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Neue Studie: THC wirkt verjüngend auf das Gehirn
13/09/2017 - 13:00:00

Viele werden überrascht sein, dass die Wissenschaft nun die Anwendung von Cannabis in einen positiven Zusammenhang mit dem Gedächtnis bringt. Wussten Sie, dass THC die Lernfähigkeit verbessert und den altersbedingten Gedächtnisverlust umkehrt? Eine klinische Studie an Mäusen hat gezeigt, dass THC verjüngend auf das Gehirn wirken kann. Finden Sie heraus, wie. 

Eine neue Untersuchung über den gesundheitlichen Nutzen von Cannabis verlängert die Liste seiner Vorteile um einen weiteren Eintrag. Anfang Mai wurde in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Medicine eine neue Studie veröffentlicht, die von einer Forschergruppe der Universität Bonn und der Hebrew University of Jerusalem durchgeführt wurde. Dieser klinische Versuch an Mäusen hat gezeigt, dass der psychoaktive Hauptwirkstoff von Cannabis, das Cannabinoid Δ9-Tetrahydrocannabinol oder auch THC positive Wirkungen auf das Gehirn insbesondere bei Menschen fortgeschrittenen Alters haben kann. Anscheinend hilft in niedrigen und regelmäßigen Dosen verabreichtes THC, die Lernfähigkeit zu verbessern und macht den altersbedingten Gedächtnisschwund rückgängig. 

THC findet sich vor allem in den Trichomen (Harzdrüsen) der Cannabispflanze (CC. Steffen Geyer)

Viele werden überrascht sein, dass die Wissenschaft nun die Anwendung von Cannabis in einen positiven Zusammenhang mit dem Gedächtnis bringt, was an dem hergebrachten Argument gegen Cannabis liegt, es schädige das Gedächtnis. Noch überraschender ist das, wenn ein so heikles Thema wie der Alterungsprozess unseres Gehirns hinzu kommt. Wenn wir älter werden, gehen geistige Fähigkeiten allmählich verloren und das Lernen neuer Dinge oder die Konzentration auf mehr als eine Sache fallen uns mit der Zeit immer schwerer.

Die Zeit läuft unaufhaltsam

Trotz großer Fortschritte der Wissenschaft stellen sich zu den biologischen Mechanismen, die den körperlichen und geistigen Alterungsprozess unseres Organismus auslösen, immer noch viele Fragen. Bei der Alterung kommt es zu einer Reduzierung der Hirnleistungen und es können neurodegenerative Krankheiten auftreten, die neben vielen anderen Symptomen zu Gedächtnisschwund, einer reduzierten Konzentrationsfähigkeit oder verringerten Intelligenz führen.

Schon seit langem versucht die Wissenschaft, ein magisches Elixier gegen das Altern zu finden, eine Quelle ewiger Jugend, die diesen unvermeidlichen Prozess verlangsamt oder gar umkehrt. Es ist sicher noch zu früh, um genau sagen zu können, inwieweit Cannabis hierzu einen Beitrag leisten kann. Die vielversprechenden Resultate der Studie, die von den Forschern der Universität Bonn durchgeführt wurde, weisen aber in diese Richtung: Eine kleine Tagesdosis THC könnte unser Gehirn durch eine Verbesserung der Lernfähigkeit, des Erinnerungsvermögens bzw. der Konzentrationsfähigkeit vor altersbedingten Schäden schützen.

THC stellt altersbedingt reduzierte kognitive Funktionen wieder her 

Bis jetzt wurden die Labortests, die diese Entdeckung belegen, aber nur an Mäusen durchgeführt. Die Forschergruppe will die gleichen Tests später auch an Menschen durchführen, allerdings mit gereinigtem THC, da es leichter dosierbar ist, um festzustellen, ob die Ergebnisse dieser Studie sich wiederholen lassen. Bis dahin könnte es allerdings noch ein weiter Weg sein.

