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44 % THC – Gibt es in Berlin das stärkste Gras der Welt?
 03/10/2018 - 10:00:00

In Berlin wurden seit 2007 immer wieder extrem hohe Spitzenwerte beim THC-Gehalt festgestellt. Statistisch gesehen ist Berlin mit 44 % THC-Anteil seit 2010 Weltrekordhalter beim Wirkstoffanteil von Cannabis. Was steckt wirklich dahinter?

Die Anfrage eines Berliner FDP-Abgeordneten zum THC-Gehalt der zwischen 2007 und 2017 beschlagnahmten Cannabisprodukte hat überraschende Spitzenwerte ans Licht gebracht. Zwar hatte das in Berlin beschlagnahmte Cannabis lediglich einen durchschnittlichen Wirkstoffgehalt zwischen 11,1 und 13,7 %, doch die Spitzenwerte verwundern: Sind die 46 % THC für Haschisch noch nachvollziehbar, ist der Spitzenwert von 44 % THC aus einem Fund von 2010 schon fast unglaublich. Auch 37,9 und 39,7 % THC aus den Jahren 2009 und 2011 lassen aufhorchen. Mit Ausnahme von 2016 wurden in jedem Jahr Cannabisblüten mit über 30 Prozent THC-Gehalt gefunden.

Da solche Werte nicht einmal bei der Zucht medizinischer Sorten erreicht werden und man in niederländischen Coffeeshops sowie einer kalifornischen Dispensary ebenso vergeblich nach Blüten mit über 30 % THC sucht, wundern die Berliner Spitzenwerte alle, die sich schon einmal ein wenig genauer mit dem Wirkstoffgehalt verschiedener Cannabissorten beschäftigt haben. Die stärkste medizinische Sorte Europas weist derzeit 22 % auf, in Kanada sind es 26 %.

Meistergrower oder Messfehler?

Selbst Godfather OG, das stärkste jemals getestete Gras der Welt und High Times Cup Gewinner der Kategorie „Höchster THC-Gehalt“ hatte bei der Messung „nur“ 34 % THC. Mit Ausnahme solcher, erst kürzlich gezüchteten Sorten hatten selbst die Cup-Gewinner dieser Kategorie bis 2016 nie die 30 % Marke erreicht. Angesichts dessen wundern die kontinuierlich hohen Werte bei Berliner Cannabis, das illegal und unter schlechteren Bedingungen als alle medizinischen Sorten oder Cupsieger angebaut wird.

Insgesamt wiesen die Spitzenwerte bei Berliner Gras, mit Ausnahme von 2016, höhere THC-Werte auf als alle anderen Sorten, die im Rahmen medizinischer Programme oder Cannabis Cups weltweit getestet wurden. Grund genug, einmal bei der Berliner Polizei nachzufragen, wie diese eklatanten Unterschiede zustande kommen könnten. Auf eine entsprechende Anfrage antwortet die Pressestelle der Berliner Polizei:

„Die zum Teil hohen Werte für Marihuana (Cannabiskraut) sind durch vereinzelte Messungen von Gemischen von Cannabiskraut und Cannabisblüten mit einem hohen Blütenanteil zu erklären. […]. Ein „eklatanter Unterschied“ zu Messergebnissen anderer Länder weltweit ist nicht zu erkennen, da die Zahlenwerte ohne genaue Messmethodenbeschreibung und exakte Beschreibung des untersuchten Materials (Blätter, Blüten oder ein Gemisch davon) nicht seriös vergleichbar sind. […].“

Handelt sich es um eine Mischung aus Blüten und weniger potenten Blättern, müssten die Blüten sogar einen noch höheren THC-Gehalt als die ohnehin fraglichen 44 % gehabt haben.

