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Cannabis bleibt Albaniens Exportschlager
02/08/2017 - 12:50:00

Nach dem medienwirksamen Vorgehen gegen Albaniens Cannabis-Bauern hat sich Albanien erst recht zum größten Cannabis-Produzenten des Kontinents entwickelt. Mehr zum Thema hier. 

Seit der jüngsten Parlamentswahl in Albanien, aus der die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident Rama als Sieger hervorgingen, wird der EU-Beitritt des Balkanlandes wieder thematisiert. Dabei geht es auch immer um Cannabis, weil Albanien sich im Laufe des letzten Jahrzehnts zum größten Cannabis-Produzenten Europas gemausert hat. 

Cannabis ist wichtige Einnahmequelle für Albanien

Dank der medienwirksamen Aktion im Städtchen Lazarat vor nicht ganz drei Jahren, wo bis 2014 ein Großteil des albanisches Cannabis angebaut wurde, haben sich Anbau und Handel mittlerweile dezentralisiert. Wenige Tage bevor die EU im Sommer 2014 über den Status von Albanien als Beitrittskandidat entscheiden sollte, war die Armee in das Bergdorf Lazarat eingerückt, um sich mit den Cannabisbauern eine dreitägige Schlacht zu liefern und die EU so, trotz des staatlich geduldeten Handels, gnädig zu stimmen. Die permanente sozioökonomische Instabilität nach dem Ende der kommunistischen Ära hat dazu geführt, dass sich die Cannabispflanze für die albanische Landwirtschaft in der postkommunistischen Zeit zur wichtigsten Einnahmequelle entwickelt hat. Weil die Kommunisten nach dem zweiten Weltkrieg unliebsame Familien nach Lazarat deportierten, bildete sich im Dorf eine regimekritische Haltung gegenüber der Regierung in Tirana, die bis heute andauert. Nach heftiger Kritik von UN und EU gab es Anfang des Jahrtausends erste Versuche seitens der albanischen Regierung, den Cannabis-Anbau der Region zu unterbinden. Nach einigen Auseinandersetzungen mit der Polizei wurde der einzige Polizeiposten Lazarats 2007 von der Bevölkerung zerstört und über Jahre hinweg nie wieder aufgebaut. Die Polizei ließ die als renitent geltenden Bauern seitdem einfach gewähren. In Lazarat selbst sollen zeitweise über 90% der Bevölkerung Cannabis angebaut haben.

Cannabispflanzen im Wert 3,5 Milliarden Euro beschlagnahmt

Als albanische Polizeieinheiten am frühen Morgen des 16 Juni 2014 begannen, die Stadt einzunehmen, wurden sie mit Maschinengewehren, Panzerfäusten und Granaten beschossen. Doch obwohl die Gegend um das 7.000 Einwohner zählende Bergdorf seitdem von Polizei-und Armeeeinheiten kontrolliert wird, bleibt die verbotene Pflanze der wichtigste Wirtschaftsfaktor in vielen ländlichen Regionen des Landes. Der Anbau breitet sich seitdem nicht nur in der unzugänglichen Bergregion nahe der griechischen Grenze zusehends aus. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten albanische Anti-Drogeneinheiten bei 1.250 Einsätzen 2,3 Millionen Cannabis-Pflanzen und nahmen 250 Verdächtige fest, im Jahr zuvor waren es 650.000 Pflanzen. Der angebliche Marktwert der 2016 beschlagnahmten Pflanzen beträgt insgesamt 3,5 Milliarden Euro und somit die Hälfte des albanischen Staatshaushalts. Trotz steigender Erntemengen wurde albanische Regierung 2016 von der EU für ein hartes Vorgehen gegen Cannabisbauern gelobt. In Brüssel befürchtet man wohl aber nicht ganz zu Unrecht, dass es sich meist um medienwirksame Aktionen handelt und kritisiert, dass die Hintermänner immer wieder ungeschoren davonkommen. So sitzen fast drei Jahre nach dem Polizeieinsatz in Lazarat ganze zehn Personen in Haft, weil sie Cannabis angebaut oder auf Polizisten geschossen hatten. Von den Organisatoren, die für die Finanzen und die Infrastruktur verantwortlich waren und sind, wurde bis heute kein einziger bestraft.

