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Beeinflusst der Cannabiskonsum unsere Art zu Gehen?
19/10/2017 - 10:00:00

Die weltweite Diskussion um die Legalisierung von Cannabis führt dazu, dass viele wissenschaftliche Studien über die Wirkungen von Cannabis auf den Körper durchgeführt werden. Zur Art der Bewegung stellt sich die Frage: Beeinflusst Cannabis die Art des Gehens und den Gleichgewichtssinn? Zu dieser Frage wurde eine Studie durchgeführt. Lesen Sie mehr. 

Wir verfügen heute über eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, die die Wirkungen von Cannabis auf unseren Organismus untersuchen, und es werden ständig neue durchgeführt. Der Grund dafür ist, dass derzeit weltweit über eine Legalisierung von Cannabis sowohl für medizinische Zwecke als auch als Freizeitdroge diskutiert wird. Wie die Phytocannabinoide der Cannabispflanze den menschlichen Organismus beeinflussen und wie sie mit dem körpereigenen Endocannabinoidsystem interagieren, ist daher zum Thema wissenschaftlicher Untersuchungen geworden. Heute geht es um einen Aspekt, der bisher nur wenig untersucht wurde, nämlich die Wirkung von Cannabis auf die Bewegung. Anders gesagt: Beeinflusst der Konsum von Cannabis unsere Art zu Gehen und unseren Gleichgewichtssinn? Eine Universität in Australien hat zu dieser Frage eine Studie verfasst. 

Die Wirkungen von Cannabis erfahren heute weltweit große Aufmerksamkeit, was an der geplanten Entkriminalisierung bzw. Legalisierung in immer mehr Staaten liegt. Die Untersuchungen der wissenschaftlichen Community konzentrieren sich auf die Frage, auf welche Weise Cannabis den menschlichen Körper physisch und psychisch beeinflusst, um so die möglichen positiven oder negativen Wirkungen des Konsums auf unsere Gesundheit zu ermitteln. 

Immer mehr Staaten legalisieren oder entkriminalisieren Cannabis (CC. Andrés Rodríguez)

An der Art des Gehens erkennbar?

Wie der Cannabiskonsum einige Elemente des psychomotorischen Apparates beim Menschen und damit unseren Gleichgewichtssinn und unseren Gang beeinflussen kann, ist bis jetzt nur sehr selten untersucht worden. Daher hat eine australische Forschergruppe Anfang September in der Zeitschrift Drug and Alcohol Dependence eine Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und der Art des Gehens analysiert, wenn die Konsumenten gerade Cannabis geraucht oder es mit einem Vaporizer oder als Edible zu sich genommen haben.

Denn der Wissenschaft weiß bereits heute, dass die Cannabinoidrezeptoren in den Regionen des Gehirns sitzen, die mit der Körperbewegung zusammenhängen, genauer gesagt: In den Basalganglien, in der Großhirnrinde und im Kleinhirn. Ein regelmäßiger Konsum von Cannabis wird heute außerdem mit funktionellen und strukturellen Änderungen im Gehirn in Verbindung gebracht.

Das wichtigste Ziel des Teams aus verschiedenen Forschungszentren und Universitäten Australiens war daher, die langfristigen Auswirkungen der Cannabispflanze auf die Körperbewegung bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten zu untersuchen, um festzustellen, auf welche Weise Cannabis den Gleichgewichtssinn und die Art des Gehens beeinflusst.

Methodik der Studie

An dieser neuen Studie haben insgesamt 44 Personen zwischen 20 und 30 Jahren teilgenommen, die in zwei Gruppen zu je 22 Personen aufgeteilt wurden. Die erste Gruppe bestand aus Personen, in deren Vorgeschichte es noch keinen Drogenkonsum gegeben hatte, während die zweite Gruppe aus Personen bestand, die schon einmal Cannabis, aber noch keine anderen Drogen konsumiert hatten.

Beeinflusst der Cannabiskonsum die Art des Gehens? (CC. Bruce Aldridge)

Die 44 Studienteilnehmer mussten sich mehreren Tests unterziehen, um die Wirkungen von Cannabinoiden auf den Bewegungsapparat zu analysieren. Zunächst wurde ein Screening- bzw. Nachweistest gemacht, um die Präsenz von Cannabis zu bestätigen, dann eine Analyse der Art des Gehens und des Gleichgewichtssinns mit Hilfe eines Bewegungserfassungssystems, und schließlich eine neurologische Untersuchung des Bewegungstyps jedes Teilnehmers.