Die Testkriterien

Auf die Frage, wie beschlagnahmte Cannabisprodukte getestet werden, heißt es aus der Pressestelle:

„Schon seit Jahren liegt eine Akkreditierung durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) nach DIN EN ISO/IEC 17025 unter anderem auch für die Untersuchung von Betäubungsmitteln (BtM) und die Wirkstoffbestimmung von THC unter der Registriernummer D-PL-13241-01-00 der DAkkS vor. Die Proben werden gemäß Vorgaben der „Richtlinie zur Qualitätssicherung bei forensisch-chemischen Untersuchungen von Betäubungs- und Arzneimitteln“ der Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCh), […] untersucht.“

Zum Vergleich wurden bei der Anfrage die Testergebnisse von medizinischem Cannabis aus Kanada und den Niederlanden, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel überwacht werden, angeführt. Medizinisches Cannabis aus Kanada oder den Niederlanden wird ebenso in DIN EN ISO/IEC 17025 zertifizierten Laboren getestet, zudem braucht das Labor noch eine Zulassung nach DIN EN ISO 15189. Das Anzweifeln dieser Vergleichswerte macht die Angaben der Berliner Polizei zum THC-Gehalt ihrer Funde nicht glaubhafter. Darauf hingewiesen, ergänzt die Pressestelle:

„ […] die Messergebnisse aus den Proben von Sicherstellungen illegaler Cannabisplantagen mit einer Vielzahl verschiedener Sorten nicht mit den unter kontrollierten Bedingungen angebautem Hanf für die Pharmaindustrie zu vergleichen (sind). Weiterhin erfolgt gemäß Oberlandesgerichtlicher Entscheidung die Quantifizierung von Cannabisprodukten mit dem psychotropen Wirkstoff THC in den meisten kriminaltechnischen Labors mittels Gaschromatographie, um die nicht psychotrop wirksame, aber bei Hitzeeinfluss sich in THC umwandelnde THC-Säuren mit zu erfassen. Alternativ ist es möglich, mittels Hochleistungsflüssigkeitchromatographie (HPLC) eine Quantifizierung von Cannabisprodukten durchzuführen. Da bei dieser Analysentechnik die Trennung in flüssiger Phase auf einer Trennsäule etwa bei Raumtemperatur erfolgt, wandeln sich die THC-Säuren in THC nicht um. Es werden Cannabinol (CBN), Cannabidiol (CBD), THC und THC-Säuren nebeneinander erfasst und quantifiziert. Eine Summe von THC und THC-Säuren nach entsprechender Umrechnung ergibt dann den THC-Gehalt. Dieser THC-Gehalt kann dann höher als mit den von Ihnen erwähnten Methoden anderer Labore ausfallen.“

Zweierlei Maß oder nur unterschiedliche Methoden?

Doch selbst wenn der gesamte THC-Säure Anteil in THC umgerechnet wird, sind die über Jahre hinweg hohen THC-Anteile, die zudem in einem Mix von Blüten und Blättern gefunden worden sein sollen, nicht zu erklären. Abweichungen von 10 bis 20 % zu den Testergebnissen medizinischer Labore können nicht nur an der unterschiedlichen Messmethode des THC-Säureanteils liegen. Der müsste um einen Spitzenwert zwischen 33 und 44 Prozent aufzuweisen, nämlich fast genauso hoch sein wie der eigentliche THC-Gehalt.

Sollte das wirklich der Fall sein, könnten Patienten den THC-Gehalt ihrer Medizin durch einfaches Decarboxylieren ebenso auf einen so hohen Wert steigern. Ein Fall, bei dem medizinisches Cannabis bei vollständiger Decarboxylierung einen so hohen THC-Wert wie die Spitzenfunde in Berlin aufgewiesen hat, ist jedoch bislang nicht dokumentiert.

Sollten die Werte wirklich den Kriterien der Rechtsprechung genügen, sind sie entweder willkürlich und nicht sehr genau oder, was noch schlimmer wäre: Bei Patienten und Straftätern wird mit zweierlei Maß gemessen. Die Berliner Werte drängen den Verdacht auf, dass der THC-Gehalt im Strafrecht nicht die Realität widerspiegelt, sondern mit realitätsfernen Messmethoden möglichst hoch gehalten wird, da er ausschlaggebend für das Strafmaß ist.

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Original Artikel: 44 % THC – Gibt es in Berlin das stärkste Gras der Welt?

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