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Ist Legalisierung Mediensache?
Autor: Lucas Nestler 11/11/2017 - 11:03:00

Es passiert mittlerweile fast täglich, dass man beim morgendlichen Check durch die Newsmeldungen über Cannabis-Berichte in den Mainstreammedien stolpert. Das ist allerdings nicht immer so gewesen und es ist kaum 2 Jahre her als dieses Thema lediglich im kleinen Kreis von Nischenmedien behandelt wurde. 

Wir stellen uns also die Frage inwieweit die Berichterstattung über Cannabis und vordergründig dessen medizinischem Nutzen die aktuelle politische Entwicklung beeinflusst hat oder ob es doch nur dem journalistischen Feingespür auf der Suche nach Inhalten mit hohem Interaktionspotenzial zuzuschreiben ist, dass die großen Redaktionen von z.B: welt.de, zeit.de , spiegel.de und vielen weiteren beinahe täglich Inhalte zum Thema Hanf publizieren? 

Mehrere Dekaden an aufopferndem Aktivismus wurden in die Cannabisdebatte investiert und in Deutschland haben Nischen-Magazine wie die Grow! dafür eingestanden die Szene rund um Cannabis zu entwickeln und ein Fundament für eine Entkriminalisierung bzw. Legalisierung von Cannabis zu erwirken. Sichtlich bewegt hat sich aber in den letzten 20 Jahren wenig bis in den USA. alles ins rollen kam.


Greg James / Marijuana Venture magazine / USA

“Die Legalisierung entpuppte sich als äußerst langsamer Prozess. Jahrelang wurden Aktivisten wie auch Stoner-Magazine schlichtweg ignoriert. Doch als die Massenmedien schließlich anfingen, über die medizinischen Vorteile von Cannabis zu berichten, änderten sich die Dinge schlagartig. Als Washington und Colorado den Konsum für Erwachsene legalisierten, berichteten die Massenmedien, dass keine der Befürchtungen der Legalisierungsgegner eingetroffen waren und so schlossen sich bald auch andere Staaten, einschließlich Oregon, Alaska, Kalifornien, Maine, Massachusetts und Nevada, der Legalisierung an. Hier haben die Medien die öffentliche Meinung zur Legalisierung maßgeblich beeinflusst.”


Tyler Green / ISMOKE / GREAT BRITAIN

“Die wichtige Rolle der Medien darf nicht unterschätzt werden, denn es ist die Leserschaft/ es sind die Zuschauer, die es uns ermöglichen, das Volk zu erreichen, einschließlich jener Menschen, die sich außerhalb der Cannabisoffensive befinden. Daher ist eine nachhaltige Öffentlichkeitswirkung in meinen Augen in jedem Land integraler Bestandteil einer Debatte über die Legalisierung von Cannabis.
Wie dem auch sei, auch die harte Arbeit von Cannabis-AktivistInnen spielt natürlich eine wichtige Rolle, da die Bewegung durch aktive Bewusstseinsförderung und Inspirationsarbeit wächst und Druck auf die Regierungen ausüben kann, Gesetze zu ändern. Und auch das zieht die Aufmerksamkeit der Medien auf sich, die natürlich versuchen, die aktuellsten News zu verbreiten.”

Als Cannabis 2014 in Colorado legalisiert wurde, wurde das Thema weltweit in vielen Medien aufgegriffen. Auch in den deutschsprachigen Medien wurde das Thema flächendeckend behandelt und spätestens mit dem künstlichen Skandal um die Hanfpflanze des Bundesvorsitzenden der Grünen Cem Özdemir bei der Videoaufnahme zur damaligen ALS Ice Bucket Challenge gab es für die Mainstream-Medien kein zurück mehr.

Eine unvergleichliche Entwicklung mit großem Einfluss hat das 2011 gegründete Israeli Cannabis Magazine vollzogen. Mit einer Strategie die teilweise völlig unbedarfte Politiker auf dem Cover zeigte, hat das Magazin in den letzten Jahren eine öffentliche Diskussion angefacht die weit über den eigenen Mikrokosmos der Cannabisaktivisten reichte.


