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Indica und Sativa im Vergleich – worin besteht der Unterschied bei der Wirkung?
 31/08/2018 - 11:35:00

Die Wirkung ist wohl der größte, aber nur schwer zu beschreibende Unterschied zwischen Indica- und Sativa-Cannabissorten. Besonders schwer zu verstehen ist er wohl Für Menschen, die noch nie psychoaktive Substanzen probiert haben. Und neuen Studien zufolge gibt es einen anderen Grund für den Unterschied, als wir bisher dachten!

In diversen Posts dieses Blogs geht es um die physikalischen, historischen und geographischen Unterschiede zwischen den beiden Haupttypen unserer Lieblingspflanze. Dieser Artikel beschäftigt sich dagegen mit den unterschiedlichen Wirkungen von Indica- und Sativa-Cannabissorten. (Der Einfachheit halber bezeichnen wir hier „Indica-dominante“ Sorten nur als „Indica“ und „Sativa-dominante“ Sorten nur als „Sativa“.)

„Stoned“ bei Indica kontra „High“ bei Sativa

Erfahrene Cannabiskonsumenten beschreiben die Wirkung der Indica-Sorten oft mit dem Wort „stoned“ und die Wirkung der Sativa-Sorten mit dem Wort „high“, und ihre Zuhörer wissen dann, welcher Bewusstseinszustand gemeint ist. Ein Beispiel: „Ich will jetzt überhaupt nicht von diesem Sofa aufstehen, ich bin so stoned, dass ich das Gefühl habe, auf einer großen warmen Wolke zu sitzen”, oder: „Ich bin echt high, willst du Plätzchen backen oder einfach etwas Lustiges im Fernsehen ansehen? Weil ich so high bin. Nein, ich bin wirklich high, hör auf zu lachen. High.”

So weit so gut, wenn Sie selbst schon diese Erfahrungen gemacht haben, aber wer sie nicht gemacht hat, dem ist es nicht leicht zu erklären! Einige Schriftsteller von Charles Baudelaire bis Jack Kerouac gingen in ihrem Denken und Schreiben ganz in dem durch Cannabis erweiterten Bewusstsein auf und versuchten, ihre Leser in die Welten mitzunehmen, die sie unter dem Einfluss der Pflanze erkundet hatten.

Charles Baudelaire

Sowohl das Erklären als auch das Verstehen des Unterschieds zwischen der Indica- und der Sativa-Wirkung kann schwierig sein

 

Wie die Ausführungen eines Psychonauten (Erforscher der eigenen Psyche)  interpretiert werden und welchen Erfolg er bei der Übermittlung der subjektiven Wahrheit seiner Erfahrung ist, hängt größtenteils vom Leser selbst ab. Wenn der Leser noch nichts erlebt hat, das mit den unterschiedlichen psychoaktiven Wirkungen der Indica- bzw. der Sativa-Sorten vergleichbar ist, wie kann er dann überhaupt verstehen, was der Schriftsteller meint?

 

Zum Glück muss dieser Artikel bei dem Versuch, sowohl den Eingeweihten als auch den Unerfahrenen die unterschiedlichen Wirkungen eines Sativa- bzw. Indica-Konsums zu erklären, nicht mit Kerouac oder Baudelaire konkurrieren. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die eine Wirkung objektiv gesehen nicht „besser“ ist als die andere. Denn zu den faszinierenden Eigenschaften von Cannabis gehört ja, dass es für jede Gelegenheit eine passende Sorte zu geben scheint!

 

Die typische Wirkung einer Indica

 

Indica-Cannabissorten werden mit einem Gefühl der körperlichen Entspannung assoziiert – als ob die Anspannung aus den Muskeln entweicht. Wenn Sie sich also verkrampft oder von Stress überwältigt fühlen, kann der Konsum einer Indica Sie hiervon befreien und in eine schläfrige Ruhe versetzen. Stellen Sie sich vor, Sie lassen sich in ein warmes Bad sinken oder fühlen sich nach einer wohltuenden Massage total entspannt.

