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Cannabis: Ein Priester und ein Rabbiner für die gerechte Sache
18/10/2017 - 12:30:00

Weltweit sind immer mehr Menschen für eine regulierte Freigabe von Cannabis. Auch ein Rabbiner und ein Priester aus dem US-Bundesstaat Connecticut fordern nun in einem offenen Brief die vollständige Regulierung von Cannabis und eine Reform der nationalen Drogenpolitik. Cannabis hat es auf die religiöse Agenda Nordamerikas geschafft. Lesen Sie mehr! 

Trotz der Fortschritte, die viele Staaten in Richtung Cannabisfreigabe bereits gemacht haben, bleibt auf globaler Ebene noch viel zu tun. Die Arbeit für diese gemeinsame Sache führt nicht nur Aktivisten und Cannabisfans zusammen, sondern auch andere Gruppen der Gesellschaft, die sich für die Freigabe von Cannabis aussprechen: Politiker verschiedener Parteien, Polizeikräfte, Unternehmer, Wissenschaftler, Mediziner usw.. In den USA sind nun auch zwei Männer des Glaubens dazu gestoßen. Ein Rabbiner und ein Priester aus dem Bundesstaat Connecticut haben gemeinsam einen Brief verfasst und in den Medien veröffentlicht. In dem Brief sprechen sie sich für die vollständige Freigabe von Cannabis und für eine Reform der Drogenpolitik in den USA aus. Cannabis hat es also auf die religiöse Agenda Nordamerikas geschafft. 

So wenig wie Cannabis Unterschiede bei der politischen Meinung, dem Alter oder Geschlecht kennt, so wenig auch beim Glauben. Eine vernünftige Regulierung von Cannabis ist eine Aufgabe, die alle angeht, weil sie dem Wohl aller dient. Genau aus diesem Grund haben sich der Rabbiner Shaul Marshall Praver und der Priester Alexander Sharp zusammengefunden, um gemeinsam die Ansicht zu vertreten, dass es Zeit für eine solche Regulierung ist. Außerdem sprachen sie sich beide gegen die strafrechtliche Verfolgung von Cannabis-Konsumenten aus, die es in vielen US-Bundesstaaten noch gibt, und wollen dazu eine Debatte anstoßen.

Prohibition ist nicht der richtige Weg

In ihrem Brief, der sich an die Medien richtet und im Juni im New Haven Register veröffentlicht wurde, erläutern Praver und Sharp, wie wichtig die Information über Cannabis ist, um einen verantwortungsbewussten Konsum speziell unter Jugendlichen zu fördern. Sie weisen auch auf die Dringlichkeit einer Regulierung und der Schaffung eines gesetzlichen Rahmens für Cannabis insgesamt hin, d.h. sowohl für die medizinische Nutzung als auch für die Nutzung von Cannabis als Freizeitdroge.

In ihrem Brief heißt es wörtlich: „Regulierung und Aufklärung – nicht aber die Prohibition – sind der beste Weg. Das haben wir vor langer Zeit schon beim Alkohol gelernt.“

Diese Männer des Glaubens ziehen weder die wissenschaftlichen Daten noch die Tatsachen in Zweifel und sprechen offen aus, was viele Regierungen, Politiker und Lobbyisten seit Jahren bestreiten, nämlich dass die geltenden Gesetze nicht funktionieren und dass die Cannabisprohibition große Schäden verursacht, aber nichts erreicht hat.

Männer des Glaubens in gerechter Mission (CC. stephen h)

„Seit vor mehr als 45 Jahren der Krieg gegen die Drogen erklärt wurde, sind mehr als 25 Mio. US-Amerikaner wegen geringfügiger Delikte im Zusammenhang mit Cannabis verhaftet worden. Trotzdem gibt es heute mehr als 30 Mio. US-Amerikaner, die regelmäßig Cannabis konsumieren.“

Die beiden Geistlichen verschiedener Religionen wenden sich mit ihrer Petition an den Bundesstaat Connecticut, in dem sie ihren Beruf als Gelstiiche ausüben. Ihre Überlegungen gelten aber ohne Weiteres auch für jeden anderen Ort dieser Welt, wo der Cannabisbesitz noch nicht legal ist oder in strenger und unverhältnismäßiger Weise bestraft wird.