Oren Lebovich / The Israeli Cannabis Magazine / Israel

“Ich denke, es ist von größter Wichtigkeit, dass sich die unabhängige Presse mit Cannabis auseinandersetzt und, dass dies einen untrennbaren Teil des Legalisierungsprozesses ausmacht. Politische Veränderungen werden oft erst durch öffentliche Druckmache möglich und somit muss erst Druck seitens der Öffentlichkeit auf die Volksvertreter ausgeübt werden, um etwas auf politischer Ebene zu bewegen.
Genau auf diese Weise kämpft das Israeli Cannabis Magazin seit 2011 für die Legalisierung und für medizinisches Cannabis. Bei der Gründung des Magazins erkannten wir, dass die Öffentlichkeit keine Ahnung davon hatte, dass Cannabis aus rassistischen und wirtschaftlichen Gründen für illegal erklärt wurde, niemand war mit der ungerechten Kriminalisierung von Cannabiskonsumenten vertraut und schon gar niemand war sich des therapeutischen Potenzials dieser Pflanze bewusst.
In sieben aufeinanderfolgenden Jahren lieferte das Israeli Cannabis Magazin der Cannabiswelt täglich und punktgenau News, Updates, Informationen und Leitfäden. Informationen, die den Massenmedien immer mal wieder widersprachen, und Anhängern der Legalisierung Antworten und Referenzen für ihren Kampf lieferten; den Versuch, die öffentliche Meinung innerhalb ihres eigenen Mikrokosmos zu verändern.
In einer Welt voller Fehlinformationen spielt das geschriebene Wort eine wichtige Rolle. Viele Veränderungen bezüglich der öffentlichen Meinung waren spezifischen Sprachkorrekturen geschuldet. Wir konzentrierten uns darauf, das Wort „Cannabis“ anstelle von „Marihuana“ oder noch schlimmer „Drogen“ zu verwenden. „Nichtbelastung“ oder „Regulierung“ anstatt von „Legalisierung“ und „Cannabiskonsument“ anstelle von „Stoner“.
Schwieriger als in der Schweiz, wo Cannabiskonsumenten seit 2012 nicht mehr belastet werden und derzeit Cannabis-Hanfzigaretten und CBD-Sorten im Handel erhältlich sind, sieht die Situation in Israel aus. Hier wird Hanf laut Gesetz immer noch als Droge angesehen. Als das Magazin 2011 gegründet wurde, haben sich die Menschen noch dafür geschämt, auf Facebook eine Seite namens „Cannabis“ zu liken. Heute hingegen gehört das Thema zu den beliebtesten im öffentlichen Diskurs und erfreut sich breiter Zustimmung. Heute wird der Inhalt des israelischen Magazins „Cannabis“ täglich von Hunderttausenden Israeliten gelesen und gehört zu den beliebtesten unabhängigen Medienorganisationen in Israel.
Das alles ist natürlich Teil der global um sich schlagenden Informationsrevolution. Google, Facebook und andere soziale Netzwerke haben gezeigt, dass sie mit ihrem Einfluss Revolutionen anführen und sogar Staatsoberhäupter auf der ganzen Welt stürzen können, Ebenso haben das Internet und mobile Anwendungen sehr dazu beigetragen, den Kampf um Gerechtigkeit in Sachen Cannabis in die Welt zu tragen.
Dennoch hüllen uns soziale Netzwerke oft in eine Art Blase, die uns nur mit den Leuten umgibt, die sich für ähnliche Themen interessieren und einsetzen wie wir. Um jedoch wahre Veränderungen zu bewirken, ist es nötig, in Gesellschaftskreise vorzudringen, die weit von den eignen liegen. Um Veränderungen zu bewirken, muss man vor allem den klassischen Mainstream ansprechen.
Aus eben diesem Grund und aufgrund der Vorurteile, die sich über Jahre der Negativpropaganda und lustigen „Stoner-Inhalte“ aufgebaut haben – da es dem Establishment natürlich in die Hände spielt, eine Gruppe von Kiffern vorzuführen – sollte man besonders überlegt und vorsichtig mit Medien umgehen, Inhalte genau filtern und kritisch auswählen, worauf der Fokus liegen soll, ebenso sollten die Inhalte Korrektur gelesen werden und im guten und intelligenten Stil verfasst sein.
Wir haben ein Forum auf die Beine gestellt, in dem sich Menschen anonym miteinander über Internetseiten austauschen können, die wichtige, detaillierte und interessante Informationen über Cannabis im Generellen, aber auch über Cannabis für medizinische oder industrielle Zwecke sowie über vieles mehr liefern.
Natürlich reichen die Medien alleine nicht aus. Vom ersten Tag an zeigte das Israeli Cannabis Magazin Politiker auf dem Cover (Befürworter wie Gegner) – Die meisten von ihnen waren in der Sache ziemlich inkompetent und machten bei ihren Auftritten im TV oder in der Zeitung viele Fehler. Das nutzte das Magazin natürlich, um eben solche Zitate mitsamt akkuraten Interpretationen einem breiten Publikum zu präsentieren.
Wir haben jene Mitglieder der Knesset promotet, die unsere Sache auf politischer Ebene unterstützt haben. Ich selbst war Vorsitzender der Liberalen Liste „Green Leaf Partei“, die seit 1999 aktiv ist.
Mit der Zeit konnte auch die Presse unseren wachsenden Zuspruch nicht mehr ignorieren. Und so fing sie an, mit weniger Antihaltung und manchmal sogar auf positive Weise über uns zu berichten.
Somit sind wir heute, dank der gemeinsamen Hilfe von Medien und Politik (jedoch leider ohne den Dritten im Bunde – dem Geld) näher an der Verabschiedung eines Gesetzes zur Linderung des Strafmaßes für Cannabiskonsumenten, als je zuvor seit der Verabschiedung des israelischen Drogengesetzes, das 1929 unter der Britischen Armee erlassen wurde.
Bei all der Arbeit, die Cannabis-Befürworter hier in Israel aber auch weltweit bereits geleistet haben, sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der Kampf um eine gesetzliche Regulierung des Cannabismarktes weitergehen muss. Jede andere Lösung überließe diesen Markt kriminellen Interessen und würde nicht jene Probleme lösen, die manchmal aus einem unverantwortlichen oder unsachgemäßen Cannabiskonsum entstehen können.
Um nun also auf die anfangs gestellte Frage zu antworten, ob die Legalisierung von Cannabis eine mediale Angelegenheit sei, würde ich basierend auf den vielen Veränderungen der letzten Jahre in diesem Bereich sagen „nicht ausschließlich, aber ja“.”