Indica-Cannabissorten werden mit einem Gefühl der körperlichen Entspannung assoziiert

Die Gedanken beruhigen sich und die Zeit scheint langsamer zu vergehen, und im klassischen „Stoned“-Zustand kann es sogar passieren, dass Sie so tiefenentspannt sind, dass Sie vergessen, was Sie gerade tun oder tun wollten! Ein häufig erwähnter Unterschied zwischen Indica- und Sativa-Sorten ist, dass Indicas ein Gefühl der Schläfrigkeit und Passivität erzeugen, während Sativas einen Drang zu Aktivität auslösen.

 

„Stoner“-Stereotypen

 

Interessanterweise hat das Verbot von Cannabis dazu geführt, dass die meisten illegal angebauten und verkauften Cannabissorten Indicas sind, da mit der schnelleren Reifung und den größeren Erntemengen weniger Risiken verbunden sind. Die negative Mediendarstellung des Cannabiskonsumenten als „fauler, apathischer Stoner“ könnte also auch damit zusammenhängen, dass diejenigen, die zum illegalen Erwerb von Cannabis gezwungen sind, meistens Indica-Sorten konsumieren. Doch dank der Wende in der Cannabis-Gesetzgebung (besonders in den USA) und der besseren Verfügbarkeit von Sativas werden wir in einigen Jahren vielleicht ein neues Stereotyp erleben – den „stets gut gelaunten, tatkräftigen“ Cannabiskonsumenten. Damit kommen wir zu den Sativa-Sorten:

 

Die typische Wirkung einer Sativa

 

Sativa-Cannabissorten werden mit einem aufmunternden oder anregenden Gefühl in Gehirn und Geist assoziiert. Die Kreativität kann so intensiv werden, dass man plötzlich merkt, dass man ins Leere gestarrt hat, da einem unaufhörlich Ideen durch den Kopf schießen, und Konzepte, die vorher scheinbar nichts miteinander zu tun hatten, passen auf einmal zusammen und kreieren neue Inspirationen. Hierzu gibt es zahllose Anekdoten und sogar einige Studien, die auf die Eigenschaft von Cannabis hinweisen, die Erkennung von Mustern zu verbessern. Studien, ob Sativa-Sorten diesen Effekt in stärkerem Maße erzeugen als Indicas, gibt es zwar nicht, aber das könnte durchaus der Fall sein.

Sativa-Cannabissorten werden mit einem aufmunternden oder anregenden Gefühl in Gehirn und Geist assoziiert.

Außerdem kommt einem dann vieles witzig vor, oder jedenfalls witziger als normal. Sativas haben das Potenzial, einen unweigerlich zum Lachen zu bringen, sodass man das Absurde auf einmal richtig zu würdigen weiß. Man kann von einem dringenden Verlangen erfasst werden, etwas zu tun; worin dieses „Etwas“ besteht, ist individuell natürlich verschieden.  Sportler werden zum Beispiel joggen oder ins Fitnessstudio gehen. Künstler könnten neue Werke kreieren, Musiker Musik machen, Gärtner im Garten arbeiten usw. Die durch die Wirkung der Sativas erzeugten Inspirationen manifestieren sich also in der Aktivität, die Ihnen am ehesten entspricht.

 

Die Wirkung der Indica und der Sativa im Vergleich: eine überraschende Wendung

 

Cannabis sativa L. wurde erstmals im Jahr 1753 klassifiziert, und Cannabis indica Lam. 1785. Diese Klassifikationen basierten aber nicht auf der Wirkung, sondern auf der Botanik. Moderne Cannabisautoren wie Robert Connell Clarke haben in ihren Frühwerken mit diesen Klassifikationen gearbeitet. Sie fügten dem weitere Informationen über die Art des High- oder Stoned-Effekts hinzu, die beim Konsum von Sativas und Indicas erlebt werden können.

 

Die Erforschung von Cannabis führte zu der Entdeckung und Synthetisierung der Wirkstoffe CBD im Jahr 1963 und THC im Jahr 1964. Jahrzehntelang glaubte man, dass die Sativa-Sorten höhere THC-Anteile und die Indica-Sorten höhere CBD-Anteile enthalten. Die mit dem Verbot verbundenen Beschränkungen hatten zur Folge, dass diese Information weitgehend von Mund zu Mund weitergegeben wurden, aber sie verbreitete sich dennoch.

