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Die Cannabis Capital Convention 2018
 12/10/2018 - 11:00:00

Mal ehrlich: Es gibt viel Misstrauen und Skepsis, wenn große Konzerne und die Finanzindustrie ihre Aufmerksamkeit auf Cannabis richten. Der Organisator der Cannabis Capital Convention bestätigt es selbst: „Hier kommen die Schlipsträger – wo das wohl endet?“ ist die Frage, die allen Beteiligten auf der Zunge liegt. Was also wird vermutlich passieren?

Die jüngsten großen Nachrichten über die potenzielle Entwicklung eines mit Cannabis angereicherten Erfrischungsgetränks durch die Coca-Cola Company wurden im Mainstream mit einer Mischung aus Überraschung und Begeisterung aufgenommen. Die Cannabis-Branche reagierte ebenfalls überrascht, aber auch misstrauisch. Gerüchte, dass auch Pepsi über einen ähnlichen Schritt  nachdenkt, machten nur ein paar Wochen später Schlagzeilen.

Zwei Sorten von alkoholfreiem, mit Cannabinoiden angereichertem Mineralwasser mit Hopfen-Aroma sind in Kalifornien bereits erhältlich und werden (in Zusammenarbeit mit einem Extraktionsbetrieb) von der Lagunitas-Brauerei, einer Tochtergesellschaft von Heineken, hergestellt und vermarktet. Obwohl die Produkte als „Cannabis infused“ vermarktet werden, enthalten sie nicht das gesamte Spektrum der in Cannabis vorhandenen Biochemikalien. Eine Sorte enthält eine ausgewogene Mischung aus 5 mg THC und 5 mg CBD pro 355 ml. Die andere hingegen hat einen THC-Gehalt von 10 mg pro 355 ml, aber enthält kein CBD, was – angesichts dessen, was wir über den Entourage-Effekt wissen, und darüber, was passiert, wenn man THC isoliert von CBD verabreicht (was dieser Clip als irrtümlich als „Cannabanoid“ bezeichnet) – wirklich keine gute Idee ist.

Man könnte durchaus sagen, dass ein solcher Ansatz die Botschaft vermittelt: „Wir werden die Substanz Ihrer Wahl, für die Sie Gefängnis und gesellschaftliche Ausgrenzung riskiert haben, nehmen, wir werden sie verdünnen und desinfizieren, sie neu verpacken und Ihnen in einer weniger angenehmen Form wieder schmackhaft machen“. Wer wäre unter diesen Umständen nicht misstrauisch? Und dies ist nur ein Beispiel dafür, wie ein Unternehmen ein neues Cannabisprodukt entwickelt. Welche weiteren Konsequenzen könnten sich ergeben, wenn das „große Geld“ zum Einsatz kommt? Werden die Entscheider hinter den spiegelnden Fassaden der Wolkenkratzer bereit sein, auf die Erfahrungen der Menschen zu hören, die in den letzten siebzig Jahren die Cannabis-Kultur im Untergrund erschaffen und gepflegt haben?

Kaffeepause auf der Cannabis Capital Convention im EYE-Film-Museum in Amsterdam

„Wenn das große Geld den Markt entert und die Leute ersetzt, die wirklich Erfahrung haben, dann ist das einfach nur dumm.“

Kino eins im „EYE“, einem Film-Museum in Amsterdam, ist fast vollständig gefüllt und abgesehen vom Redner herrscht andächtige Stille. Robert Cheney von „C21 Investments“ sagt Worte, die viele Cannabisbauern mit Erleichterung aufnehmen würden, aber es ist ungewiss, ob überhaupt ein einziger von ihnen im Publikum sitzt. Es handelt sich vielmehr um Investoren, Geschäftsleute, Unternehmer und Geschäftsinhaber. Sie alle besitzen mehr theoretisches Fachwissen im Bereich des Finanzmanagements als in der Praxis des Cannabisanbaus, und es ist das erste Mal, dass diese beiden so unterschiedlichen Welten auf niederländischem Boden aufeinandertreffen.