Und sie lassen keine Zweifel daran, dass der Anlass für ihren Schritt der Dienst ist, den sie ihren Gemeindemitgliedern schulden: „Es mag ein Widerspruch sein, dass ein Rabbiner und ein Priester diesen Standpunkt einnehmen. Wir meinen aber, dass gläubige Menschen eine besondere Verantwortung haben, darüber zu sprechen, welche Politik für unsere Gemeinden die bessere ist.“

Den Menschen ein Vorbild

Die beiden Männer sind nicht von ungefähr zu ihrem Entschluss gekommen, sondern berufen sich auf die Daten der US-Bundesstaaten, die die regulierte Cannabisfreigabe bereits umgesetzt haben, sowie auf Daten aus anderen Teilen der Welt. Diese belegen, dass in den Staaten, die Cannabis legalisiert haben, die Kriminalitätsrate zurückgegangen und ein Anstieg des Konsums unter Jugendlichen ausgeblieben ist.

In ihrem Schreiben erklären Praver und Sharp: „Die Legalisierung würde nicht – wie einige befürchten – den Konsum von Cannabis unter Minderjährigen erleichtern, sondern ihn begrenzen.”

Beide sind der Meinung, dass die Legalisierung ihre Gemeinden zu sichereren Orten machen würde, weil damit der Schwarzmarkt, der mit ein Hauptgrund für die Gewalt in den großen Städten ist, beseitigt wäre. Die Kriminalität würde durch die Legalisierung genau so zurückgehen, wie es nach der Aufhebung der Alkoholprohibition der Fall war.

Ebenso sind die beiden überzeugt, dass der bestmögliche Schutz der Gesundheit von Patienten oder Konsumenten, die heute gezwungen sind, sich das oft verunreinigte und sehr schlechte Cannabis auf dem Schwarzmarkt zu besorgen, „eine behördliche Erlaubnis zum Verkauf von Produkten [wäre], die korrekt analysiert, etikettiert und verpackt sind“, und zwar durch behördlich überwachte Unternehmen, die auch Steuereinnahmen generieren, von denen der Staat profitiert.

Auch die religiösen Gemeinden müssen Aufklärungsarbeit leisten (CC. Thomas Hawk)

Nach Auffassung des Rabbiners und des Priesters müssen wir „die Verbindung zwischen Cannabis und den gefährlicheren Drogen unterbrechen“. Denn Cannabis wird in den USA auf nationaler Ebene weiterhin als gefährliche Substanz in Liste I der kontrollierter Substanzen geführt, obwohl der wissenschaftliche und medizinische Kenntnisstand in den letzten Jahrzehnten immer mehr Beweise für den medizinischen Nutzen der Pflanze zutage gefördert hat. Das ist ein unheilvoller Zustand, der aber eventuell nicht mehr lange andauern wird, da die WHO derzeit den medizinischen Wert der Cannabispflanze zum ersten Mal seit 82 Jahren offiziell neu bewertet.

Aufklärung ist von zentraler Bedeutung

Praver und Sharp meinen, dass die effektivste Antwort auf den möglichen Missbrauch jeder Droge unabhängig vom Alter nicht in ihrem Verbot besteht, ungeachtet dessen, ob ihre Nutzung medizinisch oder als Freizeitdroge erfolgt, sondern in der Aufklärung.

„Es ist Aufgabe unserer Glaubensgemeinden, der Familien und Freunde, sich selbst und unsere Kinder zu überzeugen, zu erziehen und über Drogen aufzuklären. Der Vorschlag, den wir unterbreiten, sieht vor, dass wir Aufklärungskampagnen organisieren, wie sie auf nationaler Ebene auch für Alkohol und Zigaretten geführt wurden.“

Heute ist man international fast einhellig der Meinung, dass Prävention und Behandlung viel wirksamer sind als hartes Durchgreifen oder hohe Strafen, wenn es darum geht, den Missbrauch bestimmter Drogen einzudämmen. Aber einige wenige – es werden immer weniger – sind nach wie vor unbelehrbar.

