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Zehn häufigsten Fehler beim Cannabis-Anbau
26/05/2017 - 13:00:00

Als langjähriger Mitarbeiter eines Growshops habe ich hinter dem Verkaufstresen immer wieder in enttäuschte Gesichter blicken müssen, weil ambitionierte Heimgärtner statt der erhofften Riesenbuds lediglich ein paar kümmerliche Blüten ernten konnten. Ursache der Missernte waren meist Unerfahrenheit gepaart mit vermeidbaren Fehlern. 

Doch trotz vieler Bücher, zahlreicher Foren und Video-Tutorials wollen viele Hobbygärtner ihren „eigenen“ (was immer das ist) Weg finden, um effektiv Cannabis@home zu züchten. Dabei werden seit dem Entstehen der Indoor-Kultur in den 1990er Jahren immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Um dem schwer aus der Welt zu schaffenden Halbwissen ein paar Fakten entgegenzusetzen, wollen wir euch an dieser Stelle die zehn häufigsten Fehler beim Cannabis-Anbau vorstellen. 

Der falsche Dünger

Gilt oft als der Hauptverdächtige, aber: Alle im Grow-Fachhandel angebotenen Dünger enthalten prinzipiell genügend Nährstoffe, um auch bei geringer Dosierung gute Erfolge zu erzielen. Mangelerscheinungen sind meist handgemacht. Wird nach Anleitung gedüngt, liegt das Problem meist tiefer. Ein Gärtner garantiert durch die Schaffung des richtigen Klimas den ausreichenden Nährstofftransport. Kommen die Nährstoffe, die mit dem Gießwasser gegeben werden, nicht bis zu den Blättern, wird die Pflanze nicht mehr ausreichend versorgt. Ein Transportproblem kann viele Ursachen haben, die häufigsten sind Überdüngung und/oder Überwässerung.

Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Nährstoff-Transportproblemen: Nutzung eines Ec-Gerätes zur Bestimmung des optimalen Düngergehalts, Bestimmung des pH-Wertes, Einbau genau dosierbarer Bewässerungsmöglichkeit, Tensio-Meter zur Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für den Gießvorgang. Grundsätzlich gilt es, das Medium feucht, aber nicht nass zu halten. Noch mehr Infos übers Düngen findet ihr hier.

Das zu späte Erkennen von Schädlingen und Pilzen

Viele bemerken Schädlinge oder Pilze erst, wenn die Pflanze bereits arg mitgenommen aussieht. In diesem Stadium haben sich Thrips, Spinnmilben, Weichhautmilben, falscher oder echter Mehltau schon so stark vermehrt, dass eine natürliche Bekämpfung nicht mehr allzu effektiv ist. Dann hilft nur der Einsatz systematischer Insektizide oder Fungizide. Doch diese helfen meist auch nur kurzfristig und sollten für Homegrower aufgrund des gesundheitlichen Risikos gar nicht zur Disposition stehen. In einem gesundem Mikroklima sind Schädlinge oder Krankheiten, die früh genug diagnostiziert werden, meist kein Problem. Neem-Öl hilft im Frühstadium gegen die meisten Fressfeinde. Einer Spritzbrühe mit kalt gepresstem Neem-Öl muss jedoch immer ein Fünftel Rizinus-Öl als Emulgator hinzugefügt werden, weil sie sonst an den Blättern abperlt. Eine Woche nach der Neem-Behandlung kann gegen so ziemlich jede Schädlingsvariante außerdem eine Nützlingsart ausgebracht werden. Leider erkennen unerfahrene Heimlich-Gärtner den Schaden meist erst dann, wenn es zu spät ist. Zu spät heißt, dass man die Population von Thripsen, Spinnmilben, weißen Fäden oder rostbrauen Punkten schon mit bloßem Auge erkennen kann.

Braunfäule oder unechter Mehltau hingegen sind die Folge eines zu feuchten und warmen Klimas. Braunfäule befällt die Blüten von innen heraus und hat schon so manchen Gärtner verzweifeln lassen, weil das Ausmaß erst im Verlauf der Ernte offenbar wird. Braunfäule erkennt man nur bei ganz genauem Hinsehen. Die befallen Blüten verlieren die grüne Farbe und werden zuerst gräulich-grün. Wenn man die Braunfäule entdeckt, ist meist schon ein großer Teil des Blüteninneren verdorben. Die befallene Pflanze muss isoliert und der Befall großflächig weggeschnitten werden, damit man wenigstens die nicht angefaulten Blüten noch genießen kann.

