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Die Lage des heutigen Cannabis-Saatgutmarkts
 04/07/2018 - 13:20:00

Manche wenden jedoch weniger anspruchsvolle Methoden an, was zu weniger stabilen oder weniger zuverlässigen Strains führen kann. Das war schon immer so und der Mangel an Transparenz wurde sowohl durch die Illegalität als auch durch die Industriepolitik verschlimmert – Züchter verschleiern beispielsweise die Herkunft zweifelhafter Abstammungen oder führen wegen der Möglichkeit, aufzufliegen und verhaftet zu werden, keine Aufzeichnungen.

Der Cannabis-Saatgutmarkt ist in den letzten Jahren explodiert

Heute ist der weltweite Cannabis-Saatgutmarkt größer denn je. Seine genaue Größe ist jedoch schwierig abzuschätzen, da es keine hinreichenden Angaben dazu gibt. Ein

Cannabis-Sämling unter LED-Beleuchtung

In der Welt der Cannabis-Samenzucht werden allerdings vermehrt Beschwerden laut, dass sich zunehmend weniger zuverlässige Verfahren in der Branche breitmachen, vielleicht als Antwort auf die „Pollen Chucking“-Mentalität, die die Klonindustrie fördert.

Anstatt mit der wachsenden Popularität von Klonen durch den Einsatz strikter Verfahren zu konkurrieren, verfolgen einige Saatgutproduzenten einen Ansatz, der den Markt mit billigem, minderwertigem Saatgut überschwemmt. Darunter befinden sich viele instabile F1- oder F2-Kreuzungen, die keine Garantie für Berechenbarkeit oder Qualität liefern.

Was ist „Pollen Chucking“ überhaupt?

„Pollen Chucking“ bedeutet genau das, was es impliziert: man erlaubt den männlichen Pollen, auf willkürliche und ungeordnete Weise mit weiblichen Pflanzen in Kontakt zu treten. An sich gibt es nichts am Pollen Chucking auszusetzen und es hat im Laufe der Jahre unzählige interessante Kreuzungen hervorgebracht. Einige von ihnen haben eine lange Lebensdauer, da sie  als Klone am Leben erhalten und vegetativ vermehrt wurden.

Es gibt jedoch einen fundamentalen Unterschied zwischen Pollen Chucking und strikten, organisierten Zuchtprogrammen mit einem Endergebnis. Das soll nicht heißen, dass einer der beiden Ansätze von Natur aus besser ist. Um ein Zuchtprogramm für stabile, vorhersehbare Sorten zu schaffen, ist letzteres allerdings der richtige Weg.

Anders formuliert ist „Pollen Chucking“ schlichtweg eine offene Bestäubung. Wenn dieser Ansatz über mehrere Generationen hinweg beibehalten wird, kann die resultierende Population eine „Erbpflanze“ oder eine Landrasse werden. Solche Populationen sind von unschätzbarem Wert für die Produktion stabiler Sorten und weisen viele wichtige Eigenschaften auf, etwa Resistenzen gegenüber Schimmel, Hitze, Trockenheit oder Krankheiten.

Damit dieser Effekt eintritt, müsste das „Pollen Chucking“ jedoch über ausreichend viele Generationen hinweg erfolgen, damit die Population ein gewisses Maß an Einheitlichkeit erreicht, indem sie sich an ihre lokale Umgebung anpasst und bestimmte dominante Merkmale zum Ausdruck bringt, die für diese Umgebung am besten geeignet sind. Auf der anderen Seite kann „Pollen Chucking“ über eine oder zwei Generationen mit Eltern sehr unterschiedlicher Herkunft, die möglicherweise nicht stabil sind, zu sehr unvorhersehbaren Ergebnissen führen.

Stabilität und Vorhersehbarkeit vs. interessante Phänotypen?

„Pollen Chucking“ ist an und für sich nicht ein Problem. Eines der größten Probleme bei der Gestaltung des heutigen Saatgutmarkts ist die Tatsache, dass es wenig Transparenz und nur wenige Praxisstandards unter den Züchtern gibt.

Daher können Verbraucher teilweise instabiles F2- oder F3-Saatgut kaufen, ohne die Herkunft der Strains zu kennen oder (in den meisten Fällen) ohne über hinreichendes,  aber für diesen Zweck enorm wichtiges Hintergrundwissen zu verfügen.

Ein Cannabis-Sämling, der aus der Samenschale sprießt

Wenn sich die Samen geöffnet haben und vier oder mehr Phänos in einer Packung mit zehn Samen gefunden werden, von denen keines dem Weed gleichen Namens ähnelt, das zuvor in einer Apotheke, einem Coffeeshop oder einem Social Club gekauft wurde, wird das Problem offensichtlich. Unterschiede in Höhe, Struktur und Blütezeit können die Gesamtqualität und den Ertrag einer Ernte beeinflussen und zu Frustration bei den Growern führen – ein Grund mehr für diese, sich beim nächsten Mal für die Simplizität der Klone zu entscheiden!