Das Publikum ist überwiegend weiß und männlich. Unter den etwa 300 Teilnehmern findet man  lediglich 25 Frauen und vielleicht fünf farbige Menschen. Von 13 Referenten ist nur einer weiblich. Die demografische Zusammensetzung der Cannabiskonsumenten und der Cannabis-Delinquenten in den USA und in Europa spiegelt sich in keiner Weise in der demografischen Zusammensetzung der Zuhörerschaft wieder.

Diese Menschen kaufen weder Cannabissamen, um zu Hause anzubauen, noch Blüten, um sie zu genießen oder um Schmerzen zu lindern. Sie haben nicht Hunderte von Euro pro Ticket bezahlt, um Cannabis ohne Angst offen konsumieren zu können, wie es die Juroren des Cannabis Cup in seiner Blütezeit taten. Sie sind bloß hier, um zu erfahren, welche Investitionsmöglichkeiten es auf dem beispiellosen und schnell wachsenden legalen Cannabismarkt gibt.

Michael Kraland (links), Organisator der Cannabis Capital Convention, mit Randy Torcom von C21 Investments

Die Cannabis Capital Convention ist eine Initiative von Michael Kraland, Finanzexperte, Autor und Gründer von zwei niederländischen Investmentbanking-Standorten. Als erfolgreicher Geschäftsmann ist Kraland so weit etabliert, dass er sich keine Sorgen um das Stigma macht, das Cannabis seiner Meinung nach immer noch anhaftet. Stattdessen war er sehr fasziniert vom Investitionspotenzial des schnell wachsenden Cannabismarkts. Er beschloss, einige der großen Konzerne aus Kanada und den USA mit den etablierten Cannabisunternehmen der Niederlande zusammenzubringen, um zu untersuchen, wie die Welt des Investments und die Welt des Cannabis voneinander profitieren könnten.

Die Zahlen und Charts, die den ganzen Tag über auf der Kinoleinwand zu sehen sind, sind erstaunlich, selbst für Menschen, die bereits in der niederländischen Industrie arbeiten. Zum Beispiel wird erwartet, dass bis 2020, anderthalb Jahre nach der vollständigen Legalisierung in Kalifornien, der Verkauf von Cannabis zu Genusszwecken den Verkauf von Wein übersteigen wird – also nicht Alkohol im Allgemeinen, sondern nur Wein.

Der geschätzte europäische Cannabiskonsum liegt bei 3.000 Tonnen pro Jahr, der von Nordamerika liegt bei 6.250 Tonnen.

Eine der überzeugendsten Präsentationen wurde von Alex Brooks von Canaccord Genuity, der größten unabhängigen Investmentfirma in Kanada, gehalten. Als sanfter, nüchterner Engländer mit offensichtlich umfassenden Kenntnissen im Investmentbanking verrät er, dass der Freizeit-Cannabis-Markt in Europa auf über 25 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt wird, obwohl dort in naher Zukunft wahrscheinlich nicht vollständig legalisiert werden wird. Der CBD-Markt für Wellnessprodukte holt schnell auf, der Umsatz für 2018 wird auf 200 Millionen Euro in ganz Europa geschätzt. Seine Präsentation hebt CBD-E-Liquid als größten Posten hervor und zeigt ein Foto von einem Sensi-Seeds- Produkt. Diese Zahlen sind nicht nur für Europa relevant, sondern werden auch für Investoren umso interessanter, wenn man bedenkt, dass der europäische Cannabiskonsum weniger als die Hälfte des Nordamerikanischen ausmacht.

