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Verschiedene Cannabis-Grenzwerte, THC-Tests und THC-Grenzwerte im Straßenverkehr
13/11/2017 - 15:00:00

Obwohl die Cannabis-Gesetzgebung auf der ganzen Welt liberalisiert wird, gibt es in vielen Staaten keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren THC-Grenzwert für Verkehrsteilnehmer. Stattdessen gibt es verschiedenste nationale Bestimmungen, die eine Teilnahme am Straßenverkehr mit THC oder dessen Abbauprodukten im Blut sanktionieren. 

Obwohl die Cannabis-Gesetzgebung auf der ganzen Welt liberalisiert wird, gibt es in vielen Staaten keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren THC-Grenzwert für Verkehrsteilnehmer. Stattdessen gibt es verschiedenste nationale Bestimmungen, die eine Teilnahme am Straßenverkehr mit THC oder dessen Abbauprodukten im Blut sanktionieren. 

Wie viel THC im Blut sein muss, um als berauscht zu gelten, wird allerdings sehr unterschiedlich ausgelegt, je nach dem Staat, in dem man sich gerade befindet. In den USA haben viele Bundesstaaten, die Cannabis als Medizin oder zum Freizeitkonsum legalisiert haben, einen Grenzwert von fünf Nanogramm aktivem THC im Blut festgelegt. In Kanada wird ein genauer THC-Grenzwert voraussichtlich dann festgelegt, wenn der Staat im kommenden Jahr den Cannabiskonsum legalisiert; die entsprechenden Pläne liegen bereits parat. 

Einige THC-Tests erfassen auch THC-COOH, das nicht psychoaktiv ist

In Europa ist die Gesetzgebung dagegen noch sehr uneinheitlich. Während in den meisten Staaten Europas nur aktives THC gemessen wird, spielt in einigen EU-Staaten auch das nicht psychoaktive Abbauprodukt (Metabolit) THC-COOH eine Rolle, wenn es um Tests zur Feststellung der Fahrtauglichkeit geht. In manchen Staaten ist ein Speichel- oder Urintest vor der Entnahme einer Blutprobe obligatorisch, anderswo hingegen freiwillig. Als dritte Variante verzichten viele Staaten auch ganz auf einen Vortest und verlassen sich bei der Anordnung einer Blutprobe auf das geschulte Auge der Polizisten. Damit öffnen sie letztlich die Tür für stereotype Vorurteile gegen Cannabis-Konsumenten. Gerichtlich verwertbar sind allerdings in allen Staaten nur die Blutwerte. Die angedrohten Strafen reichen von Geldstrafen bis zu Fahrverboten, die nicht selten viele Jahre oder gar lebenslang verhängt werden.

Auf den Unterschied zwischen THC-Werten im Blut und im Blutserum kommt es an

In Deutschland ist die Zahl der Cannabiskonsumenten, bei denen eine Fahrtauglichkeitsprüfung angeordnet wird, seit Mitte der 1990er-Jahre kontinuierlich angestiegen. Wer mit mehr als 1 Nanogramm (ng) des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) im Blutserum am Straßenverkehr teilnimmt, bekommt einen Bescheid über ein dreimonatiges Fahrverbot von der Fahrerlaubnisbehörde.

Der deutsche Grenzwert ist der weltweit strengste, verglichen mit anderen Staaten, die einen Fix- oder per se-Wert und somit eine feste THC-Obergrenze definiert haben. Zwar haben andere Staaten wie Luxemburg oder Belgien den gleichen Grenzwert festgelegt, aber in diesen Staaten wird das Meßergebnis aus dem Blug insgesamt abgeleitet. In Deutschland wird der THC-Wert dagegen nur im Blutserum gemessen, was zu einem mehr als doppelt so hohen Wert führt

Deutschland hat verschiedene Strafen für das Fahren unter Cannabis- und unter Alkoholeinfluss

Deshalb stellt eine deutsche Fahrerlaubnisbehörde die Fahreignung schon in Fällen in Frage, in denen der ohnehin niedrige Grenzwert für Blutproben nach international gültigen Standards unterschritten ist und das Nüchternheitsgebot eingehalten wurde. Die Strafen für das Fahren unter Cannabis- oder Alkoholeinfluss sind mit 800 Euro und einem Monat Fahrverbot bei Ersttätern zwar gleich hoch. Allerdings erhalten Cannabiskonsumenten normalerweise nach einigen Monaten ein weiteres Schreiben, in dem sie im Zuge einer verwaltungsrechtlichen Maßnahme zur Ablieferung ihres Führerscheins aufgefordert werden, bis der Beweis geführt wurde, dass sie nicht von Cannabis abhängig sind. Ein Widerspruch dagegen ist zwecklos und in jedem Fall erst nach Abgabe des wertvollen Dokuments möglich.