Zur Durchführung der Studie namens „A chronic low dose of Δ9-tetrahydrocannabinol (THC) restores cognitive function in old mice“(Eine niedrige, regelmäßig verabreichte Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC)-Dosierung stellt kognitive Funktionen bei älteren Mäusen wieder her) haben die Forscher zwei niedrige Dosen THC an Nagetiere unterschiedlichen Alters (2, 12 und 18 Monate, also junge, erwachsene und ältere Mäuse) regelmäßig über einen Zeitraum von 4 Wochen verabreicht. Die Höhe der Dosis hängt damit zusammen, dass so geringe Dosen keine psychoaktiven Wirkungen mehr hervorrufen, anders als die höheren Dosen, die zur Entspannung konsumiert werden.

Die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Zimmer (Leiter des Instituts für molekulare Psychiatrie der Universität Bonn) und Dr. Andras Bilkei-Gorzo (vom gleichen Institut) haben dann nach einmonatiger Beobachtung die Fähigkeit der Mäuse zur Bewältigung kognitiver Aufgaben getestet, beispielsweise im Wasserlabyrinth, wo es eine sichere Stelle herauszufinden und in Erinnerung zu behalten galt, oder bei der Wiedererkennung von Artgenossen, denen die Mäuser vorher begegnet waren.

Eine Darstellung des menschlichen Gehirns mit Millionen kleiner Nervenzellen (CC. Ars Electronica)

Das psychoaktive Phytocannabinoid, das vor der Alterung des Gehirns schützt

Junge Mäuse, die zuvor kein THC in geringen Dosen bekommen hatten, haben bei den Verhaltenstests bezüglich Erinnerungsvermögen und Lernfähigkeit bemerkenswerterweise besser abgeschnitten als die jungen Mäuse, die vorher mit dem Phytocannabinoid behandelt worden sind. Bei den Versuchstieren fortgeschrittenen Alters passierte jedoch das Gegenteil: Ältere Mäuse, die regelmäßig kleine Dosen Tetrahydrocannabinol erhalten hatten, erzielten bessere Ergebnisse – sie absolvierten die Tests in kürzerer Zeit und mit besserer Leistung – als die älteren Mäuse, die keine THC-Dosen erhalten hatten und als diejenigen, denen Überdosen verabreicht worden waren.

Neben der Beobachtung, dass sich das kognitive Leistungsniveau bei den älteren Mäusen, die eine THC-Behandlung in geringen Dosen erfahren hatten, sich wieder deutlich zu verbessern schien, haben die Forscher bei der Untersuchung des Gehirns dieser Mäuse noch festgestellt, dass ihre Gehirnzellen im Hippocampus mehr synaptische Dornfortsätze gebildet hatten, was die neuronale Kommunikation verbessert. Überraschenderweise zeigten die älteren, mit THC behandelten Mäuse im Hippocampus ein Genexpressionsmuster, das sich von dem bei den älteren Mäusen, die nicht mit dem Phytocannabinoid behandelt worden waren, radikal unterscheidet.

Der Hippocampus ist der Bereich des Gehirns, der für die korrekte Ausbildung des Langzeitgedächtnisses und die Lernfähigkeit von zentraler Bedeutung ist. Außerdem steht er im Zusammenhang mit der Erzeugung und Steuerung von Gefühlszuständen und mit dem räumlichen Gedächtnis. Das Gehirn erwachsener Menschen erzeugt im Laufe des Lebens Neuronen im Zuge der sogenannten Neurogenese, ein Prozess, der sich vor allem im Hippocampus abspielt.

Dieser Hirnbereich ist auch einer der ersten, in dem sich neurologische Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer manifestieren, die die kognitiven Fähigkeiten der erkrankten Menschen durch Symptome wie Gedächtnisverlust, Konzentrations- und Orientierungsproblemen, Kommunikationsschwierigkeiten usw. einschränken.

THC kann bei der Behandlung von Krankheiten wie Alzheimer oder seniler Demenz eine wichtige Rolle spielen (CC. Kamil Porembinski)

Wechselwirkung von THC mit dem Endocannabinoidsystem

Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass THC im Gehirn ähnlich wirkt wie die Endocannabinoide, mit denen es beim Konsum von Cannabis interagiert. Die Forscher konnten aber feststellen, dass dieser psychoaktive Bestandteil nicht nur das Endocannabinoidsystem der Nager beeinflusst, sondern auch beim Wiederherstellen seiner Funktionen hilft.

