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Cannabisanbau und Nachhaltigkeit
12/05/2017 - 13:00:00

Cannabis wird heute mit Techniken angebaut, die keine langfristige Nachhaltigkeit sicherstellen. Man denke nur an den exzessiven Energieverbrauch und den hohen Materialaufwand. Es gibt aber nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Probleme und schlagen einfache Alternativen vor, die einen umweltfreundlicheren Anbau im Interesse künftiger Generationen ermöglichen. 

Die natürliche Biokapazität der Erde ist schon seit beinahe vierzig Jahren überschritten. Anders ausgedrückt: Wir verbrauchen derzeit mehr natürliche Ressourcen, als der Planet produzieren kann. Bislang können wir dank der Vorräte überleben, die wie fossile Brennstoffe vor langer Zeit gespeichert wurden. Wie bekannt, reichen diese Vorräte aber nicht für die Ewigkeit. Der Planet zeigt bereits Anzeichen der Überlastung wie den Verlust von Ackerland, den Klimawandel, das Aussterben von Arten und Verunreinigungen im globalen Maßstab, und viele Brennstoffe und wichtige Mineralien (Kupfer, Phosphor, Silber, Gold) werden immer seltener.

Das bedeutet, dass sich unsere Gesellschaft radikal ändern muss, wenn wir wegen dieser Faktoren keinen Kollaps riskieren wollen, zu denen man auch noch das unkontrollierte Bevölkerungswachstum und die globale Krise des Kapitalismus hinzurechnen sollte. Es ist so gut wie sicher, dass künftige Generationen nicht den gleichen Zugang zu billiger und reichlich vorhandener Energie haben werden, wie wir ihn heute genießen. Viele der heute noch vorhandenen Rohstoffe werden künftig knapp sein. Unser Konsumniveau ist daher nicht nachhaltig. Das ist keine abstruse Idee, sondern beruht auf sorgfältigen Analysen angesehener Fachleute. Und die noch verfügbare Zeit für eine Änderung unseres Verhaltens läuft bald ab.

Angesichts derartiger Aussichten muss man die Frage stellen, wie nachhaltig die derzeit eingesetzten Techniken für den Cannabisanbau sind und was man daran ändern muss, damit sie nachhaltig werden. Jeder von uns sollte analysieren, was er beim Anbau seiner Lieblingspflanze tun kann, um einen wenn auch bescheidenen Beitrag zur Lösung des Problems zu leisten.

Energieverbrauch

Der erste Aspekt, der berücksichtigt werden muss, ist der Energieverbrauch. Wegen der Prohibition sind Cannabis-Grower überall auf der Welt seit Jahrzehnten gezwungen, im Verborgenen zu arbeiten. Dadurch entwickelte sich der Indoor-Anbau mit künstlicher Beleuchtung. Wie jeder weiß, werden dafür enorme Energiemengen benötigt, denen dann sogar wieder die Polizei nachspürt, um illegale Cannabis-Anbaustätten aufzudecken.

Ohne die intensive Strafverfolgung wäre sicher nie ein derart hoher Bedarf an Technik, Energie und Rohstoffen für den Cannabisanbau entstanden. Dieser Verfolgungsdruck zählt also sicher zu den wichtigsten Ursachen für fehlende Nachhaltigkeit. Würden wir von Polizei und Gerichten in Ruhe gelassen, gäbe es wohl kaum Leute, die Cannabis mit künstlicher Beleuchtung anbauen würden. Sie würden stattdessen, wie einer meiner Freunde es ausdrückt, die „große Lampe“, also die Sonne nutzen. Ein Ende der Prohibition ist also nicht nur im Interesse der Freiheitsrechte und der Bekämpfung der echten Kriminalität geboten, sondern auch im Interesse der energetischen und ökologischen Nachhaltigkeit.

Niedrigenergielampen haben das Problem nur teilweise gelöst, denn der Energieverbrauch für die Beleuchtung ist zurückgegangen. Da diese Lampen nicht so viel Hitze entwickeln wie Glühlampen, entsteht aber der Bedarf nach einer Heizungsanlage. Das garantiert also keine langfristige Nachhaltigkeit. Obwohl die Umstellung der Beleuchtungstechnik ein positiver Schritt ist, bleibt er unzureichend. Unter dem Aspekt der Effizienz gibt es nichts Besseres als den Anbau im Freiland. Genau aus diesem Grund zieht auch niemand Tomaten im Schlafzimmer.