Unterschiedliche Ergebnisse

Nach der Untersuchung des Bewegungsverhaltens der teilnehmenden Cannabiskonsumenten bzw. Nichtkonsumenten sind die Forscher zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt. Es konnten einerseits einige bekannte Daten bestätigt werden, während andererseits einige neue Daten hinzukamen, die bis dahin nicht bekannt waren. So konnten bezüglich der Schrittgeschwindigkeit, des Gleichgewichtssinns und der neurologischen Parameter während des Gehens kaum Unterschiede zwischen beiden Gruppen festgestellt werden.

Bei regelmäßigem Konsum scheint Cannabis die Art des Gehens aber in folgender Weise zu beeinflussen:

  • Bei regelmäßigen Konsumenten zeigen sich stärkere und schnellere Kniebewegungen. Das Knie eines Cannabiskonsumenten bewegt sich auf gleicher Strecke 7 % schneller als das eines Nichtkonsumenten.
  • Cannabiskonsumenten neigen außerdem dazu, die Schultern weniger zu bewegen. Ihre Schulterhaltung ist steifer und weniger flexibel.
  • Cannabiskonsumenten zeigen auch eine erhöhte Beweglichkeit der Ellenbogen, da sie eine lockere, entspanntere Haltung bevorzugen.

Die Studie dieser Forscher kommt damit im Widerspruch zu früheren Studien zu dem Ergebnis, dass der Cannabiskonsum zwar mit gewissen Veränderungen der Motorik des Menschen in Zusammenhang gebracht werden kann, diese Änderungen bei der Art des Gehens oder beim Gleichgewichtssinn aber so geringfügig sind, dass sie klinisch kaum festgestellt werden können.

Die Studie untersucht die Art des Gehens nach dem Cannabiskonsum (CC. ashton)

In den Worten von Verity Pearson-Dennett, eines Autors der Studie: „Die Veränderungen bei der Art des Gehens waren so gering, dass ein auf Störungen des Bewegungsapparates spezialisierter Neurologe nicht in der Lage war, solche Veränderungen bei allen Cannabisnutzern festzustellen.“

Was sagten frühere Studien?

2006 wurde eine Studie in der Zeitschrift Neuropsycopharmacology veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass der Konsum von Cannabis mit hohem THC-Anteil (13 %) zu einer hinderlichen Beeinträchtigung der motorischen Steuerungsfunktionen führt. Die von Cannabiskonsumenten innerhalb von sechs Stunden nach dem Konsum gezeigten Ausfallerscheinungen wie Veränderungen des Gleichgewichtssinns waren in den ersten beiden Stunden stärker als in den darauf folgenden 4 Stunden, in denen die Wirkung langsam nachließ. Damals hat man aber empfohlen, weitere kontrollierte Studien mit niedrigeren THC-Dosen durchzuführen, um verlässlichere Ergebnisse zu erhalten.

Zwei Jahre später (2008) wurde eine weitere Studie veröffentlicht, in der eine eindeutige Beeeinträchtigung der körperlichen Stabilität und des Gleichgewichtssinns der Teilnehmer bei ihren Bewegungen festgestellt wurde, sobald ihnen höhere THC-Dosen verabreicht wurden. Auch wenn diese Studien darauf hinzuweisen scheinen, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme einer größeren Cannabisdosis bzw. dem regelmäßigen Cannabiskonsum und einem veränderten Bewegungsverhalten besteht, ist festzuhalten, dass an der Studie von 2006 nur 20 Personen zwischen 19 und 29 Jahren (vierzehn Männer und sechs Frauen) teilgenommen haben.

Die Wirkungen des Cannabiskonsums auf den Gleichgewichtssinn wurden bei sehr kleinen Studien beobachtet (CC. *FranJa)

Vorbehalte gegenüber den Ergebnissen

Die Spanne für mögliche Fehler ist daher recht groß, nicht nur bei der Studie, der dieser Artikel gewidmet ist, sondern auch bei den beiden zuletzt genannten Studien. Auch die Forscher selbst geben zu, dass noch mehr Studien mit einer höheren Teilnehmerzahl und anderen Methoden nötig sind, um zweifelsfrei feststellen zu können, ob und über welche Prozesse Cannabis die körperliche Bewegung beim Menschen beeinflusst.Klar ist bisher nur, dass noch eine Menge Fragen offen sind.

 „Weitere Forschungsarbeit ist nötig, um herauszufinden, ob sich die leichten Veränderungen der Art des Gehens, die bei diesen Studienteilnehmern beobachtet wurden, mit fortschreitendem Alter oder erhöhtem Cannabiskonsum verstärken “, so die Studie.

Wir dürfen nicht vergessen, dass auch Wissenschaft nicht perfekt ist und beim ersten Mal nicht immer richtig liegt. Aber die Forscher wissen aus solchen begrenzten Studien, worauf man bei der künftigen Forschungsarbeit vermehrt achten muss.

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Original Artikel:Beeinflusst der Cannabiskonsum unsere Art zu Gehen?


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