Dieser Reparaturmechanismus des Gehirns wird durch das Endocannabinoidsystem (ECS) gesteuert, ein komplexes System zur Steuerung von Körperfunktionen, das aus einer Vielzahl endogener Cannabinoidrezeptoren im Gehirn und im peripheren Nervensystem von Säugetieren besteht. Man nennt die dort aktiven Stoffe Endocannabinoide, weil sie denen ähnlich sind, die von der Cannabispflanze produziert werden, den Phytocannabinoiden.

Wie erwähnt spielt das Endocannabinoidsystem eine entscheidende Rolle für die physiologischen und pathologischen Prozesse unseres Körpers, und zwar durch bestimmte Moleküle, die mit den Rezeptoren interagieren und die Kommunikation zwischen den Zellen unseres Nervensystems ermöglichen. Das Endocannabinoidsystem aktiviert und koordiniert die Antworten, die vom Nerven- und Immunsystem ausgehen.

Im Gehirn bedient sich das Immunsystem der sog. Mikrogliazellen und Astrozyten, die ihm dabei helfen, schädliche Einflüsse zu reduzieren oder zu unterbinden, die infolge des Alterungsprozesses auf die Hirnzellen einwirken.

Denn je älter der Mensch wird, desto mehr Veränderungen können bei der Funktionsweise des Endocammabinoidsystems auftreten. Das führt dazu, dass Microgliazellen und Astrozyten anormale Immunreaktionen zeigen, durch die ein Verlust von Hirnzellen und eine Entzündung im Hippocampus erzeugt wird, den wir bereits wegen seiner Bedeutung für das Gedächtnis erwähnt haben.

Die von Zimmer und Bilkei-Gorzo geleiteten Wissenschaftler haben mit ihrer Studie klar nachgewiesen, dass Phytocannabinoide die kognitiven Funktionen bei älteren Nagetieren wiederherstellen können, indem sie den Hippocampus in einen ähnlichen Zustand wie bei jungen Tieren zurückversetzen.

Bilkei-Gorzo sagte in einer Stellungnahme: „Es bestehen nur geringe Unterschiede beim Aufbau und bei den Aktivitäten des Cannabinoidsystems der verschiedenen Säugetiere. Lediglich die Dichte der Cannabinoidrezeptoren innerhalb der Hirnbereiche weist eine gewisse Schwankungsbreite auf“. 

Ein klinischer Versuch, der am Menschen wiederholt werden muss

Es muss natürlich noch herausgefunden werden, ob diese Untersuchung auf den Menschen übertragbar ist und bei ihm die gleichen Ergebnisse erzielt werden. Aber die Wissenschaftler weisen in ihrem Bericht bereits darauf hin, dass „die regelmäßige Behandlung mit geringen Dosen THC oder Cannabisextrakten eine mögliche Strategie sein könnte, um den kognitiven Verfall bei älteren Menschen aufzuhalten oder sogar umzukehren”.

Die biologischen Mechanismen, die die Alterung des Gehirns auslösen, sind noch größtenteils unbekannt (CC. Kalvicio de las Nieves)

Und dabei handelt es sich nicht um die einzige Studie, sondern um eine von vielen, die das Potenzial von Cannabis und seine verjüngende Wirkung auf das Gehirn belegen, wenn auch derzeit nur bei Nagetieren. Auch wenn bei diesen Tierversuchen keine toxischen Wirkungen festgestellt werden konnten, so muss der entscheidende Schritt beim Menschen erst noch getan werden, was durch die Restriktionen, die für Cannabis nach der bestehenden Rechtslage gelten, erschwert wird.

Die vielen Vorteile von Cannabis bei der Behandlung von Krankheiten wie Krebs, AIDS, multipler Sklerose, Glaukomen, Diabetes und vielen anderen sind heute nicht mehr abzustreiten. Cannabis hat seinen Nutzen nicht nur bei der Behandlung von Krankheitsbildern im Gehirn unter Beweis gestellt, sondern wirkt auch als Schutz für die Hirnzellen, der in der Lage ist, Hirnerkrankungen vorzubeugen. Und die Serie neuer Studien zu den verschiedenen Cannabinoiden und ihrer Anwendung im neurologisch-therapeutischen Bereich reißt nicht ab. Wir hoffen, dass die Wissenschaft bald den entscheidenden Schritt wagt.

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