Um ökologischen Nachteile unseres Anbaus neben einer Reduzierung des Energieverbrauchs noch weiter zu reduzieren, kann man sich für eine bestimmte Quelle der Energieerzeugung entscheiden. In vielen Staaten gibt es Unternehmen, die Strom aus 100 % erneuerbaren Energiequellen anbieten, also selbst keinen Strom aus Atomkraft, Kohle, Erdöl oder Erdgas beziehen. Auch große Stromversorger bieten oft Verträge für einen Strombezug aus erneuerbaren Energien an, aber das ist meistens nur ein Werbegag. Denn diese Unternehmen nutzen weiterhin überwiegend thermische und nukleare Energie. Sie betreiben zwar auch die Produktion erneuerbarer Energien, um ihre anspruchsvollsten Kunden zu binden. Insgesamt setzen sie aber die Ausbeutung nicht-erneuerbarer Energien fort. Deshalb empfehlen wir, solchen Unternehmen nicht zu trauen. Unser Beitrag zur Energiewende sollte darin bestehen, dass wir nur mit Stromlieferanten arbeiten, die ausschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen anbieten. Denn schließlich gilt: Nichts ist nachhaltiger und ökologischer als die Sonne.

Materialverbrauch

Ein anderer wichtiger Aspekt sind die Rohstoffe, die für den Cannabisanbau benötigt werden. Obwohl ich selbst im Bereich der ökologischen Landwirtschaft arbeite, wundert es mich immer wieder, wie unglaublich kompliziert der Cannabisanbau geworden ist. Heute verwenden selbst Anfänger mit nur wenigen Indoor-Pflanzen eine derartige Vielzahl an Geräten, Messinstrumenten, Produkten und Zubehör, dass sogar der erfahrene Profi-Grower vor Neid erblasst. Diese Entwicklung ist ähnlich zu derjenigen, die sich beim Stromverbrauch ergeben hat: Die Prohibition hat dazu geführt, dass der Anbau sich in den Untergrund verlagerte. Das ließ die Preise für das Endprodukt steigen. Sind die Preise für das Endprodukt aber hoch, wird oft unterstellt, dass man für seine Herstellung viel Ausstattung benötigt. Und im Vergleich zum Verkaufswert von Cannabis erscheinen die Kosten für diese Ausstattung eher als gering.

Wir können das an dieser Stelle nicht vertiefen. Aber um gute Buds zu produzieren, muss man gar nicht so viele Kunststoffe verwenden oder so zahlreiche Behandlungen durchzuführen. Wir können viel Geld, Energie und natürliche Ressourcen sparen, wenn wir die Technik des Cannabisanbaus vereinfachen und Überflüssiges weglassen. Das Wissen um das, was wirklich notwendig ist und was nicht, zeichnet einen guten Grower aus. Ein weiterer Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist der Einsatz von robusten, wiederverwendbaren und recycelbaren (oder noch besser: bereits recycelten) Materialien.

Hydro- und Aerokulturen

Der erdfreie Anbau als Hydrokultur (die Wurzeln liegen in einer Nährstofflösung) oder als Aerokultur (die Wurzeln sind in einer mit Nährstoffen gesättigten Dampf- oder Luftumgebung) hat in den letzten Jahren dramatische Zuwächse verzeichnet, nicht nur beim Anbau von Cannabis, sondern auch bei anderen Pflanzen. Dabei ist die Umweltbelastung aber so hoch, dass man nicht einfach darüber hinwegsehen darf.

Der Anbau ohne Erde ist nicht sehr effizient. Wir wissen, dass in der Erde Mikroorganismen leben, auf die Pflanzen angewiesen sind, um Nährstoffe aufnehmen zu können. Da diese Organismen in einer Hydrokultur nicht vorhanden sind, muss die Konzentration der Nährstoffe in absurde Höhen gesteigert werden, damit die Pflanzen wenigstens einen Teil davon aufnehmen. Das ist so, als ob man ein Baby zum Stillen in eine Badewanne mit Milch legen müsste. In Hydrokulturen werden daher Düngermengen benötigt, die weit über dem für die Versorgung der Pflanzen benötigten Niveau liegen und am Ende entsorgt werden müssen.

Das zweite Problem ist die technische Komplexität dieser Anbautechniken: Sie benötigen Pumpen, Schaltkreise, Filter und diverse Messgeräte. Aus diesem Grund erfordern Hydrokulturen und in noch größerem Maße Aerokulturen deutlich höhere Investitionen, die sich direkt auf den Verkaufspreis des Produkts auswirken. Schon eine geringe Preissenkung macht diese Betriebskosten zur echten Belastung. Wer anderer Meinung ist, sollte selbst einmal die Gemüsebauern befragen, die ich kenne: Nachdem sie erhebliche Beträge in Super-Hightech-Hydrokulturtreibhäuser investiert hatten, mussten sie feststellen, dass ihr Ergebnis fast bei Null lag, sobald die Preise für Tomaten oder Blattsalat auch nur leicht nach unten gingen. Um ihre Haut zu retten, sind dann einige auf Cannabis umgestiegen. Aber auch hier ist unklar, ob sich diese Anbautechnik weiter lohnen wird, da neue Vorschriften kommen könnten, die den Cannabisanbau für jedermann ermöglichen. Die Profitmargen würden dadurch gering werden. Bis dahin werden aber die natürlichen Ressourcen der Erde durch den hohen Rohstoffverbrauch geplündert.

