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Sportliche Grenzwerte – Cannabis und Doping im Leistungssport
 01/10/2018 - 09:05:00

Ob man sich mit Cannabis dopen kann, ist höchstumstritten. Trotzdem ist Cannabis in der Sportwelt eine der vielen registriertenDopingsubstanzen. Cannabis fällt wie die meisten anderen illegalen Drogen unter die Substanzen, die im Wettkampf (engl. „prohibited in competition) verboten sind. Neben dieser Kategorie gibt es noch die jener Substanzen, die auch zwischen den Wettkämpfen (engl. „prohibited at all times“) verboten sind und eine, die Substanzen umfasst, deren Gebrauch in speziellen Sportarten („prohibited in particular sports“) sanktioniert werden.

Kein THC-Grenzwert

Die World Anti Doping Agentur (WADA) hat sich in den vergangen Jahren mehrfach mit Cannabis beschäftigt und bereits 2013 beschlossen, den Grenzwert für THC-Abbauprodukte zu ändern. Betrug der so genannte THC-COOH Wert vor 2013 noch 15 ng/ml Blut, dürfen Sportlerinnen seit fünf Jahren einen Grenzwert von 150 ng/ml THC-COOH im Blut haben, ohne Sanktionen seitens der WADA oder ihrer nationalen Anti-Doping-Agentur befürchten zu müssen.

Auf die Messung und Festlegung des aktiven THC-Grenzwerts verzichtet die WADA übrigens ganz, da es sich bei Cannabis nicht um eine so genannte Grenzwertsubstanz handle und man mittels THC-COOH Wert auch nachweisen könne, ob jemand unter Cannabiseinfluss am Wettkampf teilgenommen habe.

Die Anpassung des Grenzwerts hat 2013 Sportlern zwar nicht die Erlaubnis für eine berauschte Wettkampfteilnahme erteilt, der Grenzwert entspricht mit 150 ng/ml THC-COOH  aber einigermaßen der Realität. Selbst regelmäßige Cannabiskonsumenten können so an Wettkämpfen teilnehmen, wenn sie ein oder zwei Tage vorher nicht mehr konsumieren.

THC-COOH steht für THC-Carbonsäure. Es ist ein Abbauprodukt des Cannabis-Wirkstoffs THC und kann Hinweise auf einen bereits Tage oder Wochen zurückliegenden Konsum liefern. Allerdings bezweifeln nicht wenige Fachleute die Aussagekraft des Carbonsäurewertes, wenn es um Abbauzeiten und Konsumhäufigkeit geht. Bei Drogenkontrollen im Straßenverkehr verzichten die meisten Länder mittlerweile ganz auf dessen Messung.

„Bisher galt es als gesichert, dass zumindest der Nachweis spezifischer Abbauprodukte des Cannabis-Hauptwirkstoffs THC im Haar einen Konsum zweifelsfrei beweist. Forscher am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg um den Toxikologen Prof. Dr. Volker Auwärter haben aber in experimentellen Studien gezeigt, dass dieser Schluss so nicht zulässig ist“, schreibt die Zeitschrift Nature in ihren „Scientific Reports“ im Oktober 2015. Nur der aktive THC-Wert dürfe für die Frage herangezogen werden, ob Fahruntüchtigkeit vorliegt oder nicht, so der Freiburger Rechtsmediziner in der Studie.

Da der Konsum von Cannabis zwischen den Wettkämpfen ohnehin nicht sanktioniert wird, muss sich die WADA angesichts des aktuellen Forschungsstands die Frage stellen lassen, weshalb sie nicht einfach einen eindeutigen THC-Grenzwert festlegt. Die Antwort ginge wohl in die Richtung, man wolle keine falschen Signale aussenden.

Was ist mit CBD?

Nach der Erhöhung des THC-COOH Werts hat die WADA im vergangenen Jahr Cannabidiol (CBD) von der Liste der im Wettkampf verbotenen Substanzen gestrichen. Alle anderen Cannabionide, egal ob künstlich oder natürlich, sind verboten, aber nicht namentlich aufgeführt.

Im Zuge der Neuaufnahme synthetischer Cannabinoide hat die WADA auch „Cannabinomimetika“ im Allgemeinen gelistet, um so gegen die ständig abgeänderten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS oder umgangssprachlich „Legal Highs“) gewappnet zu sein.

Mittlerweile wäre es Sportlerinnen sogar möglich, von der WADA eine Ausnahme für die medizinische Verwendung von Cannabis zu erhalten – vorausgesetzt die Verwendung ist im Herkunftsland der Athleten legal. Bislang ist kein solcher Fall bekannt.

Mit Goldmedaille aber ohne Führerschein

Rechnet man die Toleranzgrenze von 10 % dazu, sanktioniert die WADA ihre Sportlerinnen sogar erst ab 180 ng/ml für eine Wettkampfteilnahme unter Cannabiseinfluss. Wer also 160 ng THC-COOH im Blut hat, ist bei Olympia startberechtigt, gilt aber in Deutschland mit dem gleichen Wert im Straßenverkehr als therapiebedürftiger Dauerkiffer.

Einmal in den Mühlen des Verwaltungsrechts, sind schon 75 ng THC-COOH zu viel zum Autofahren. Über diesem Wert liegt laut einem immer wieder vor Gericht zitierten Gutachten der Uni München regelmäßiger Konsum vor, bei 150 ng sogar ein Abhängigkeitsverhalten. Beides führt in der Regel zu einem dauerhaften Entzug der Fahrerlaubnis und zur Einholung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens, dem „Idiotentest“ (MPU).

Wer heute für Deutschland eine Goldmedaille gewinnt, könnte auf der Heimfahrt tags darauf wegen eines DUI-Vergehens als Cannabisabhängier die Fahrerlaubnis verlieren und zur MPU  eingeladen werden – mit demselben Wert wie im bestandenen Dopingstest direkt nach dem Wettkampf.

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