 

Alle oben genannten Informationen über die unterschiedliche Wirkung der Sativa und der Indica waren mindestens seit den 1970er-Jahren „bekannt“, als man die entsprechenden Zuchtsysteme entwickelt hatte und gleichzeitig Genmaterial aus der ganzen Welt verfügbar wurde.   Ben Dronkers und seine Zeitgenossen trugen maßgeblich dazu bei, wilde Landrassen-Sorten zu verbessern, zu veredeln und daraus die Grundlagen für die moderne Cannabisbranche zu schaffen – Indicas, Sativas und deren Hybriden.

 

Die Erforschung der Chemie und der Taxonomie (Klassifizierung) von Cannabis kann mit der Jahr für Jahr exponentiell steigenden Zahl von Cannabishybriden kaum Schritt halten. Der Menschheit ist die psychoaktive Wirkung von Cannabis zwar seit Jahrtausenden bekannt, doch erst seit den späten 1980er-Jahren wissen wir, warum es sie gibt – wegen der Existenz des Endocannabinoidsystems.

 

Die wissenschaftliche Erforschung von Cannabis steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Verglichen mit der subjektiven Erfahrung von Millionen Cannabiskonsumenten ist sie noch nicht über die Anfangsphase hinausgekommen. Und wohin hat das alles geführt? Zu der Erkenntnis, dass es zwischen der Sativa und der Indica praktisch keinen Unterschied in Bezug auf ihren CBD- und THC-Gehalt gibt.

 

Unser Wissen erweist sich erneut als falsch

 

Durch das Buch „Cannabis: Evolution and Ethnobotany“ im Jahr 2013 wurden die traditionellen Definitionen der Indica und der Sativa (obwohl sie auf Arbeiten von Linnaeus und Lamarck beruhten) sowohl in Bezug auf ihre Genauigkeit als auch auf ihren Nutzen in Frage gestellt.

 

Stattdessen wurden die Begriffe „breitblättriger Hanf/Droge“ und „schmalblättriger Hanf/Droge“ vorgeschlagen, um vier Haupttypen von Cannabis zu beschreiben, statt wie bisher nur zwei. In der Praxis muss sich diese Erkenntnis erst noch durchsetzen. (Sensi Seeds verwendet die traditionellen Begriffe und Definitionen jedoch weiter, da unsere Leser sie leichter verstehen.)

 

In den letzten zwei Jahren sind Studien veröffentlicht worden, die auf wissenschaftlichen Beweisen statt auf persönlichen Erfahrungen basieren, und diese widersprechen allem, was wir über die Indica und die Sativa zu wissen glaubten, nicht nur in Bezug auf ihre Erscheinung und ihre Evolution, sondern auch bezüglich ihrer Wirkung.

 

Schall und Rauch

 

Dr. Ethan Russo ist Neurologe, psychopharmakologischer Forscher und medizinischer Direktor von PHYTECS – ein Biotechnologie-Unternehmen, das das menschliche Endocannabinoidsystem erforscht. In diesem fesselnden Interview aus dem Jahr 2016 nimmt er bei seiner Beurteilung des heute weit verbreiteten Verständnisses der Unterschiede zwischen der Wirkung der Indica und der Sativa kein Blatt vor den Mund:

 

„ … die Sativa/Indica-Unterscheidung, wie sie in der populärwissenschaftlichen Literatur oft verwendet wird, ist kompletter Unsinn und quasi Schall und Rauch … man muss stattdessen die biochemischen Komponenten jeder einzelnen Cannabissorte quantifizieren und sie zu den beobachteten Wirkungen bei realen Patienten in Beziehung setzen.”

 

Außerdem meint Dr. Russo, Monoterpene seien für die unterschiedlichen Wirkungen der verschiedenen Cannabistypen verantwortlich. Die einschläfernde Wirkung, die mit den Indica-Sorten und ihren vermeintlich hohen CBD-Anteilen sowie den niedrigen THC-Anteilen verbunden wird, sei dem Monoterpen Myrcen zuzuschreiben.  Dagegen sei die anregende Wirkung, die wir mit dem angeblich hohen THC-Anteil und dem geringen CBD-Anteil der Sativa-Sorten verbinden, dem Limonen zu verdanken (das man auch in den Schalen von Zitrusfrüchten findet).