Bestrafen ist unmoralisch

Wie erwähnt, haben der Krieg gegen die Drogen und die Cannabisprohibition enorme Schäden verursacht und viele Opfer hinterlassen, nicht nur in den USA. Fast fünfzig Jahre später steht nun fest, dass dieser Krieg gegen „bestimmte Drogen“ gescheitert ist, weil er die angeblich verfolgten Ziele nicht erreicht hat.

Sein größter „Erfolg“ bestand in der Kriminalisierung vieler Cannabiskonsumenten, von der meistens die ohnehin benachteiligten Schichten der Gesellschaft betroffen sind. In den letzten 30 Jahren ist sowohl in den USA als auch weltweit die Zahl der Menschen dramatisch gestiegen, die wegen Delikten im Zusammenhang mit Cannabis in Haft sind. Es sind Menschen, die erlebt haben, wie ihr Leben zerstört wurde.

Daher erklären der Rabbiner Praver und der Priester Sharp in ihrem offenen Brief, dass das Strafrecht nicht das richtige Mittel sein kann, um ein Verhalten zu unterdrücken. Denn das Bestrafen einer Person wegen eines Gesetzesverstoßes sei auch eine moralische Frage.

Die Regulierung von Cannabis geht uns alle an (CC. Steffen Geyer)

„Wenn die Prohibition ihre Ziele nicht erreicht und solche Schäden verursacht, haben wir die Pflicht, eine andere Politik voranzutreiben. Deshalb unterstützen wir die Ablösung der Cannabisprohibition durch ein striktes Regulierungssystem und vernünftige Garantien.“

Den beiden Männern ist klar, dass die auf strafrechtliche Verfolgung ausgerichteten staatlichen Gesetze keine Hilfe für Menschen bieten, die in Not sind, und genau das läuft ihrer religiösen Überzeugung zuwider. Sie meinen, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, die strafrechtliche Verfolgung von Drogenkonsumenten aufzugeben und die Gesetze entsprechend zu ändern, inklusive einer Legalisierung von Cannabis als Medizin und als Freizeitdroge.

Zusammen für die gerechte Sache

Auch wenn es für einige eine Zumutung sein mag, dass ein Rabbiner und ein Priester sich zusammentun, um für die Legalisierung von Cannabis einzutreten, so zeigt die Initiative dieser beiden Männer doch, dass wir für eine effektive und gerechte Regulierung von Cannabis, die die Menschenrechte wahrt, in einen Dialog treten und eine Einigung erzielen müssen, unabhängig von unserem kulturellen, religiösen, politischen und sonstigen Hintergrund.

Sowohl Praver als auch Sharp setzen sich für die vollständige Freigabe von Cannabis auf lokaler Ebene ein und arbeiten in Organisationen mit, die sich für eine auch auf nationaler Ebene für die Reform der Drogenpolitik einsetzen.

Der Rabbiner Shaul Praver ist Vorsitzender und Gründungsmitglied von Global Coalition for Peace and Civility, einer Organisation, die u.a. die Legalisierung von Cannabis auf ihre Fahnen geschrieben hat. Der Priester Alexander E. Sharp ist Geschäftsführer und Gründungsmitglied von Clergy for a New Drug Policy. Diese Organisation besteht aus Geistlichen verschiedener Religionen, deren Ziel die Drogenaufklärung und die Schaffung neuer Politikansätze für einen aufgeklärten und verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Drogenkonsum ist.

Der Rabbiner Praver und der Priester Sharp leben im Bundesstaat Connecticut (CC. Doug Kerr)

Der Aufruf dieser beiden Männer an Kollegen aller Konfessionen im ganzen Bundesstaat sollte auch über die Grenzen von Connecticut oder der USA hinaus Gehör finden. Wir hoffen, dass sich noch viel mehr Menschen unabhängig von ihrer Religion dieser Petition für eine gerechte Regulierung von Cannabis zum Wohl aller Menschen anschließen.

Humorvoll sehen das die Macher des folgenden Videos, das vor einigen Monaten ins Internet gelangte. Es zeigt einen Rabbiner, einen Priester und einen Atheisten, die gemeinsam einen Joint rauchen. Alle gemeinsam für eine Sache, die nun wirklich eine gerechte ist.

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Original Artikel:Cannabis: Ein Priester und ein Rabbiner für die gerechte Sache


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