Mehltau lässt sich, früh genug erkannt, relativ leicht bekämpfen. Hierzu sollte man die Ansätze der Äste regelmäßig auf weißen Schimmelbelag kontrollieren, da Mehltau von dort aus anfängt, sich über Blätter und Stängel auszubreiten. Bei echtem Mehltau hilft im Frühstadium das Versprühen eines Wasser-Milch-Gemisches oder anderer, stark basischer Spritzbrühen sowie eine penible Reinigung der Box. Falscher Mehltau ist hingegen ein Virus, den die Pflanze nicht mehr los wird. Das Schadbild kann beispielsweise mit Kupferkalk gelindert werden.

Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Schädlings- oder Pilzbefall: Eine optimale Luftfeuchtigkeit macht es Pilzen und Schädlingen schwerer, sich auszubreiten. Außerdem: Tägliche Kontrolle der Pflanzen auf Blatt-Verfärbungen, Schädlingseier an den Blattunterseiten im Pflanzmedium. Pilzbefall fängt meist in den Stängelansätzen oder dem Übergang zum Medium an. Sauberkeit und Ordnung im Raum verstehen sich von selbst. Mehr Infos über Schädlinge und deren Bekämpfung findet ihr hier.

Falsche Position der Lampe

Einer der fatalsten Fehler, da bei Natriumdampflampen die Effektivität mit steigendem Abstand stark nachlässt. Bei den neuen LED-Lampen ist die schwach ausgeprägte Tiefenwirkung noch stärker.

Weil der optimale Abstand von vielen Faktoren abhängt, sind Faustregeln zum Lampenabstand nicht sinnvoll: Das Leuchtmittel selbst, der Reflektor, das Raumvolumen, die Anbaufläche und die Lampenstärke spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Da die Lichtintensität bei allen Leuchtmitteln mit jedem Zentimeter exponentiell sinkt, nutzt man nur beim optimalen Abstand die volle Kraft des teuren Lichts. Hängt man die Lampe zu dicht über die Tops, schädigt man die Pflanzen durch intensive Wärmestrahlung allerdings sehr schnell und die oberen Blätter trocknen aus und sterben ab.

Maßnahmen: Das Anbringen eines Thermometers in Höhe der Pflanzenspitzen. Jetzt kann die Lampe mithilfe flexibler Aufhänger so nahe wie möglich über Pflanzen positioniert werden, ohne dabei an den Blütenspitzen eine Temperatur von 28-29 Grad zu überschreiten. Noch mehr Infos über Leuchtmitel und Reflektoren findet ihr hier.

Es darf ruhig ein bisschen mehr sein

Nein, alle äußeren Einflüsse sind auf das Minimum zu beschränken. Gießen, Umtopfen, Blätter zupfen, eine Positionsänderung des Topfes oder auch nur das anfassen der Blätter sind Stressfaktoren. Besonders Neueinsteiger bemuttern und betütteln ihre meist illegalen Untermieterinnen nicht selten über Maß. Gute Fürsorge ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes Gelingen, aber mehrmals täglich akribisch genaue Untersuchungen am Keimling durchführen oder drei mal am Tag Wasser versprühen, stresst den Nachwuchs eher als dass es der Wurzelbildung dient. Mangelnde Erfahrung führt auch regelmäßig zu Panik, wenn Neueinsteiger oder Lesefaule eigentlich unproblematische Veränderungen wie das Vergilben und Abwerfen der Blätter im unteren, lichtarmen Bereich einer Growbox feststellen und mit unnötigen Maßnahmen reagieren.

Bewurzelung

Es ist eigentlich egal, wie groß die Pflanze ist, wenn der Blütezyklus eingeleitet wird. Viel wichtiger für eine optimale Entwicklung ist die Entwicklung eines großen, gesunden Wurzelballens während der vegetativen Phase. In den ersten drei bis vier Wochen der Blüte werden die Pflanzen selbst bei mäßiger Wurzelausbildung sehr schnell wachsen, ohne erkennbare Mängel aufzuweisen. Sobald die Blüten ab der vierten Woche an Gewicht zulegen sollen, steigt der Bedarf an Phosphor und vor allem an Kalium. Waren die Wurzeln zu Blütebeginn nicht gut ausgebildet, werden die Folgen erst drei oder vier Wochen später zu sehen sein. Sind die Wurzeln nicht in der Lage, all die Nährstoffe zu transportieren, die nun von der bis jetzt üppig gewachsenen Pflanze benötigt werden, werden sich trotz ausreichender Düngung Mangelerscheinungen zeigen. Hier findet ihr mehr über die Entwicklung gesunder Hanfwurzeln.