Eine weitere spannende Vorgehensweise ist das von Ricardo Bacas 2013 gegründete Magazin „The Cannabist“ – das zur Denver Post gehört.

Hier wagt sich ein etabliertes Mainstreammedium einen eigenen Ableger zum Thema Cannabis zu gründen, bei welchem sogar Vollzeitstellen als Weed-Tester vergeben wurden, was ein großer Schritt in Sachen der öffentlichen Akzeptanz zu sein schien.


Sam Caldwell / Dope Media / Australien

“Die Massenmedienindustrie war in unserem modernen Zeitalter lange Zeit das Hauptinstrument, um soziale Veränderungen in Gang zu setzten. Während unzählige Menschen auf der ganzen Welt für eine sehr lange Zeit hart für die Legalisierung von Cannabis gekämpft haben, blieb dies jedoch großteils Thema kleiner Nischenmagazine und alternativer Medien. Erst seit kurzer Zeit ist dahin gehend eine Veränderung wahrzunehmen, dass Cannabis auch von den Massenmedien eine große Aufmerksamkeit erfährt. Am besten zeigt sich das an Ricardo Bacas 2013 gegründetem Magazin „The Cannabist“ – das zur Denver Post gehört, oder an anderen großen Cannabismedien wie Weedmaps (marijuana.com) oder Leafly. Es wäre schwierig, die gesetzlichen Veränderungen hinsichtlich Cannabis nur auf die Verbreitung in den Medien alleine zurückzuführen. Dennoch sind die Massenmedien für mich ein guter Spiegel umfassenderer sozialer Trends. Je mehr Akzeptanz Cannabis in der Gesellschaft erfahren wird, desto positiver werden zukünftig auch moderne Medien wie BuzzFeed, Vice, Huffington Post und auch andere darüber berichten. Das bewahrheitet sich auch auf regionaler Ebene in Australien. Der Cannabiskonsum – sei es medizinisch oder in der Freizeit – wird schon jetzt vermehrt von Mainstreammarken wie BuzzFeed oder Vice und auch kleineren Magazinen aufgegriffen. Im Jahr 2016 gründete sich „Dopamine“, Australiens erste cannabisorientierte Medienmarke für den Mainstream. Die Zeitschrift verzeichnete bereits Erfolge und wird sich, wie ich vermute, auch weiterhin positiv entwickeln, indem sich auch Werbetreibende für Marken öffnen, die Cannabis offenkundig supporten.”

