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Die WHO untersucht offiziell den medizinischen Nutzen von Cannabis
01/05/2017 - 14:00:00

Die Cannabis-Gemeinde hat seit Beginn des Jahres 2017 Grund zum Optimismus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bekanntgegeben, dass sie noch in diesem Jahr zum ersten Mal offiziell den medizinischen Nutzen von Cannabis und seinen Derivaten untersuchen will. Erstmals seit 82 Jahren – seit dem internationalen Verbot der Pflanze – will die WHO den therapeutischen Nutzen von Cannabis neu ins Auge fassen. Je nach den Ergebnissen dieses Berichts, der formell als „Vorüberprüfung“ bezeichnet wurde, könnte eine Lockerung der strikten und restriktiven internationalen Kontrolle auf die therapeutische Verwendung und potenziell die lang ersehnte Neueinstufung von Cannabis erfolgen. 

Anscheinend ist Cannabis 2017 auf dem Vormarsch, und die Meldungen sind zahlreich, die die Mitglieder der Cannabis-Gemeinde zu Optimismus beflügeln. Meldungen wie die, die wir in diesem Artikel behandeln. Sowohl die WHO als auch die Vereinten Nationen haben nämlich internationalen Medien gegenüber bestätigt, 2017 eine Studie über den medizinischen Wert von Cannabis und seinen Derivaten durchzuführen. Vorgenommen wird diese durch einen eigens zu diesem Zweck eingerichteten Expertenausschuss.

Erste offizielle Untersuchung der medizinischen Vorteile von Cannabis in 82 Jahren

Die WHO ist eine Sonderorganisation der UNO bestehend aus Vertretern aller Mitgliedsländer, dessen „Ziel die Verwirklichung des bestmöglichen Gesundheitsniveaus bei allen Menschen“ ist. Diese Organisation nimmt eine leitende Funktion in weltweiten Gesundheitsfragen ein. Sie leitet und koordiniert die Gesundheitsthemen sowie die Volksgesundheit auf internationaler Ebene.

Es ist also nicht unangebracht zu erwarten, dass die Beratungen und Empfehlungen einer Institution dieser Rangordnung auf aktuellem Stand sind und auf wissenschaftlichen Tatsachen und Erkenntnissen basieren, vor allem bei international so strittigen Themen wie der Drogenpolitik, genauer: der Politik in Bezug auf die weltweit beliebteste Droge: Cannabis.

Dennoch beruht die Beratung der WHO über Nutzen und Gefahren von Cannabis seit Jahrzehnten auf einer Entscheidung, die die Vorgängerorganisation der UNO, der Völkerbund, vor 82 Jahren getroffen hat. Vor zu langer Zeit also, wenn man bedenkt, wie sehr sich die gesellschaftliche Realität in fast allen Ländern der Welt, die den Empfehlungen der WHO folgen – insgesamt 197 Länder – geändert und wie weit sich die Wissenschaft in dieser Zeit in allen Gesundheitsfragen weiterentwickelt hat.

„Der Ausschuss besteht aus WHO-Experten verschiedener Fachgebiete wie der Pharmakologie, Toxikologie, Biochemie und der klinischen Praxis, und die vorzunehmende Nachprüfung basiert einzig und allein auf wissenschaftlichen Tatsachen“, erklärte Efe Gilles Forte, Koordinator für Richtlinien und Nutzung essenzieller Medikamente bei der WHO.

Obwohl diese Organisation bereits einige Studien und Berichte über den therapeutischen Nutzen von Cannabis durchgeführt hat, handelt es sich um die erste Cannabis-Untersuchung des bei der WHO für Drogenabhängigkeit zuständigen Expertenausschusses seit der Schaffung der internationalen Organisation im Jahre 1949. Und seitdem hat sich vieles auf der Welt verändert, vor allem in der Welt des Cannabis.

Auch hier gilt: Besser spät als nie

Die Relevanz dieser Meldung liegt darin, dass dieser Ausschuss der UNO Empfehlungen darüber aussprechen kann, ob das Verbot von Cannabis international weiter gelten und die internationale Kontrolle von Cannabis verstärkt oder gelockert werden soll – einer Pflanze, die seit 1961 auf derselben Liste für Suchtstoffe geführt wird wie Kokain oder Heroin.

In erster Linie wird ein Vorabbericht erstellt, dessen Ergebnisse in diesem Jahr vorgestellt werden sollen. Laut Forte ist die „Vorüberprüfung eine Phase vor einer gründlicheren wissenschaftlichen Überprüfung und kann in sehr kurzer Zeit vorgenommen werden„.

