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Warum Strains die Zukunft gehört
Autor: Alexander Kristen 07/10/2017 - 07:24:00

Spezielle Züchtungen, sogenannte Strains, werden die Produktion und Anwendung von Cannabinoiden in der Medizin komplett verändern und für die Patienten revolutionieren. Was wirkt, wird in Zukunft gezüchtet. 

Wer mit dem Unternehmer Alexander Kristen und dem Chemiker und Toxikologen Rainer Schmid über Cannabissorten und deren Produktion spricht, merkt sofort, hier haben sich der Hanfpionier aus der Praxis und der Wissenschaftler gefunden. Der gesamte Bereich der Produktion und Anwendung von Cannabinoiden in der Medizin verändert sich gerade rasant, und diesen Prozess wollen die beiden mitgestalten. „Patienten und Ärzte wünschen sich etwas, das gut wirkt und gut vertragen wird. Das ist verständlich, und sie haben jedes Recht darauf! Pharmafirmen wünschen sich zudem eine optimale Wirkstoffgewinnung und maximalen Ertrag für die medizinische Produktion. Und genau das wollen und können wir durch eine spezifische Sortenentwicklung und sterile Produktion von Hanfpflanzen leisten“, sagt Alexander Kristen. Aus dieser Motivation heraus wurde jetzt die Medical Cannabis Research & Analysis GmbH gegründet, ab sofort werden in Brunn am Gebirge bei Wien Hanfpflanzen mit bestimmten Eigenschaften unter Hightechbedingungen geklont und gezüchtet. 

© Christandl

 

Sortenstämme und Wirkungsweisen

Aber warum braucht es überhaupt spezifische Cannabissorten, und welche Erfahrungswerte gibt es dazu? Jede Cannabissorte hat eine bestimmte Zusammensetzung von Cannabinoiden und Terpenen. Im Wesentlichen gibt es drei Sortenstämme, mit denen gekreuzt wird: Cannabis indica, eine kleine, buschige Pflanze mit einem relaxierenden und sedierenden Effekt, eingesetzt zum Beispiel bei Schlaflosigkeit, Muskelspasmen und Schmerzen. Cannabis sativa ist eine große Pflanze mit langer Blütezeit, sie wirkt unter anderem antidepressiv und anregend, eingesetzt etwa bei ADHS, Depressionen und Ermüdungszuständen. Den dritten Sortenstamm bilden Hybride, Kreuzungen zwischen Cannabis sativa und indica. Derzeit wird versucht, die Vorteile von Cannabis sativa und indica in den Hybriden zu vereinigen. Das Wissen um Sortenstämme und deren Wirkungsweisen ist dabei entscheidend. So werden etwa Indica-Strains mit starkem THCGehalt von Ärzten zur Behandlung von Muskelkrämpfen, Appetitlosigkeit, Tourettesyndrom und Schlafstörungen eingesetzt. Die Erfahrungen der Patienten und laufende Studienergebnisse fließen in die Sortenentwicklung ein.

© Christandl 

 

Erste CBD-Strains für medizinische Produktion

„Wir haben bereits mit CBD 1 (1 % THC, 10 % CBD) und CBD 2 (0,1 % THC, 20 % CBD) zwei erfolgreiche CBD-Strains entwickelt. Das aus den Blüten extrahierte CBD geht dann als Rohstoff in die medizinische Produktion. In unserem Labor werden aber mittels Kreuzung und Züchtung Hanfsorten entwickelt, die nicht nur über einen bestimmten Wirkstoffgehalt verfügen, sondern auch absolut robust gegenüber äußeren Einflüssen und Schädlingen sind“, sagt Kristen. Durch langjährige Grundlagenforschung ist es ihm gelungen, Cannabispflanzen in vitro zu vermehren. Das aufwendige Verfahren garantiert, dass sich Hanfpflanzen ohne Pestizide steril und virenfrei produzieren lassen – ein unerlässlicher Faktor in der medizinischen Produktion.

Keine Experimente, sondern Routinierte in-vitro-Produktion

Mittlerweile werden die Cannabispflanzen standardisiert im Reagenzglas vermehrt und herangezogen. Dazu werden den Pflanzen ihre embryonalen Stammzellen (sogenannte Meristeme) entnommen und in ein Reagenzglas eingesetzt, in dem ein Agrarsubstrat für die optimale Versorgung der Pflanzen sorgt. Gearbeitet wird unter sterilen Laborbedingungen, denn ein Erreger kann die ganze Produktion vernichten. Nach dem Einsetzen kommen die Meristeme in einen Wachstumsraum. Derzeit wachsen im Labor von Medical Cannabis Research & Analysis mehr als 15.000 Pflänzchen heran. Die In-vitro- Pflanzen brauchen weder Wasser noch Dünger. Je nach Sorte bleiben sie sechs Wochen im Glas, bevor die Nährstoffe aufgebraucht sind und sie herausgenommen werden. Die Pflanzen werden dann entweder abermals zerteilt und wachsen in neuen Gläsern weiter, oder sie werden aus dem Glas entfernt und zum Durchwurzeln in Steinwolle gesetzt. Derzeit herrscht auf dem Cannabissektor eine richtige Goldgräberstimmung. Immer mehr Länder liberalisieren – wie zuletzt Deutschland – den Bereich Medizinalhanf und forcieren die Produktion für medizinische Zwecke. Doch die Standards sind hoch, Aufwand und erforderliches Know-how werden oft unterschätzt. „Unsere Klonforschung und In-vitro-Vermehrung basiert auf jahrelanger Erfahrung in der Grundlagenforschung und vielen gescheiterten Versuchen in der Vergangenheit.
Das Resultat heute sind genetisch verjüngte und robuste Pflanzen in stabiler, identischer Qualität“, sagt Kristen. Nachdem Cannabis in den 50er-Jahren verboten und stigmatisiert wurde, stehen die Zeichen jetzt auf eine Re-Medizinalisierung. Jetzt sollen Auftraggeber wie Patienten von der Grundlagenforschung profitieren, der unternehmerische Einsatz soll Früchte tragen.

© Christandl

Info:
Die Medical Cannabis Research & Analysis GmbH (MCRA) ist auf das Klonen und die Züchtung von Hanfpflanzen unter Hightechbedingungen spezialisiert. Im Labor werden Qualitätskontrollen und Auftragsanalysen bei Hanfpflanzen durchgeführt. Gegründet wurde das Unternehmen 2017 von dem Unternehmer Alexander Kristen und dem Chemiker und Toxikologen Univ.- Prof. Dr. Rainer Schmid. Rainer Schmid leitete die Abteilung Toxikologie und Medikamentenanalytik am AKH Wien. Alexander Kristen leitet seit 2004 das Unternehmen Flowery Field und gilt als Hanfpionier.

Beitragsfoto: © Christandl

Der Beitrag Warum Strains die Zukunft gehört erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel:Warum Strains die Zukunft gehört



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