Ein Sonderfall in Sachen Akzeptanz ist Frankreich. Ein Land das defacto zu den Spitzenreitern im Cannabiskonsum gehört, in dem die Gesetze aber strenger gestaltet sind als in den meisten anderen Ländern. Umso weniger wundert es, dass newsweed.fr im Jahr 2017 das erste und einzige Cannabis Magazin in Frankreich ist. Aurélien Bernard erklärt, dass sie sich mit dem Magazin nicht an der Legalisierungsdebatte beteiligen sondern ausschließlich neutrale und faktenbasierte Aufklärung, vor allem im therapeutischen Sektor, betreiben.


Aurélien Bernard / newsweed.fr / Frankreich

“Ist die Legalisierung von Cannabis Angelegenheit der Medien?
Wenn wir diese Frage ehrlich beantworten wollen, müssen wir uns über die Rolle der Medien Gedanken machen. Ursprünglich gehört Folgendes zu ihren Aufgaben:

  • Kritik am Establishment zu üben
  • Die Masse aufzuklären
  • Soziale Bindungen zu schaffen

Aber wenn wir über Cannabis sprechen, spielen die Medien eine etwas kompliziertere Rolle, vor allem in Frankreich.
Um die Cannabissituation in Frankreich in zwei Sätzen zusammenzufassen, könnte man sagen, dass wir trotz strenger Gesetze, in Sachen Konsum zu den Champions gehören. Und auch wenn wir in einem freien Land leben, ist unsere freie Meinungsäußerung eingeschränkt, da wir den Cannabiskonsum legalerweise nicht gutheißen können. Cannabis könnte etwas Gutes sein? Nein, ab in den Knast!
Im Jahr 2017 ist Newsweed das erste und einzige französische Cannabismagazin. Wir haben beschlossen, unser redaktionelles Leitbild neutral zu halten und nicht an der Diskussion teilzunehmen. Unsere Rolle besteht grundsätzlich darin, basierend auf konkreten Studien und Fakten das Bewusstsein für Dinge zu schärfen, die anderswo passieren, beispielsweise für wissenschaftliche Studien und therapeutische Chancen.

Wir haben natürlich persönliche Überzeugungen und wir arbeiten auch mit Cannabis-Vereinigungen zusammen. Wir saßen bei der französischen Cannapride im April sogar im ersten Bus, aber auf unserer Webseite nehmen wir keine Stellung zum Thema Legalisierung. Unser Ziel ist vielmehr, unsere Leser zum Nachdenken zu bewegen, darüber was innerhalb unserer Grenzen, aber auch außerhalb Frankreichs passiert.
Somit halten wir uns aus der Pro-Cannabis-Stigmatisierung, die in Frankreich besonders stark ist, gezielt heraus, und versuchen mit Blick auf die Massenmedien, die weiterhin über die halluzinogenen Effekte von THC oder die Theorie der Einstiegsdroge berichten, so professionell wie möglich zu agieren.
In die Zukunft blickend, müssen die Medien in den Legalisierungsprozess involviert werden, ganz einfach, weil sie auf Fakten basieren. Abgesehen von einem Werbeverbot, zeigt sich faktisch, dass die bisherige Unterdrückung des Themas fehlgeschlagen ist. In Frankreich beginnen sich die Dinge zu wandeln. Ich erkenne das mitunter daran, dass die Massenmedien immer öfter anbeißen, wenn die French Press Agency (AFP) über ein cannabisbezogenes Thema berichtet. Und das jetzt auch signifikant häufiger bei positiven Berichten über Cannabis.
Die Medien sind, entgegen aller Überzeugungen dazu da, darüber zu berichten und sie fangen nun auch damit an. Obwohl viele noch nicht die Bedeutung von Cannabis für die Welt begreifen, zeigen einige Journalisten dennoch Kompetenz auf diesem Themengebiet. Als Newsweed ebnen wir mit Freuden den Weg, Verbotenes zukünftig ansprechen zu können, und das tun wir mit derselben Kompetenz, mit der andere Journalisten über jegliches andere Thema berichten.

