Hempyreum.org
Local Time
English (UK) Deutsch (DE) Français (FR) Español (ES) Italian (IT)
Neuroprotektive Wirkung des Phytocannabinoids THCA in internationaler Studie nachgewiesen
06/11/2017 - 15:52:00

Die Liste von Krankheiten, für die die Phytocannabinoide der Cannabispflanze Sativa L. medizinische Vorteile besitzen, wird immer länger. Jetzt beweist eine Studie, dass die im rohen Cannabis enthaltene Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) eine wichtige neuroprotektive Wirkung aufweist. Weiterlesen. 

Die Phytocannabinoide, Hauptwirkstoffe der Cannabispflanze Sativa L., sind entscheidend für die medizinischen Eigenschaften und den therapeutischen Nutzen der Pflanze für unsere Gesundheit. Die Fortschritte bei der Forschung ergeben, dass diese Cannabinoide für die Behandlung von immer mehr Krankheiten und Störungen nachweislich von Nutzen sind. Und nun ist die Forschung bei der Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) angelangt. Ein Phytocannabinoid in Säureform, das im unbehandelten Cannabis vorkommt. Ein internationales Forscherteam hat eine Studie veröffentlicht, die die bedeutende neuroprotektive Wirkung von THCA nachweist, was einen vielversprechenden Einsatz gegen Stoffwechselkrankheiten, neurodegenerative und neuroinflammatorische Krankheiten bedeuten könnte. 

Für ein besseres Verständnis der Tragweite der hier behandelten Studie, zunächst einmal eine kleine Einführung in einige Grundbegriffe der Wissenschaft über die Cannabinoide, die einigen Lesern bekannt sein dürften, aber anderen vielleicht auch nicht. 

Was sind Phytocannabinoide?

Im Allgemeinen wird der Begriff „Cannabinoid“ für alle chemischen Substanzen verwendet, die sich unabhängig von ihrer Herkunft oder Struktur mit dem körpereigenen Endocannabinoidsystem, genauer, den Cannabinoidrezeptoren verbinden, die in unserem Körper und Gehirn sitzen.

Diese chemischen Substanzen bilden eine breitgefächerte Gruppe, die in drei Subgruppen unterschieden werden kann:

  • Die pflanzlichen Cannabinoiden bzw. Phytocannabinoiden, die die Cannabispflanze auf natürliche Weise bildet;
  • die endogenen Cannabinoiden bzw. Endocannabinoiden, die von tierischen Organismen und dem menschlichen Körper selbst produziert werden, wie etwa das Anandamin 2-AG;
  • und die synthetischen Cannabinoide, die – wie der Name schon sagt – im Labor synthetisch hergestellt werden.

Endocannabinoide sind Teil eines Modulationssystems in unserem Organismus, , auf das die pflanzlichen Cannabinoide bzw. Phytocannabinoide wirken. Wenn wir Cannabis rauchen oder oral oder mit einem Vaporizer zu uns nehmen, reagieren diese Phytocannabinoide mit unseren Körperzellen und rufen medizinisch positive Effekte hervor.

Das CBG bietet therapeutisches Potential bei Hautkrankheiten und eine leichte tumorhemmende Wirkung bei Prostatakrebszellen (CC. MarihuanayMedicina

Bis heute wurden mit den Säure- und neutralen Formen, analogen und anderen Umwandlungsprodukten insgesamt mehr als 100 Phytocannabinoide gefunden. Unter den bekanntesten und meist untersuchten Cannabinoiden der Cannabispflanze Sativa L. und ihren Derivaten befinden sich Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN). Weniger bekannt sind hingegen das Cannabicromen (CBC), Cannabigerol (CBG), das Cannabicyclol (CBL), Cannabidivarin (CBDV) und viele mehr.

Die Relevanz der Cannabinoidforschung gründet auf der Hoffnung auf ihre therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin, was derzeit weltweit ein überaus aktuelles Thema ist und weit über wissenschaftliche oder klinische Fragen hinausgeht.