In der Schweiz liegt der THC-Grenzwert für den Straßenverkehr viel höher

Auch die Schweiz hat das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis genau definiert und die Strafen sind ähnlich hoch wie in Deutschland. Allerdings ist der THC-Grenzwert mit 3ng im Gesamtblut auf einem viel höheren Level definiert. Der Schweizer THC-Grenzwert, der mit der 0,0-Promille-Grenze für Taxifahrer vergleichbar ist, liegt bei 1,5 ng/ml im Gesamtblut. Auf den ersten Blick scheint der in Deutschland geltende Grenzwert von 1 ng/ml nicht wesentlich niedriger zu liegen. Berücksichtigt man aber den Umstand, dass der Schweizer Grenzwert im Gesamtblut und nicht im Blutserum gemessen wird, ergibt sich rechnerisch ein Grenzwert von 3 ng/ml im Blutserum. So liegt der Grenzwert für Berufskraftfahrer in der Schweiz nach deutscher Lesart bei 3 ng/ml, gemessen im Blutserum.

Norwegen hat eine überraschend klare Regelung für Cannabis im Straßenverkehr

Obwohl Norwegen in Sachen Entkriminalisierung alles andere als führend ist, zeigt dieser Staat einen überraschend wissenschaftlichen Ansatz. Hier gibt es jetzt schon, wie auch in Kanada geplant, ein Drei-Stufen-System. Mehr als 1,3 ng werden wie 0,2 Promille Blutalkoholgehalt geahndet. Mehr als 3 ng gelten als 0,5 Promille und für mehr als 9ng gibt es die gleichen, drastischen Strafen wie für Alkoholfahrten mit mehr als 1,2 Promille.

Umstritten ist dort allerdings die Feststellung des THC-COOH-Wertes, aus dem sich angeblich die Konsummenge und damit auch die Konsumfrequenz ermitteln lässt. „Bisher galt es als gesichert, dass zumindest der Nachweis spezifischer Abbauprodukte des Cannabis-Hauptwirkstoffs THC im Haar einen Konsum zweifelsfrei beweist. Forscher am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg um den Toxikologen Prof. Dr. Volker Auwärter haben aber in experimentellen Studien gezeigt, dass dieser Schluss so nicht zulässig ist“ schreibt die Zeitschrift Nature in ihren „Scientific Reports“ im Oktober 2015. Nur der aktive THC-Wert dürfe für die Frage herangezogen werden, ob Fahruntüchtigkeit vorliegt oder nicht.

Die Kampagne Klarer Kopf. Klare Regeln für Cannabis im Straßenverkehr

Um die Situation zumindest in Deutschland langfristig zu ändern, hat der Deutsche Hanfverband (DHV) im Juni 2017 die Kampagne „Klarer Kopf. Klare Regeln“ gestartet. In Deutschland führt der oft langfristige Verlust der Fahrerlaubnis wegen des Cannabiskonsums oft zum Existenzverlust. Die Ungleichbehandlung von Fahrten unter Cannabis- und Alkoholeinfluss führt zu gravierenden Nachteilen für den Cannabiskonsumenten und die Gesellschaft. Letztlich werden damit Steuerzahler, ohne den Verkehr gefährdet oder einen Unfall verursacht zu haben, zu Sozialhilfeempfängern gemacht, weil sie ohne Führerschein ihren Job oder sogar das eigene Unternehmen verlieren. Bestraft wird dadurch nicht die Gefährdung der Verkehrssicherheit, sondern der Cannabiskonsum als solcher. Experten sprechen von einem Ersatzstrafrecht, weil die überzogenen Maßnahmen der Straßenverkehrsbehörden fast gleichzeitig mit der Entkriminalisierung des Besitzes kleiner Mengen für den Eigenbedarf in der Mitte der 1990er-Jahre begonnen haben.

Prof. Volker Auwärter ist Toxikologe aus Freiburg und berät die deutsche Regierung als Mitglied des Sachverständigenausschusses für Betäubungsmittel auch bei verkehrsrechtlichen Fragen. Auwärter kritisiert die fehlende wissenschaftliche Grundlage für die aktuelle Gesetzeslage. Bei Mengen, die praktisch ohne Wirkung seien, drohe bereits der Entzug der Fahrerlaubnis. Das Unfallrisiko bei dem geltenden Grenzwert von 0,5 Promille Blutalkohol sei doppelt so hoch wie bei 0,0 Promille. Bei dem geltenden Grenzwert von 1 ng THC/ml Blutserum sei die berauschende Wirkung hingegen längst nicht mehr nachweisbar.