Kalte Füße, zu niedrige Nachttemperatur und zu feuchte Blühräume

Drei Faktoren, die direkt miteinander zusammenhängen und eine Ernte verhunzen können. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit von 60 % oder mehr führt dazu, dass die Blüten in den letzten Wochen des Blütezyklus kaum noch wachsen.

In einer Box, die im Bereich der Pflanzenspitzen angenehme 25-28 Grad aufweist, kann der Fußboden leicht nur 12 Grad oder kälter sein. In „fußkalten“ Boxen wird das Klima immer problematisch bleiben, denn er verlangsamt den Stoffwechselprozess im Wurzelbereich. Wird weniger Nährlösung verstoffwechselt, steigt durch die ständig feuchte Erde auch die Luftfeuchtigkeit. Außerdem wird es in Boxen, die in einem ungeheizten Umfeld stehen und deshalb fußkalt sind, in der Dunkelphase schneller kalt. Beträgt der Unterschied zwischen Licht- und Dunkelphase mehr als 12-14 Grad, verlangsamt auch das den Stoffwechselprozess zusätzlich.

Gegenmaßnahmen: Styropor im Growraum auslegen. Schwarze Töpfe verwenden. Gegebenenfalls in der Dunkelphase heizen. Mehr zum Klima im Growraum findet ihr hier.

Zu früh, zu gierig, zu wenig Geduld

Indoor: Oft fehlt die Geduld zu warten, bis die Sorte wirklich ausgereift ist und dann noch den Trocknungsvorgang wirklich soweit abzuwarten, bis sich das spezifische Aroma der Sorte entfaltet hat. Selbst perfekt angebautes Cannabis kann durch einen zu frühen Erntezeitpunkt zum Durchschnittskraut werden. Zu kurzes und/oder falsches Trocknen macht es sogar oft ungenießbar. Die bei kommerziell angebauten Blüten künstliche Beschleunigung durch Heizungs- oder gar Ofenluft hat kratziges Gras voller Chlorophyll zur Folge. Besonders fatal ist es, nicht ganz trockene Blüten in Plastik zu packen, bevor sie auf mindestens 20 Prozent Restfeuchtigkeit herunter getrocknet sind. Hier findet ihr mehr übers Trocknen.

Outdoor: zu frühes Aussetzen kleiner Pflanzen, das Aussetzen von nicht vorgewachsenen Sämlingen oder die Nutzung einer zu lang blühenden Sorte führen im Freiland Problemen. Zu schwache und kleine Pflanzen werden im Frühjahr leicht von Tieren gefressen oder von der umliegenden Vegetation überwuchert. Lang blühende Sorten werden mit dem kurzen, nordeuropäischen Sommer und dem feuchten Herbst nur schwer fertig und fallen regelmäßig entweder der Braunfäule oder dem ersten Frost zum Opfer.

Gegenmaßnahmen: Pflanzen erst gut vorgewachsen aussetzen. Bei der Sortenwahl die Blütezeit und die Angaben zur Outdoor-Tauglichkeit beachten. Hier findet ihr mehr dazu.

Höher, schneller, weiter

Nicht mal die teuerste Box mit dem weltweit besten Equipment garantiert den gärtnerischen Erfolg. Im Gegenteil, wer teure Technik falsch nutzt, verbrennt Wurzeln, Blätter und Geld. Gießfaule werden durch den Kauf einer High-End Bewässerung keine besseren Gärtner und riskieren bei ihrer Grundhaltung eher einen Wasserschaden durch falsche Montage. Der Einsatz einer 600 Watt-Lampe statt einer 400 Watt mit High-End Reflektor bringt nicht automatisch mehr Ertrag, sondern oft Temperaturprobleme. Nicht selten folgen der hohen Investition dann ein paar Missernten und darauf die fehlende Lust weiterzumachen. Beim Versuch des Wiederverkaufs von gebrauchtem Equipment gibt es dann nicht selten finstere Mienen: „Growshop X nimmt nix Gebrauchtes, Shop Y zahlt wenig und bei Ebay trau ich mich nicht.“

Gegenmaßnahmen: Von Anfang an darauf achten, dass das Set-up ausbaubar ist. Mitwachsen statt hochstapeln.