THCA: Eine Cannabinoidsäure ohne psychoaktive Wirkung

Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) ist eine Cannabinoide-Verbindung bzw. -Säure, die man im Rohhanf vorfindet, bevor eine als „Decarboxylierung“ bekannte chemische Reaktion eintritt. Diese Reaktion wird hervorgerufen, wenn das Cannabis getrocknet oder Wärme ausgesetzt wird, wodurch sich die Säuren in ihre neutralen und psychoaktiven Formen verwandeln. Das heißt, es ist dieser chemische Prozess, der die Psychoaktivität des Cannabis erzeugt, weshalb die Cannabinoidsäuren keine psychoaktive Wirkung besitzen. Ein wichtiger Aspekt, der auch das Interesse der Wissenschaft an diesen weckt.

THCA wird zu Δ9-THC – dem berühmten und wichtigsten psychoaktiven Bestandteil der Pflanze – durch die Verbrennung, Vaporisierung und Erhitzung auf einer geeigneten Temperatur. Es ist also nicht möglich, Cannabinoidsäuren zu rauchen oder zu inhalieren, sondern sie können nur eingenommen oder topisch angewendet werden.

Cannabissaft aus Blättern und frischen und rohen Knospen enthält Cannabinoidsäuren (CC. Rusty Blazenhoff)

Neuroprotektive Eigenschaften der Cannabinoide

Kehren wir nun zurück zu der Studie. Sie beweist einmal mehr das Interesse der wissenschaftlichen Forschung an medizinischem Cannabis und den therapeutischen Eigenschaften ihrer Komponenten – vor allem der nicht psychoaktiven Bestandteile wie etwa CBD.

Die medizinische Forschung wurde vom biomedizinischen Forschungsinstitut Instituto Maimónides de Investigación Biomédica de Córdoba, Spanien, zusammen mit drei im Bereich der medizinischen Cannabisforschung führenden Unternehmen durchgeführt: Phytoplant Research SL, VivaCell Biotechnology Spain SL und Emerald Health Pharmaceuticals. Veröffentlicht wurde die Studie im British Journal of Pharmacology.

Die Forscher haben festgestellt, dass Tetrahydrocannabinolsäure bzw. THCA ein großes neuroprotektives Potenzial aufweist und deshalb eine vielversprechende Behandlung von neuroinflammatorischen und degenerativen Erkrankungen wie der Huntington-Krankheit sowie schwächenden neurodegenerativen Krankheiten wie Multipler Sklerose, Alzheimer und Parkinson u. a. darstellen könnte.

Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich ca. 6,8 Mio. Menschen an diesen neurodegenerativen Krankheiten, von denen die meisten die kognitiven und andere Funktionen des Organismus wie den Gleichgewichtssinn, den Bewegungsapparat, Sprech- oder sogar die Atemfunktionen und das Herz angreifen.

Die Studie weist nach, dass das nicht psychoaktive Phytocannabinoid THCA, das die Pflanze Cannabis Sativa L. in großen Mengen bildet, diese Wirkung im unbehandelten Zustand durch die Aktivierung der PPARγ-Rezeptoren erzielt und – anstatt auf das Endocannabinoidsystem einzuwirken – die in der medizinischen Gleichung unerwünschten psychotropischen Wirkungen bzw. die Wirkungen auf das Gehirn unterdrückt.

Laut Dr. Xavier Nadal, Manager des Extraction Departments der Firma Phytoplant Research SL., „eröffnet diese Entdeckung eine neue Palette an neuroprotektiven Anwendungsmöglichkeiten der Cannabinoide unter Vermeidung der psychoaktiven Sekundärwirkung”. 

Ergebnisse der In-vivo-Studie

Die Studie wurde an Laborversuchstieren, konkret an Nagetieren durchgeführt, um die Bioaktivität von THCA zu untersuchen, denn obwohl bereits in einigen Cannabis-Präparaten enthalten, wurde es von der Wissenschaft bisher kaum untersucht. Des weiteren sollte festgestellt werden, ob Δ9-THCA den PPARγ-Weg moduliert, und seine neuroprotektive Aktivität in vivo überprüft werden.