 

Dr. Ryan Vandrey, ein Verhaltenspharmakologe an der Johns Hopkins-Universität, der sich auf Cannabis und Cannabinoide spezialisiert hat, widerspricht Dr. Russos Meinung und wendet ein, dass das Wissen über dieses Thema zu beschränkt sei. Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Standpunkte auf dem Stand des Jahres 2016 und einzelne Studien zu dem Thema, und in diesem Artikel von 2018 sind zusätzliche Einzelheiten über Terpene zu finden.

 

Kartierung des vollständigen biochemischen Fingerabdrucks

 

Wer sich eingehend mit dem Forschungsgebiet beschäftigen möchte, sollte am besten „Cannabis: From Cultivar to Chemovar II—A Metabolomics Approach to Cannabis Classification“aus dem Jahr 2016 lesen, denn das scheint die bislang gründlichste Studie zu sein. Sie postuliert, dass die übersichtliche Darstellung des Chemovars – also die Erstellung eines kompletten biochemischen „Fingerabdrucks“ für jede Sorte, der auf deren Cannabinoid-, Monoterpen- und Sesquiterpen-Profilen beruht – die beste Methode zur Definition einer Nomenklatur sei.

 

Diese Studie kam außerdem zu einem Schluss, der hoffen lässt, dass die einfache, vertraute Unterscheidung zwischen Sativa- und Indica-Sorten doch erhalten werden kann: „ … analog zu den traditionellen Bezeichnungen Sativa und Indica können durchaus zwei verschiedene Gruppen definiert werden, was bedeutet, dass zwischen diesen beiden Cannabistypen echte Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung zu existieren scheinen.“

 

Die Klassifikationen basieren jedoch nicht auf dem Verhältnis zwischen THC- und CBD-Gehalt, sondern auf anderen Cannabinoiden und Terpenen. So fanden sich die weniger bekannten Cannabinoide Cannabichromen (CBC) und Cannabigerol (CBG) in „geringfügiger, aber signifikant erhöhter” Menge in den Sorten, die als Sativas bezeichnet werden. Für „die Identifikation der (traditionellen) Indica [sic]“-Typen werden die unterschiedliche Terpenzusammensetzung und die Anwesenheit von hydroxylierten Terpenen als „gute chemische Marker“ beschrieben.

 

Die gründliche Erforschung von Cannabis beginnt gerade erst

 

Das stimmt nicht nur mit den Forschungsergebnissen, sondern auch mit der persönlichen Erfahrung überein. Diese Erfahrung lehrt unbestreitbar, dass verschiedene Cannabistypen eine unterschiedliche Wirkung hervorrufen. Das Problem ist nur, dass wir die Gründe dafür bereits zu kennen glaubten, aber in Wahrheit erst heute damit beginnen, an der Oberfläche des Forschungsgebietes zu kratzen.

 

Man kann sich das etwas wie die Entwicklung der Wissenschaft von den Planeten vorstellen.   Seit jeher sahen die Menschen, wie die Sonne über den Himmel wandert. Zur Begründung wurden verschiedene Theorien entwickelt: Zuerst glaubte man, die Erde sei flach und die Sonne in einem beweglichen Kuppelgewölbe darüber eingebettet. Später meinte man, die Sonne umkreist eine kugelförmige Erde. Schließlich erkannte man, dass die kugelförmige Erde die Sonne umkreist und mit ihr zu einer Galaxie gehört, die eine von möglicherweise zwei Billionen Galaxien ist.

 

Aber unabhängig davon, was wir heute wissen, wandert die Sonne weiterhin genau so über den Himmel wie früher, und unabhängig davon, was wir über Cannabis wissen, werden die verschiedenen Typen weiterhin eine unterschiedliche Wirkung in uns auslösen.

 

Vielen Dank, dass Sie diesen langen Text gelesen haben, der eigentlich ein kurzer und einfacher Artikel werden sollte! Was ist Ihre Meinung zu der unterschiedlichen Wirkung verschiedener Cannabistypen? Haben Sie schon einmal ein Sativa-High mit Buds erlebt, die eigentlich von einer Indica-Sorte sein sollten, oder umgekehrt? Erzählen Sie es uns über die Kommentarfunktion!

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Original Artikel: Indica und Sativa im Vergleich – worin besteht der Unterschied bei der Wirkung?

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