Wir wissen nicht, was die Zukunft für Frankreich in petto hält. Ganz bestimmt haben wir eine Idee davon, doch sind wir lediglich hier, um die Legalisierungsbewegung zu begleiten. Und wir sind nicht allein, sondern wir sind eine Legion und die Zukunft wird uns früher oder später Recht geben. Das ist genau die Rolle, die ein Medium während einer Reformbewegung innehalten sollte.”

Wir stehen also morgens auf und lesen mal wieder einen Bericht zum Thema Cannabis. Wir überfliegen vielleicht einige Passagen und sind am Ende oberflächlich über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Aber ist Cannabis nicht weit mehr und wie können nun auch die wichtigen Detailinformationen an Stellen gelangen wo Aufklärungsbedarf herrscht? Der Szenemensch bezieht seine Szene-Magazine im Kiosk oder per Abonnement und alle anderen überfliegen nur oberflächlich recherchierte Newsmeldungen?

Es mag paradox klingen wenn nun ein Kommentar folgt welches sich auf das Hanf Magazin bezieht, jedoch muss dieser Missing-Link an dieser Stelle aufgezeigt werden, da es so wunderbar einfach scheint den beinahe unstillbaren Wissensdurst hunderttausender Mitmenschen zu stillen.


Lucas Nestler / Hanf Magazin / Schweiz

“Unsere Intention ist es, die Menschen dort abzuholen wo sie aktuell stehen. Zuviele sind im Thema Hanf noch neu aber dennoch empfänglich für verständlich aufgearbeitete Informationen die ihnen auf seriöser und wertiger Ebene präsentiert werden. Wir sind davon weggekommen Informationen zu verstecken und verbreiten unser Magazin über Apotheken, Ärzte, Bioläden, Weltläden und viele weitere Stellen an denen sich Leute tummeln bei denen wir auf offene Ohren stoßen.”

Einen wichtigen Punkt den auch Oren Lebovich vom Israeli Cannabis Magazin mehrfach betonte, spricht auch Markus Lust vom Vice Magazine aus. Es geht um das grundlegende Wording in der Kommunikation rund um Cannabis. Dabei macht es bereits einen großen Unterschied ob man von „Kiffern“ oder „Cannabiskonsumenten“ spricht oder ob man „Entkriminalisierung“ anstelle eines dauernden pochens auf eine „Legalisierung“ verwendet.


Markus Lust / Chefredakteur VICE / Österreich

“Legalisierung ist natürlich eine Frage der Legislative – das sollten und können Medien zum Glück nicht eigenmächtig umgehen. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht gut überlegen sollten, wie wir mit dem Thema umgehen und wie wir Bewusstsein oder Akzeptanz für gewisse Positionen schaffen können. Wenn der Boulevard zum Beispiel bei seinem Wording von Cannabis als „Rauschgift“ bleibt, darf es einen auch nicht wundern, wenn sich der urbane Mythos vom weed-spritzenden Marihuana-Junkie, der entweder unter der Brücke lebt oder glaubt, er könnte fliegen, weiterhin anhält.

Dass die momentane Cannabis-Prohibition nach so ziemlich allen rationalen Gesichtspunkten Bullshit ist und, wenn überhaupt, nur politisch einen Sinn ergibt, ist für mich jedenfalls Realität. Unsere Aufgabe als Medien ist es, einerseits auf die logischen Gründe, die dagegensprechen, aufmerksam zu machen, aber andererseits auch, die Konsequenzen und Alternativen aufzuzeigen.