Falls diese „Vorüberprüfung“ positive Ergebnisse erbringen sollte, würde die WHO eine eingehendere und detailliertere Untersuchung namens „kritische Überprüfung“ über die medizinischen Vorteile von Cannabis vornehmen. Abhängig vom Ergebnis würde die Organisation eine Empfehlung für den Erhalt oder eine Lockerung der Kontrollen von Cannabis zu medizinischen Zwecken ausgeben. Über die Annahme dieser Empfehlung würden in einer Abstimmung die 53 Staaten entscheiden, die in der Suchtstoffkommission der UNO sitzen.

Es scheint daher klar zu sein, dass wenn die Untersuchung günstig ausfällt, medizinisches Cannabis auf internationaler Ebene vor allem in pharmakologischer Hinsicht gesetzlich reguliert werden würde, obgleich dies wohl nicht so für Cannabis als Genussmittel zutreffen wird. Mehr als acht Jahrzehnte später, in denen in Befolgung der WHO-Empfehlungen gegenüber Cannabis eine Politik der Bestrafung verfolgt wurde – u.a. lebenslange Haftstrafen oder in einigen Ländern die Todesstrafe –, gehört diese Szenerie möglicherweise der Vergangenheit an.

Mögliche Neueinstufung von Cannabis, jedoch nur zu medizinischen Zwecken

Man muss sich jedoch fragen, wie diese völlige Fehleinschätzung von Cannabis zustande kam. Im Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel von 1961 wurde Cannabis u. a. zusammen mit Heroin in die Listen I und IV aufgenommen. Diese Listen sind diejenigen, die den gefährlichsten Suchtstoffen vorbehalten sind und denen kein oder nur geringer medizinischer Nutzen zuerkannt wird.

Die Klassifizierung von Cannabis in diese Gruppen wurde vorgenommen, ohne dass die WHO über Studien über die Pflanze verfügte, die ihre medizinische Wertlosigkeit belegte, was die internationalen Verträge jedoch selbst als Erfordernis festlegen. Interessanterweise scheint niemand in der Lage gewesen zu sein, diesen Bericht in den letzten 80 Jahren ausfindig zu machen, obwohl damals behauptet wurde, einen solchen würde es tatsächlich geben.

Trotzdem wurde Cannabis weiterhin in den so restriktiven Listen kontrollierter Substanzen geführt, und zwar über Jahrzehnte, in denen zahlreiche wissenschaftliche Belege und Erkenntnisse zusammengetragen wurden, die das Gegenteil bezeugen. Diese Lage könnte mit dieser Überprüfung nun endlich anders werden.

Die Belege für den medizinischen Nutzen von Cannabis und seinen Derivaten (Öle, Extrakte, Tinkturen, etc.) sind zahlreich: Cannabis ist viel weniger schädlich als Alkohol und weist reale medizinische und therapeutische Vorteile zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheitsbildern und Störungen auf – u. a. zur Schmerzbehandlung, der muskulären Spastizität, bei einigen Formen der Epilepsie und bei palliativen Behandlungsmethoden.

Wegen dieser therapeutischen Wirkungen haben seit den letzten Jahren etwa 20 Länder sowohl in als auch außerhalb Europas sowie mehr als die Hälfte der US-amerikanischen Bundesstaaten heute per Lizenz oder Genehmigung geregelten Zugang zu medizinischem Cannabis. Es scheint daher mehr als eindeutig, dass die Vorstellung, Cannabis habe keinerlei medizinischen Wert, heute sehr viel weniger glaubwürdig ist als 1934, als diese Entscheidung getroffen wurde.

Internationaler Druck aufgrund der Beweislage

Im Laufe der letzten Jahre haben verschiedene Expertengruppen auf dem Gebiet von der WHO diese Untersuchung von Cannabis gefordert mit dem Argument, dass die Klassifizierung der Pflanze in die Liste 1 – zusammen mit streng kontrollierten Substanzen ohne medizinischen Nutzen – der Tatsache widerspricht, dass der wissenschaftliche Stand und die therapeutische Erfahrung seit Jahren die medizinischen Vorteile belegen.

Und man sollte nicht außer Acht lassen, dass heute vier Arzneimittel – drei von ihnen in Spanien –, die genehmigt und auf dem Markt sind, mit verschiedenen Cannabinoiden hergestellt sind: Marinol, Cesamet, Sativex und Epidiolex. Der Widerspruch ist offenkundig.