Alles deutet darauf hin, dass auf der Permakultur basierende Landwirtschaftstechniken die einzige rentable Alternative sind, die ernsthaft die Aussicht auf Nachhaltigkeit und geringen Energieverbrauch bietet. Für alle anderen Techniken droht bei einem absehbaren Anstieg der Preise für Energie, Kunststoffe, Pestizide und Kunstdünger die gleiche, unangenehme Entwicklung: Sie werden unrentabel. Je eher wir uns darauf einstellen, desto besser.

Die Samen

Nicht zu vergessen: Das Saatgut. Heute dominieren feminisierte und automatisch blühende Sorten den Markt. Da die Strafen für einen illegalen Anbau oft von der Zahl und Größe der gefundenen Pflanzen abhängig sind, ist es zur verbreiteten Praxis geworden, männliche Pflanzen beim Anbau möglichst früh auszusondern, um die Zahl der Pflanzen zu reduzieren. Das hat die Beliebtheit von normalen Samen verringert. Dieses Szenario ist allerdings langfristig kaum nachhaltig.

Der Saatgutmarkt wird derzeit von instabilen Hybridsorten in feminisierten Versionen dominiert. Es ist nicht möglich, solche Pflanzen in mehreren Generationen anzubauen, und wenn sie mit männlichen Pflanzen aus normalen Samen gekreuzt werden, fehlt den Abkömmlingen die nötige Homogenität. Natürlich haben wir heute eine große Vielfalt an Cannabissorten mit deutlich höherem Ertrag als früher, aber die Grower haben zu Gunsten von Sicherheit und auch Bequemlichkeit die Möglichkeit verloren, diese Sorten selbst weiter zu entwickeln.

Tatsächlich ist es einer der wichtigsten Vorteile der eigenen Züchtung, dass man die Pflanzen damit einer natürlichen Auslese unterzieht und sie sich dadurch an die lokal herrschenden klimatischen Bedingungen und Seuchen anpassen können. Ein Anbau von Cannabis an der französischen Atlantikküste ist eben nicht mit einem Anbau im Bergland von Schweden vergleichbar. Um ein Beispiel zu nennen: Eine Pflanze, die aus einer Kreuzung von Sorten aus Thailand und Jamaika entstanden ist, wird an den beiden Orten nicht das gleiche Verhalten zeigen. Wenn die Saatgutfirmen es den Growern nicht mehr ermöglichen, das Saatgut selbst zu züchten und weiter zu verbessern, sodass auf diese Weise ein bidirektionales Verhältnis zu ihren Kunden entsteht, sorgen sie zwar dafür, Stammkunden an sich zu binden. Sie verlieren damit aber auch den Züchtungsbeitrag von Growern, die die Samen solcher Pflanzen für die eigene Züchtung selektieren, die gut an die lokalen Seuchen und Klimabedingungen angepasst sind. Das Teilen einer genetischen Abstammungslinie ist ein grundlegender Aspekt für ihren Erhalt. Man muss ja nur daran erinnern, dass eine bestimmte Saatgutfirma (ich nenne hier keine Namen) einmal alle Gene einer bestimmten Cannabissorte verloren hatte und sich danach an die eigenen Kunden wenden musste, um zu versuchen, die Sorte mit ihrer Hilfe zu rekonstruieren. Eine traditionelle Saatgutfirma, die sich auf Zwiebeln und Zucchini spezialisiert hat, hätte dieses Problem nicht gehabt. Oft ist eben die größte Stärke einer Sorte auch ihre größte Schwäche.

Hier einige wichtige Tipps zur Verbesserung der Nachhaltigkeit

  • Tageslicht ist besser als Kunstlicht.
  • Erde ist besser als Hydrokultur.
  • Bei Kulturen, die Kunstlicht benötigen, sollten Niedrigenergielampen verwendet werden.
  • Nur Strom aus erneuerbaren Energiequellen nutzen.
  • Die Menge des eingesetzten Materials reduzieren und das Material nach den Aspekten Haltbarkeit und Wiederverwendbarkeit auswählen.
  • Nur Produkte und Materialien verwenden, die leicht recycelt werden können oder besser noch aus Recyclingmaterial sind.

Was Effizienz und Wirtschaftlichkeit angeht, ist die Natur selbst unschlagbar. Um sie zu schützen und ihre Fähigkeit, unsere Bedürfnisse zu erfüllen, auch für die Zukunft zu erhalten, müssen wir natürliche Verfahren nachahmen. Je schneller wir von der Natur lernen, desto besser. 

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