Alex Brooks von Canaccord Genuity beleuchtet das große Potential von CBD-Wellness-Produkten

Ebenso überzeugend ist Christine Smith, CEO von Grön. Zusammen mit Sky Pinnick und Russ Rotondi von Phantom Farms besuchte Christine am Tag vor der Cannabis Capital Convention das „Hash Marihuana & Hanf Museum“ und war begeistert und fasziniert von der Vielfalt der Exponate, aber etwas schockiert, erfahren zu müssen, dass sie die einzige weibliche Sprecherin war. Ironischerweise geschah dies, während die derzeit stattfindende Ausstellung „We Are Mary Jane: Women of Cannabis“, aufgrund großer Popularität noch einmal verlängert wurde.

Spitzzüngig dankte sie Michael Kraland für „die Gelegenheit, die Quoten-Frau zu sein“, als sie stilecht um 16:20 Uhr die Bühne betrat. Christine erzielte bedeutende Erfolge in einer männerdominierten und unter hohem Druck stehenden Branche, der Architektur, bevor sie die Welt des Cannabis betrat. Zunächst konzentrierte sie sich auf die Entwicklung von Verpackungen für Edibles. Ihre Fähigkeiten und Standards sind jedoch so berauschend (kein Wortspiel beabsichtigt), dass sie kein Edible finden konnte, das den Anforderungen ihrer Design-Richtlinien entsprach. Der naheliegende, aber riskante nächste Schritt war die Schaffung einer eigenen Marke.

Ein neuer Ansatz im Marktsegment Edibles

Grön Chocolates sind nicht nur wunderschön verpackt, ihre Zusammensetzung ist auch Zeichen für einen neuen Ansatz auf dem Edibles-Markt. Der Schwerpunkt liegt auf Mikrodosierung. Edibles  standen bisher in dem wohlverdienten Ruf das russische Roulette des Cannabiskonsums zu sein, dank der Variablen des Entourage-Effekts und seiner Wechselwirkung mit dem Metabolismus. Grön hat die Technik der Terpen-Entfernung aus ihren Produkten perfektioniert, anstatt nur CBD und THC in sorgfältig kalibrierten Mengen zu verwenden. Das gesamte Sortiment der Grön-Schokoladen enthält nur ein Viertel bis zur Hälfte der gesetzlich erlaubten Dosis. Dies führt zu vorhersehbaren, reproduzierbaren Effekten, die ohne Angst vor unerwünschten Horrortrips genossen werden können. Stattdessen sind Grön-Schokoladen für Menschen gedacht, die Christine als „Enthusiasten“ bezeichnet, die sich entspannen möchten, ohne gleich komplett die Kontrolle zu verlieren.

Christine Smith, CEO von Grön, einem innovativen Unternehmen für luxuriöse Cannabinoid-Lifestyle-Produkte

Grön steht aber noch für mehr. Christine hat kürzlich das erste CBD-Café in Oregon eröffnet, das es potenziellen Enthusiasten ermöglicht, alle Arten von feinen CBD-Produkten zu probieren. Die nächste Stufe, von der Christine derart begeistert ist, dass sie ihr Publikum regelrecht ansteckt, ist die Verflechtung der Erfolgsformel von Grön mit einer neuen Wellness-Produktlinie. Ein weiterer Redner, Stephen Murphy von Prohibition Partners, bestätigte bereits früher am Veranstaltungstag, dass „Cannabis zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal für Beauty- und Wellnessunternehmen und Verbraucher wird“. Ein Thema, das den ganzen Tag über immer wieder auftaucht.

Firewalls und Brücken bauen

Der Ansatz von Canaccord Genuity besteht darin, „Firewalls“ zwischen den vier verschiedenen Märkten zu bauen, auf die sich Geschäftsinvestitionen aufteilen: Pharmazie, CBD/Wellness, Medizin und Freizeit. Es wird Unternehmen geben, für die eine oder zwei Sparten weitaus interessanter sind als die restlichen, oder ein bestimmter Aspekt, vor dem sie trotz seiner zunehmenden Legalität zurückschrecken (wahrscheinlich der Freizeitgenuss). Der Sinn dieser Differenzierung besteht darin, nicht einen Bereich auf Kosten der anderen zu vernachlässigen oder gar zu diskriminieren. Es geht darum, es für Unternehmen oder Einzelpersonen einfacher zu machen, sich auf einem Markt zurechtzufinden, der ihr ganzes Leben lang illegal war und plötzlich das Versprechen beinhaltet, sie sehr, sehr reich zu machen.