Aufgrund der aktuellen Rechtslage von Cannabis gestaltet sich außerdem die medizinische Erforschung des potenziellen Nutzens oder auch der Gefahren als sehr schwierig und wird beeinträchtigt durch die strikten und irrationalen Richtlinien, die auf die Substanzen der Liste 1 angewendet werden. In den meisten Ländern müssen sich Forscher umständlichen Verfahren aussetzen und mit arg beschränkten Quellen auskommen, um an Cannabis zur Durchführung ihrer Studien zu kommen, bloß weil ihre Regierungen die UNO-Konventionen erfüllen müssen.

Es gibt jedoch Länder, wie die Niederlande, die seit Jahrzehnten beweisen, dass ein Politikwechsel in der Cannabisfrage möglich ist, ohne dass die Welt untergeht. Wenn die WHO diesen Wechsel anführen würde, wäre dies jedoch eine enorme Erleichterung.

Um den Experten des Ausschusses die neuesten und auf den aktuellen Stand gebrachten Daten für die Durchführung dieser wichtigen Überprüfung zur Verfügung zu stellen, hat Ende letzten Jahres die unabhängige Organisation DrugScience in Zusammenarbeit mit dem IDPC (International Drug Policy Consortium) der WHO einen Bericht vorgelegt.

Unter den vier unabhängigen Experten, die den Bericht erstellt haben, befindet sich der Professor für Neuropsychopharmakologie des Imperial College in London, David Nutt, der außerdem Autor zahlreicher Studien und populärwissenschaftlicher Bücher ist und eine Zeit lang Vorsitzender des öffentlichen Beirats für Drogenpolitik der britischen Regierung war. Das Vorhaben dieser Experten bestand darin, dass die WHO sich auf dieses Dokument stützen können sollte, um eine klare, gerechte und tatsachenbasierende Vorüberprüfung in Hinblick auf die Kommission für Suchtstoffe 2018 vorzunehmen.

Anscheinend hat der Druck auf die WHO, der von DrugScience sowie von anderen Verbänden und internationalen Expertengruppen ausging, die sich für den legalen Zugang für Patienten zu medizinischem Cannabis aussprechen, Wirkung gezeigt.

Verhaltener Optimismus

Obwohl die Meldung die Cannabis-Welt zu Optimismus veranlasst, wäre es besser, sich damit noch etwas zurückzuhalten. Es wird noch länger als ein Jahr dauern, bis wir wissen, zu welchem Ergebnis die WHO-Vorüberprüfung kommen wird und welche Konsequenzen die ausgesprochenen Empfehlungen auf die derzeitige Rechtslage des medizinischen Cannabis weltweit haben werden.

Der Deutsche Werner Sipp, Vorsitzender des Internationalen Suchtstoffkontrollrats (INCB), erinnerte in einer Erklärung daran, dass diese Untersuchung sich auf Cannabis und seine Derivate für medizinische Zwecke konzentrieren wird, und wies darauf hin, dass die WHO vor etwas mehr als einem Jahr eine Studie durchgeführt hat, in der die gesundheitlichen Gefahren des Konsums von Cannabis als Genussmittel herausgestellt wurden. Es wird also ein neuer Weg eingeschlagen, den man allerdings nicht bis ans Ende geht.

Sogar für den hypothetischen Fall, dass die Empfehlung der WHO die Neueinstufung – oder die ebenfalls mögliche völlige Streichung – von Cannabis und seinen Derivaten, ist der Rahmen, in welchem die ersehnte Legalisierung erfolgen könnte, sehr eng gesetzt. Erforderlich wären Änderungen der UN-Abkommen, und die Nationen mit der striktesten Verbotspolitik wie Russland und China könnten von ihrem Vetorecht Gebrauch machen. Aber zum jetztigen Zeitpunkt bleibt dies noch Zukunftsmusik.

Die Anerkennung wissenschaftlicher und therapeutischer Tatsachen ist in jeder Hinsicht die Grundlage für die Entwicklung einer guten Gesundheitspolitik. Wir hoffen, dass WHO und UNO diese Chance ergreifen, um eine tiefgreifende Veränderung für die Gesundheit von hunderten von Millionen Menschen auf der ganzen Welt herbeizuführen. Die Empfehlung einer Neueinstufung des Cannabis wäre ein Beweis für die Übernahme von Verantwortung für Millionen Menschen, die Cannabis bereits nutzen, und würde die gesellschaftlichen und gesundheitlichen Risiken senken, die eine direkte Folge der aktuellen internationalen Cannabis-Politik sind. 

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Original Artikel:Die WHO untersucht offiziell den medizinischen Nutzen von Cannabis


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