Fahrer unter Cannabiseinfluss verursachen weniger Unfälle als alkoholisierte Fahrer

Außerdem verursachen Verkehrs teilnehmer unter Cannabiseinfluss seltener Unfälle als alkoholisierte Fahrer. Anders als Alkohol führt Cannabis nicht zu einer Enthemmung, sodass die Entscheidungsfähigkeit nicht reduziert wird. Auwärter wies im Jahr 2014 auf einer Sachverständigenkonferenz in Frankfurt zum Thema Cannabis-Pilotprojekte darauf hin, dass Personen, die Cannabis konsumiert haben, danach meist nicht mehr Auto fahren. Und wenn doch, dann fahre ein unter Cannabiseinfluss stehender Autofahrer sehr viel defensiver als ein Fahrer unter Alkoholeinfluss. Auwärter hält den derzeit geltenden THC-Grenzwert für zu niedrig und sprach sich gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ für dessen Anhebung auf „2 bis 5“ ng aus.

Kleiner Leitfaden zum THC-Grenzwert im Straßenverkehr in verschiedenen Staaten:

Europa:

Belgien: 1 ng

Dänemark : 1 ng

Deutschland: 1 ng im Blutserum, entsprechend 0,5 ng im Gesamtblut. Ermittlung des THC-COOH-Werts.

Großbritannien: 2 ng

Estland: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Finnland: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Frankreich: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Irland: 1ng

Italien: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Kroatien: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Lettland: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Litauen: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Luxemburg: 1 ng

Malta: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen

Niederlande: 3 ng, bei Mischkonsum mit anderen Drogen oder Alkohol 1ng. Seit 2017 gibt es im Rahmen einer Null-Toleranz-Politik für Drogen und Alkohol im Straßenverkehr routinemäßige Kontrollen. Vorher wurde nur bei konkretem Verdacht auf illegale Substanzen getestet.

Norwegen:  >1,3 ng: wird wie 0,2 Promille Blutalkoholgehalt geahndet

> 3 ng wie 0,5 Promille

> 9 ng wird wie 1,2 Promille Blutalkoholgehalt geahndet

Österreich: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Polen: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Portugal: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Rumänien: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Schweden: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Slowenien: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Slowakei: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Tschechische Republik : 2 ng

Ungarn: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Zypern: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Kanada

Kanada plant ein Drei-Stufen-System:

Unter 2 ng THC pro ml Blut werden nicht geahndet.

2 bis 5 ng THC pro ml Blut gelten als Ordnungswidrigkeit und werden mit einem Bußgeld bis 1.000 kanadische Dollar geahndet.

5 ng THC oder mehr pro ml Blut gelten als Straftat. Hier wird im Einzelfall entschieden, ob es zur Strafverfolgung kommt oder eine Geldstrafe verhängt wird.

Mischkonsum von THC und Alkohol: Mehr als 0,5 Promille Blutalkohol und mehr als 2,5 ng gelten als Straftat und werden wie eine Fahrt mit mehr als 5 ng geahndet.

Alle Blutproben müssen innerhalb von zwei Stunden nach Fahrtende durchgeführt werden.

USA

In den USA gelten Fahrten unter dem Einfluss berauschender Mittel grundsätzlich als Straftat. Auch hier wird im Einzelfall entschieden, ob es zur Strafverfolgung kommt oder eine Geldstrafe verhängt wird.

Montana: 5 ng

Ohio: 2 ng

Pennsylvania: 1 ng

Washington: 5 ng. Auch Fahrer mit weniger als 5 ng können aber wegen „Fahrens unter Einfluss von Cannabis“ bestraft werden, wenn die Polizei Ausfallerscheinungen nachweisen kann.

Colorado: 5g

Nevada: 2 ng

Alaska: Kein spezifischer Grenzwert, es zählt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen.

Kalifornien: In Kalifornien gilt der Fahrer als berauscht, wenn die Polizei anhand von Tests beweisen kann, dass:

– die Person als durch Cannabis berauscht wirkt,

– aufgrund des Konsums eine offensichtliche Beeinträchtigung körperlicher und geistiger Fähigkeiten besteht,

– sie unter den gegebenen Umständen nicht mehr so umsichtig wie eine nüchterne Person fahren kann.

Oregon: Hier muss der Staatsanwalt nachweisen, dass der Fahrer durch Cannabis offensichtlich oder feststellbar in seiner Fahrsicherheit beeinträchtigt ist.

Massachusetts: Kein spezifischer Grenzwert, es genügt jede „Beeinträchtigung“, Blutprobe in Verdachtsfällen. Als berauscht gilt ein Fahrer, wenn Cannabis seine Fähigkeit zur sicheren Führung des Fahrzeugs beeinträchtigt.

Maine: 5,0 ng

Washington D.C.: Hier muss der Staatsanwalt nachweisen, dass der Fahrer durch Cannabis offensichtlich oder feststellbar in seiner Fahrsicherheit beeinträchtigt ist.

In folgenden Bundesstaaten reichen bereits geringste THC-Spuren im Blut für eine Strafverfolgung aus:

Arizona

Delaware

Georgia

Illinois

Indiana

Iowa

Michigan

Oklahoma

Rhode Island

South Dakota

Utah

Wisconsin

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Original Artikel:Verschiedene Cannabis-Grenzwerte, THC-Tests und THC-Grenzwerte im Straßenverkehr



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