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Cannabis auf der Überholspur
Autor: Christian Schäfer 09/05/2017 - 11:46:00

Was viele vor noch einigen Jahren für Humbug gehalten haben wird endlich wahr. Eine der ältesten Heilpflanzen der Erde findet den Weg zurück in die teilweise offensichtlich ratlose Schulmedizin. Daher gibt es immer mehr Firmen, die in den deutschen Markt mit Cannabisprodukten eintreten. 

Die Entwicklung 

Bis Mitte 2016 waren lediglich die Produkte der Firma Bedrocan erhältlich, sofern es keine Lieferengpässe gab. Ab dem Sommer 2016 kam dann Medcann auf den Markt, gefolgt von Pedanios. Beide Firmen beziehen ihr Cannabis aus Kanada. Momentan gibt es in Deutschland diese 3 Firmen, die das Heilkraut anbieten und aus Ländern wie Kanada und den Niederlanden importieren. Diese Firmen haben Strains, wie Lemon Haze oder Jack Herer in ihrem Sortiment, aber unter anderem Namen. Inzwischen hat jeder Anbieter 4 oder 5 Sorten im Angebot. Da jeder Organismus unterschiedlich auf die verschiedenen Sorten anspricht und jede Sorte etwas anders wirkt, ist es wichtig eine gewisse Vielfalt im Sortiment zu haben, um so die passende Medizin für jeden Einzelnen zu finden. 

Viele dieser Unternehmen bekommen Ihre Genetiken von namenhaften Züchtern. So arbeiten Firmen, wie Canopy growth (Medcann) mit DnA Genetics zusammen. Pedanios, die ihre Produkte von Peace Naturals bezieht, gibt keine Angaben zu der verwendeten Pedanios Genetik. Die Mutter aller Samenbanken Sensi Seeds hatte schon vor langer Zeit Bedrocan ihre kostbare Genetik zur Verfügung gestellt. Bedrocan ist die älteste noch existierende Firma in dieser Branche. Deshalb ist davon auszugehen, dass für Unternehmen wie Bedrocan und Canopy growth die Chancen sehr gut stehen ein lizensierter Produzent von Medizinalhanf in Deutschland zu werden.

Die Ausschreibung der Cannabis Agentur

Am 08.04.17 hat die Cannabis Agentur ihre zu erfüllenden Auflagen für die Ausschreibung bekannt gegeben. Deutschlands Cannabisagentur erteilt den Auftrag ab 2019 jährlich zwei Tonnen medizinisches Cannabis zu produzieren. Für diesen Auftrag sind maximal 10 Unternehmen vorgesehen. Mithilfe eines Losverfahrens und eines Punktesystems sollen die kompetentesten Unternehmen ausgewählt werden. Es gibt 10 Lose, jedes Los entspricht einer Lizenz für die Produktion von 200 kg Cannabis. Eine Firma kann maximal 7 Lose erhalten. Jedes Unternehmen kann bis zu 60 Punkte sammeln. 40 Punkte durch die Produktion oder die Lieferung (Import) von medizinischem Cannabis und 20 Punkte durch die Produktion von Phytoarznei wie Kamille, Baldrian und ähnliche Kräuter.

Die Firmen, die ein oder mehrere Lose erhalten dürfen dann ab 2019 für Deutschland und Europa legal Cannabis anbauen. Falls sich weniger Firmen an der Ausschreibung beteiligen, bekommt die Firma mit der meisten Erfahrung die übrigen Lose. Beziehungsweise die Firma, die in den letzten 3 Jahren am meisten Cannabis produziert hat. Jedoch kann eine Firma maximal 7 Lose erhalten.

Daher dürfen sich ausschließlich Firmen bewerben, die in der Phytoarzneimittelproduktion tätig waren und oder schon eine gewisse Menge Cannabis produziert oder geliefert haben, was den Markteintritt dramatisch erschwert. Deshalb wurde die Firma Medcann Ende 2016 auch von canopy growth gekauft, um die Chancen auf die begehrten Anbaulizenzen zu erhöhen. So versuchen viele Unternehmen aus Kanada in den deutschen Markt zu einzutreten. Mittlerweile ist auch ABcann mit einem Firmensitz in Deutschland anzutreffen. Auf Grund dieser strengen Anforderungen wird es nur sehr schwierig sein als Start-up oder als deutsches Unternehmen seinen Weg in das produzierende Gewerbe zu finden. Allerdings könnte man über Franchise oder andere Organisationsformen mit Geschäftssitz in Deutschland (Tochterfirmen) an eine der begehrten Lizenzen kommen.