Korruption auf höchster Ebene

Im April 2017 musste der aktuelle Wahlsieger Rama seinen Innenminister Tahiri, der für die Aktion in Lazarat verantwortlich war, nach langem Zögern entlassen. Tahiri war bereits 2015 in die Schlagzeilen geraten, weil er die Verlagerung des Anbaus von Lazarat in die gesamte Region geduldet und sogar von ihr profitiert haben soll. Das zumindest behauptet der ehemalige Chef-Drogenfahnder Tahiris, Dritan Zagani in einem Video aus dem Jahr 2015. Zagani hat mittlerweile in der Schweiz Asyl erhalten, nachdem er 2014 in Albanien wegen Korruption und Verstrickung in den Cannabis-Handel angeklagt wurde und über Nacht in die Schweiz geflohen war. Der ehemalige Innenminister bestreitet alle Vorwürfe. Insgesamt werfen sich in Albanien alle Parteien gegenseitig vor, vom Cannabis-Anbau zu profitieren. Weder die Demokraten, die zuletzt von 2005-2013 an der Macht waren, oder Sozialisten scheinen jedoch wirklich willens zu sein, das Geschäft mit der verbotenen Pflanze zu unterbinden, wie die aktuelle Entwicklung nahelegt.

Perfekte Voraussetzungen für den Anbau von Cannabis

Wurde die jährliche Produktion in Albanien für 2014 von der UNODC, die seit 1998 in der Hauptstadt Tirana ein Büro unterhält, noch auf 900 Tonnen mit einem Gesamtwert von 4,5 Milliarden Euro geschätzt, werden  seit dem Polizeieinsatz vor drei Jahren keine verlässlichen Zahlen zur insgesamt im Land produzierten Gesamtmenge veröffentlicht, sondern lediglich die wenig aussagekräftige Zahl insgesamt beschlagnahmter Pflanzen. Albanische und internationale Medien berichten regelmäßig, dass der Anbau durch die Verlagerung auf unzugängliche Regionen insgesamt zugenommen habe. Der gesamte Süden des Landes ist mit wenigen Ausnahmen eine unzugängliche Bergregion mit perfektem, mediterranen Klima für den Cannabis-Anbau. Diesen Trend bestätigen auch italienische Hubschrauberpiloten, mit denen die albanische Polizei seit 2015 Cannabisfelder im ganzen Süden sucht.

Ein Teil der albanischen Ernte wird mithilfe von Booten über die Adriaküste in die Nachbarländer Italien und Griechenland verschifft, ein andere Teil gelangt über die Balkanroute in andere, angrenzende EU-Staaten. Von dort aus kann es einfach in jedes beliebige Land der Schengen-Zone gebracht werden. Italienische Steuerfahnder vermuten seit vielen Jahren, dass die Mafia für den Transport und Weiterverkauf albanischer Blüten verantwortlich ist.

Der Status von Cannabis in Albanien

Cannabis ist in Albanien illegal, allerdings wird der „Besitz einer Tagesdosis“ illegaler Substanzen, worunter auch Cannabis fällt, nicht bestraft. Für den Anbau und den Handel sieht das Gesetz fünf bis fünfzehn Jahre Gefängnis vor.

Fünf Gramm Cannabis kosten zwischen vier und acht Dollar auf dem Schwarzmarkt, wobei die Qualität und Wirkstoffgehalt niedriger als bei Indoor-Cannabis sind.

Länder wie Mexiko und Marokko beweisen seit Jahrzehnten, dass man den Cannabis-Anbau nicht mit Sondereinheiten, Hubschraubern und anderen, repressiven Maßnahmen ausrotten kann, wenn er die ökonomische Grundlage ganzer Regionen oder gar Länder bildet. Nur eine Regulierung auf internationaler Ebene könnte den Cannabis-Anbau und dessen kriminellen Infrastruktur samt Akteuren in Albanien oder auch dem Libanon, Syrien, Marokko, Panama oder in Mexiko kontrollieren.

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Original Artikel:Cannabis bleibt Albaniens Exportschlager


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