Erst im Mai 2017 hatte der Guardian einen Beitrag mit dem Titel „Die gesamte Kultur rund um Drogen ist suchterzeugend“ publiziert. Das ist ein genauso wichtiger Punkt, wie die Diskussion über einzelne Drogen an sich. Wir verherrlichen oder verteufeln die Substanz, ohne uns Gedanken über die gesellschaftliche Dimension zu machen. Eigentlich wissen wir das alles schon seit den 1970ern, als das „Rat Park“-Experiment gezeigt hat, dass nur Ratten in desolaten Käfigen Heroin nehmen, aber Ratten in schönen Gehegen darauf verzichten. Übertragen auf Cannabis und die Gegenwart bedeutet das: Wir sollten uns nicht vor der Substanz anscheißen, sondern einen vernünftigen Umgang mit ihr lehren und lernen – und wenn dann Leute in so etwas wie psychische Abhängigkeit schlittern, sollten wir uns fragen, was in ihrem Leben sonst nicht ideal läuft.

Wichtig sind aus meiner Sicht also zwei Dinge: Die Entkriminalisierung auf Seite des Gesetzgebers und die Enttabuisierung auf Seite der Medien. Zweiteres ist oft ein schwieriger Balanceakt zwischen tendenziöser Bubble-Berichterstattung – also für Leute, die sowieso schon bekehrt sind – und echter Aufklärung für Leute, die keine Ahnung von irgendwas – und nicht mal genügend Reflexion über ihren eigenen Alkoholkonsum – haben. Irgendwie müssen wir beide abholen, ganz nüchtern über problematischen und nicht-problematischen Konsum reden (in Bezug auf Alkohol, Kaffee, Cannabis und alles dazwischen) und uns nicht damit zufrieden geben, wenn uns Gleichgesinnte auf die Schulter klopfen.”

Legalisierung ist natürlich eine Frage der Legislative – das sollten und können Medien zum Glück nicht eigenmächtig umgehen. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht gut überlegen sollten, wie wir mit dem Thema umgehen und wie wir Bewusstsein oder Akzeptanz für gewisse Positionen schaffen können. Wenn der Boulevard zum Beispiel bei seinem Wording von Cannabis als „Rauschgift“ bleibt, darf es einen auch nicht wundern, wenn sich der urbane Mythos vom weed-spritzenden Marihuana-Junkie, der entweder unter der Brücke lebt oder glaubt, er könnte fliegen, weiterhin anhält.

Dass die momentane Cannabis-Prohibition nach so ziemlich allen rationalen Gesichtspunkten Bullshit ist und, wenn überhaupt, nur politisch einen Sinn ergibt, ist für mich jedenfalls Realität. Unsere Aufgabe als Medien ist es, einerseits auf die logischen Gründe, die dagegensprechen, aufmerksam zu machen, aber andererseits auch, die Konsequenzen und Alternativen aufzuzeigen.


Stefan Zmojda / wallstreet:online AG / Deutschland

“Änderungsprozesse zu unterstützen und diese erklärend zu begleiten, ist immer auch eine Aufgabe der Medien. Das haben wir in der Vergangenheit bei wallstreet:online so gesehen und praktizieren dies auch heute aktiv. Zudem liefert unsere Community über Foren und Diskussionen wertvolle Aufklärungsbeiträge zu den verschiedensten Themen, wie beispielsweise auch zur Legalisierung von Cannabis in Deutschland.”

Fazit: Es gibt wohl kaum ein Thema welches weltweit soviel Zuspruch findet wie das Thema Cannabis. Für ein Themenfeld was vor allem im medizinischen Bereich noch weitestgehend unerforscht ist, ist es erstaunlich in welchem Tempo sich weltweit Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten beginnen für eine Lockerung der Gesetze rund um den Hanf einzusetzen. Auch unter den Medien steigt die Frequenz der Erscheinungen zu diesem Thema sowie auch die Kompetenzen im gesamten Umfeld in einem rasanten Tempo. Es hat sich bereits eine Eigendynamik entwickelt die kaum noch aufzuhalten ist. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein bis die politischen und infrastrukturellen Weichen für eine kontrollierte und selbstbestimmte Versorgung mit Cannabis gestellt werden.

Ist Legalisierung Mediensache?
„nicht ausschließlich, aber ja“.

Der Beitrag Ist Legalisierung Mediensache? erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel:Ist Legalisierung Mediensache?


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