Ein lukratives Geschäft

Der aktuelle Preis für ein Gramm Cannabis beträgt 15 Euro, was bei zwei Tonnen Produktionsmenge einen Umsatz von 30 Mio. Euro bedeutet, natürlich bezieht sich diese Zahl auf das Gesamtvolumen aller Lizenznehmer. Zudem werden die Lizenznehmer nicht 15 Euro pro Gramm erhalten, das ist der Preis, den die Patienten beziehungsweise die Krankenkassen zu zahlen haben. Den Preis, den die Lizenznehmer erhalten, soll voraussichtlich vertraglich von der Cannabisagentur festgelegt werden. Eine Produktion von Cannabis in Deutschland könnte sich auch positiv auf den Preis auswirken, da Transportkosten und ähnliche Kosten wegfallen.

Die Produktionskosten einer solchen Firma belaufen sich auf etwa 3 – 4 Euro pro Gramm, was bei 200 kg Kosten von bis zu 8 Mio. Euro bedeutet. Dazu kommen die Kosten für die Anlage (Produktionsstätte). Dabei hängt der Preis der Produktionsstätte stark von den zu erfüllenden Standards ab. Eine Anlage, die den aktuellen GMP (good manufactoring practice) Standards genügt, kostet ungefähr 4500 Euro pro Quadratmeter. Um solch ein Unternehmen aufzubauen bedarf es mehrerer Millionen, was eine weitere Hürde beim Markteintritt sein wird, da wenig mittelständige Unternehmen über so viel Kapital verfügen.

Ein neues Zeitalter

Den offiziellen Startschuss für den Anbruch in ein neues Zeitalter gab die ICBC Berlin. Die vom 11.-12. April im Maritim pro Arte Hotel für Geschäftsleute und Investoren aller Art ihre Pforten öffnete. Die ICBC war die erste B2B Messe mit Vorträgen der unterschiedlichsten Personengruppen. Auf der Messe waren auch Firmen wie Abcann oder Großhändler für Gartenbedarf wie Grow in vertreten. Es gab sogar ein ambitioniertes Team von deutschen Anwälten, die eine inhabergeführte Aktiengesellschaft mit dem Namen Hanf AG betreiben und ebenfalls versuchen ein lizenzierter Produzent zu werden. Allerdings sind alle Firmen noch sehr verschwiegen, eine wichtige Eigenschaft. Die auch Dr. Debbs der CEO von Medcann pflegt.

Bei Vorträgen von Marketingspezialisten wie Ophelia Chong und Boris Moshkovits und Pionieren im Bereich horticulture wie Kevin Jodrey und Ed Rosenthal war hier für jeden was dabei. Abgerundet wurde das Ganze mit einem Exklusiven Abendprogramm. Der krönende Abschied war ein Charity Event, dessen Einnahmen dem Deutschen Hanfverband gespendet wurden. Dem entsprechend war eine bunte Vielfalt der unterschiedlichsten Menschen auf der ICBC Berlin anzutreffen.

Alle mit dem Ziel neue Jobangebote oder Inspirationen für ihr laufendes oder zu gründendes Geschäft zu erhalten, denn es braucht nicht nur Medizin, sondern auch Aufbewahrungsbehälter Vaporisatoren und viele andere Gadgets, die einem das Leben erleichtern. In diesem Bereich dürfte sich in der nächsten Zeit einiges tun. Ein guter Wegweiser ist in diesem Fall USA und Kanada. Da sich hier schon ein florierender Markt mit den unterschiedlichsten Firmen etabliert hat, kann man aus deren Entwicklungen lernen. Die Szene wächst rasend schnell, ob im Bereich der Medien oder der Rauchgeräte, fast täglich stürmen neue Unternehmen auf den noch zu erschließenden Markt.

Der Beitrag Cannabis auf der Überholspur erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel:Cannabis auf der Überholspur


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