Falsch beraten

Nach dem ersten Einkauf im Growshop und der zeitaufwendigen Montage von Box und Equipment gilt es, zwei Kisten und ungefähr 200 Teile richtig zusammenzubauen. Oft darf ein Growshop-Angestellter beim Einkauf gar nicht erklären, was er eigentlich sagen möchte, weil er mit keinem Wort zum Cannabis-Anbau beraten darf. Obwohl der Shop so sich selbst und seine Kunden schützt, interpretieren das einige als Unfreundlichkeit, Arroganz oder Borniertheit.

Der freundliche Mensch hinter der Theke hat den ganzen Kram also als Garant für den gärtnerischen Erfolg verkauft. Wie funktioniert eigentlich der Ph-Meter? Was genau ist ein Ec-Meter? Steht das auch in dem Buch, das irgendwo in der großen Kiste liegt? Bei der Indoor-Zucht müssen selbst bei einer möglichst unkomplizierten Variante viele kleine Dinge beachtet werden. Unkompliziert heißt auf Erde, mit einem einfachen Volldüngerprogramm und ohne viel Schnickschnack. Neueinsteiger, die Spaß am neuen Hobby haben oder denen die einmal erworbene Grundausstattung nicht reicht, werden sich ohnehin mit der Zeit immer professionelleres Equipment kaufen und andere Techniken ausprobieren. Wer sich nicht sicher ist, ob das neue Hobby wirklich langfristig ist oder schon beim Gießen der Zimmerpalme schwächelt, ist einfach auf Erde am besten aufgehoben.

Wer einkauft, ohne vorher genau zu wissen, was genau später im Zelt/in der Box steht, kann nicht einmal theoretisch optimal beraten werden. Unterschiedliche Sorten brauchen unterschiedliche Bedingungen und auch die Anzahl der Pflanzen und die gewählte Topfgröße beeinflussen das Wachstumsverhalten später immens. Wer Sorte und Anzahl der Pflanzen vorher kennt und weiß, ob man Samen oder Stecklinge verwendet werden, hat es beim ersten Einkauf leichter.

Maßnahmen: Vorher recherchieren und Wissen anlesen. Das erleichtert beiden Seiten die Kommunikation, schützt Unerfahrene vor windigen Angeboten und vermeidet Geldverschwendung.

Beratungsresistenz

Genau das Gegenteil vom vorherigen Punkt. Trotz bester Fachliteratur verbreiten sich auch in der Grower-Community manche Fake-News. Einige sind kurzlebig, andere halten sich über Jahre. Das liegt vornehmlich daran, dass es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zur Cannabiszucht, dafür aber umso mehr individuelle Erfahrungen gibt.

Lärmbelästigung, nicht bezahlte Rechnungen, Stromklau oder der überflüssige Nachbarschaftsstreit führen nicht selten zu ungebetenem Besuch. Sie sind, anders als viele im Nachhinein beklagen, keine höhere Gewalt, sondern durch Einhaltung einfachster Regeln einfach zu vermeiden.

Spezial-Erde trägt den Namen zurecht und dient nicht ausschließlich der Umsatzsteigerung niederländischer Agrarproduzenten. Die Verwendung von Blumenerde bringt es einfach nicht.

Ein ganzer Quadratmeter wird mit nicht mit 125 Watt Leuchtmittel beleuchtet, selbst wenn es eine gute LED neuster Bauart ist.

Die Mutterpflanze sollte nicht 16 Stunden lang beleuchtet werden, um Strom zu sparen. Auch wenn jemand aus dem Forum oder der ebenfalls growende Nachbar das erzählt.

Der eigene Grow ist Privatsache. Er dient weder der Selbstbestätigung unter Freunden noch als Referenz für einen coolen Lebenswandel auf Facebook. Die Abluft wird montiert, bevor die Pflanzen halb tot sind oder das halbe Haus stinkt.

Maßnahmen: No smell-No tell – Lesen – Cannabis-Kulturreisen (z.B. ins Hash, Marijuana and Hemp Museum nach Barcelona)

Der Anbau von Cannabis ist genehmigungspflichtig und ansonsten streng verboten. Die Informationen zu den hier beschrieben Anbautechniken basieren auf Userberichten in verschiedenen Cannabis-Fachzeitschriften, Foren und Online-Portalen. Sie dürfen nicht zum illegalen Cannabis-Anbau genutzt werden. Dieser Beitrag soll informieren, nicht anstiften.

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Original Artikel:Zehn häufigsten Fehler beim Cannabis-Anbau


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