Depigmentierung der schwarzen Substanz bei postenzephalitischem Parkinson (CC. Digital Collections, UIC Library)

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Cannabinoidsäuren an die PPARγ-Rezeptoren andocken und sie stärker aktivieren als ihre decarboxylierten Produkte. PPARγ ist der Kernrezeptor einiger Cannabinoide und der PPARγ-Signalweg spielt eine Rolle bei der Neuroinflammation und der Epilepsie. Weil Δ9-THCA ein starker PPARγ-Agonist ist, wies es eine neuroprotektive und neuroinflammatorische Aktivität bei einem von der Huntington-Krankheit betroffenen Versuchstier auf. Bei den Nagern, die mit dem Mitochondriengift 3-Nitropropionsäure inokuliert waren, unterstützte das THCA die Verbesserung der motorischen Defizite und beugte der striatalen Degeneration durch einen PPARγ-abhängigen Weg vor.

Auf der anderen Seite nahm durch die Tetrahydrocannabinolsäure die Mitochondrienmasse in den N2a-Neuroblastomzellen zu und verhinderte die durch Kochsalzentzug bei den STHdhQ111/Q111-Zellen induzierte Zytotoxizität. Es wurde auch eine Linderung der Mikrogliose und Astrogliose nachgewiesen, sowie eine Drosselung der Wirkung von entzündungsfördernden Mittlern und Markern, die normalerweise mit der Huntington-Krankheit assoziiert sind.

Schlussfolgerungen

Das Forscherteam schlussfolgert in seiner Studie, dass Δ9-THCA eine starke neuroprotektive Aktivität aufweist, deren Berücksichtigung bei der Behandlung der Huntington-Krankheit und womöglich auch anderer neuroinflammatorischer und neurodegenerativer Krankheiten lohnend ist. Ebenso kam man zu dem Schluss, dass die nicht decarboxylierten pflanzlichen medizinischen Cannabis-Präparate hohe Konzentrationen an weiteren nicht psychoaktiven Cannabinoidsäuren enthalten können wie etwa Cannabidiolsäure (CBDA) und Cannabigerolsäure (CBGA), die ebenfalls mit PPARγ agieren.

Das Interesse und die Relevanz solcher Studien basiert darauf, Beweise zu liefern, dass diese in der Cannabispflanze Sativa L. enthaltenen Cannabinoidzusammensetzungen aus pharmakologischer Sicht ein riesiges Potential in sich tragen. Obgleich es sich mehrheitlich um präklinische Studien handelt, d. h. nicht am Menschen getestet wird, bestehen keine Zweifel daran, dass die Ergebnisse das Potential von medizinischem Cannabis als alternative oder ergänzende Behandlungsmethode zeigen, die vielen Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten und Störungen auf der ganzen Welt helfen könnte.

Die nicht psychoaktiven Cannabinoidsäuren in der unbehandelten Cannabispflanze Sativa L. cruda besitzen neuroprotektive Wirkung (CC. David Mosas)

Im Unterschied zu CBD, das aus Hanf gewonnen wird, stammt THCA jedoch aus der Schwesterpflanze, die immer noch in vielen Teilen der Welt verboten ist. Viele Studien und Forschungsarbeiten über Cannabinoide konnten daher immer noch nicht an menschlichen Patienten durchgeführt werden aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage, die dies untersagt und der Pflanze nach wie vor ihren medizinischen Nutzen abspricht. Solange sich an den Gesetzen nichts ändert, wird die Wissenschaft weiter gegen eine Mauer anrennen.

Original Artikel:Neuroprotektive Wirkung des Phytocannabinoids THCA in internationaler Studie nachgewiesen


©2017 - Hempyreum.org - Nachrichten aggregator über Hanf und Cannabis [Beta] | Alle Rechte und Inhalten sind Eigentum der Jeweiligen Inhaber

Werbung