Stimmen von PP, PSOE, Unidos-Podemos und Ciudadanos wurde jedoch die Bildung einer Unterkommission zugesagt, um das Thema vor einer möglichen Regulierung genauer zu untersuchen. Von dieser Unterkommission ist allerdings bis heute nichts zu hören.

Um weiter über die aktuelle Situation der Patienten in Spanien aufzuklären, organisierte die OECM eine Konferenz mit dem Titel Politik gegen die Schmerzen, die am 18. September 2017 in Madrid stattfand. Diese Konferenz, bei der zum ersten Mal Vertreter der vier wichtigsten politischen Parteien mit Patienten und Experten aus den Bereichen Recht, Medizin, Pharmazie oder Biochemie zusammenkommen sollten, sollte einen Raum für Diskussionen bieten, in dem man offen über die wissenschaftlichen, medizinischen und menschlichen Fragen zu medizinischem Cannabis sprechen konnte.

Die Vorsitzende der OECM sagte zu den Inhalten der Konferenz: „Wir werden dort wichtige Aspekte von medizinischem Cannabis, die aktuelle Gesetzeslage in Spanien und in anderen Staaten, die Vorteile einer Regulierung für die Patienten und die Rolle der Medien behandeln“.

Politik ist der einzig mögliche Weg

Diesen Weg sind schon viele Staaten gegangen, andere denken darüber nach oder sind schon unterwegs.

Die Erfahrung aus Staaten wie Uruguay, den USA, Kanada, Israel oder den Niederlanden, die zur Gewährleistung der Sicherheit der Patienten nationale Programme für medizinisches Cannabis betreiben, hat gezeigt, dass der einzig mögliche Weg, die Situation für die geliebte Pflanze weltweit zu verbessern, eine Politik ist, die die Lebensqualität von Menschen verbessert, indem sie ihnen eine medizinische Behandlung mit Cannabis und seinen Derivaten ermöglicht.

Die Patienten fordern die Regierung Rajoy zum Handeln auf (CC. Mariano Rajoy, spanischer Ministerpräsident)

Aktuell hat Spanien mit diesen Staaten nicht viel gemein. Solange es keine Verbesserungen dieser Situation gibt und solange keine Politik betrieben wird, die zur Bekämpfung der Schmerzen und Leiden von Patienten beiträgt, sind diese weiter den bereits genannten rechtlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, die die Beschaffung von Cannabis auf illegalen Wegen mit sich bringt. Daher muss die Politik die Anwendung von medizinischem Cannabis sofort regulieren und legalisieren, und die Regierung muss unverzüglich handeln, weil die Patienten in Spanien nicht länger warten können.

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Original Artikel:Medizinisches Cannabis: Patienten in Spanien fordern schnelle Legalisierung


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