Die vier verschiedenen Märkte, die Canaccord Genuity für Cannabisprodukte definiert: Pharmazie, CBD/Wellness, Medizin und Freizeit.

Doch zumindest für Alex Brooks bietet dieser aufstrebende Markt mehr als nur das Potenzial für Reichtümer. Diese erste Cannabis Capital Conference endete mit einem Panel, dem Alex, Christine Smith, Michael Kraland und Tjalling Erkelens sowie Mauricio Agudelo von Bedrocan angehörten. Alex’ erste Aussage hat nichts mit Geld zu tun. Stattdessen nutzte er die Aufmerksamkeit, um seine Abscheu vor einer Marktordnung zu äußern, die es (derzeit noch) akzeptiert, dass junge Menschen an den Auswirkungen der Prohibition ihr Leben lassen.

Schützt die Rechte von Kleingrowern

Es handelt sich um einen Punkt, der unbedingt angesprochen werden muss, und der den ganzen Tag über wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung schwebte. Dieser „grüne Rausch“, dieses mit Cannabinoiden versehene Füllhorn an Gelegenheiten ist nur möglich, weil Menschen alles riskiert haben, um den Restriktionen des Verbots zu widerstehen. Für viele war das Ergebnis der Verlust von Freiheit, Verlust von Lebensgrundlagen, Verlust von Leben. Es ist zumindest etwas beruhigend, dass mindestens eine der Hauptfiguren der Veranstaltung dies auf der Bühne anerkennt. Abseits, in einem ruhigeren Moment, beschreibt Eric Shoemaker von Swell Industries die Frage, was das alles für den kleinen Grower bedeutet, als „ein Gespräch unter Erwachsenen über Entscheidungen für Erwachsene… wir sollten unbedingt die Rechte der Kleingrower schützen. Sie haben das Ganze während der Prohibition am Laufen gehalten.“

Christine Smith, Alex Brooks, Tjalling Erkelens, Mauricio Agudelo und Michael Kraland (v. l. n. r.)

Nach einem ganzen Tag in der Gesellschaft von Investmentbankern, Finanzberatern, Cannapreneuren und Wirtschaftsexperten ist nicht zu leugnen, dass dies eine ganz andere Art von Veranstaltung ist als die Cannabis Cups, Erntefeste und Legalisierungsmärsche, über die Sensi Seeds sonst so berichtet – aber das macht es nicht zu einer schlechten Sache. Es gibt ein Gefühl des Optimismus, ein Gefühl der Erreichbarkeit von neuen Höhen. Es kann anstrengend sein, ständig im Hinterkopf zu haben, ob bewusst oder unbewusst, dass man sich auf der falschen Seite des Gesetzes befindet. Dieses ständige Risiko, obwohl man einfach nur das tut, woran man glaubt. Die im EYE-Film-Museum versammelten Personen versprühen eine Energie, die von diesem Risiko, diesen Schikanen und Strapazen, unbeeinflusst ist. Sie haben der Welt des Cannabis eine Menge zu bieten – und umgekehrt. Was wir jetzt tun müssen, ist zuhören und voneinander lernen.

Was halten Sie davon, dass Cannabis Mainstream wird? Sind Sie ein Investor, der versucht, sich einen Überblick über diese zuvor verborgene Welt zu verschaffen? Lasst Sie es uns in den Kommentaren unten wissen!

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Original Artikel: Die Cannabis Capital Convention 2018

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