Auf der einen Seite bietet diese Instabilität mehr Chancen, interessante Phänos zu finden, die der nächste preisgekrönte Strain werden könnten. Für die meisten Endverbraucher hingegen sind Zuverlässigkeit und vorhersehbar gleichbleibend hohe Qualität in der Regel weitaus attraktiver.

Auszeichnungen sind nicht notwendigerweise der Schlüssel zur Stabilität

Es gibt eine Vielzahl preisgekrönter Saatgutfirmen, deren Produkte nicht unbedingt so stabil sind, wie sie sein könnten. Anstatt die Unternehmen mit den meisten Auszeichnungen oder die neuesten Pokalsieger ausfindig zu machen, ist es weitaus wichtiger, eine Hintergrundrecherche durchzuführen, wenn man mehr darüber wissen will, was man kauft.

Dies könnte bedeuten, in Foren herumzulauern, um sich mit anderen Growern auszutauschen, die die gleichen Samen angebaut haben, die man kaufen möchte, eine zuverlässige Website zu benutzen, um nach Informationen über Abstammung und mehr zu suchen, den Züchter direkt zu kontaktieren, einfach die Samen auszuprobieren und zu sehen, was man erhält, oder eine Kombination aus alledem.

Natürlich hilft die Lektüre der

Cannabis-Landrasse in Malana, Indien

Außerdem dauert es bei der Kreuzung zweier sehr unterschiedlicher Eltern (zum Beispiel von zwei verschiedenen Landrassen) mehrere Generationen, bis die volle Stabilität erreicht ist. Hinzu kommt, dass einige Züchter (

Biodiversitäts-Hotspots wie Malana müssen erhalten werden

Jeder heute erhältliche Cultivar und Hybride, ob nun in Form eines Samens oder eines Klons, stammt letztlich von Landrasseneltern von einem oder mehreren (und möglicherweise Dutzenden) Standorten ab. Die heute erhältlichen modernen Sorten stammen von tropischen und äquatorialen Sativas und gemäßigten Afghanicas oder Indicas ab – aber noch lange bevor diese Sorten jemals an den holländischen Ufern landeten, wählten die lokalen Bauern Hanfpflanzen, die gut schmeckten und einen angenehmen Effekt beim Rauchen hatten!

Innerhalb der Landrassenpopulationen von Cannabis bleiben bestimmte Merkmale bis zu einem gewissen Grad variabel (typischerweise variabler als bei einer streng gezüchteten Sorte). Zum Beispiel mögen die Landrassen-Cannabissorten von Malana alle sehr ähnlich aussehen, aber sie bringen offensichtlich unterschiedliche Terpen- und Cannabinoidprofile hervor. Diese Schwankungen können durch das Habitat beeinflusst werden, besonders wenn es sich um Pflanzen im Freien handelt. Es gibt allerdings auch einige Variationen im Genotyp.

Wenn Grower eine Landrasse aus ihrem ursprünglichen Lebensraum entnehmen und anderswo züchten und pflegen (auch wenn sie indoor die lokale Umgebung und ihre Bedingungen so genau wie möglich nachbilden), spricht man von einer Erhaltungskultur (ex situ) und Pflanzen dieser Art können als allochthone Landrasse bezeichnet werden. Wenn man jedoch zulässt, dass sie sich im Freien relativ frei fortpflanzen kann, kann sie innerhalb weniger Generationen zu einer autochthonen Landrasse werden.

Eine solche Veränderung der Umgebung kann die Pflanze daran hindern, sich frei in ihrem natürlichen Lebensraum mit zufällig herumfliegenden Pollen fortzupflanzen, aber es wird immer noch erhebliche Unterschiede zwischen den Individuen geben. Die Bevölkerung kann sogar schnell variabler werden, da sie selbst auf kleine Veränderungen in der Umwelt reagiert und neue Eigenschaften hervorbringt, die vielleicht angepasster sind. Diese Variationen führen oft zu interessanten Phänos, die das Rückgrat neuer Zuchtprojekte bilden!

Landrassen gewinnen zunehmend an Anerkennung

Während die Cannabisindustrie weltweit wächst, beginnen die traditionellen Heimatländer von Cannabis – wie Indien und Kasachstan – die Bedeutung der natürlichen Reichtümer zu erkennen, die sie direkt vor ihrer Haustür haben.

In Indien sind einheimische Organisationen wie die Indian Landrace Exchange, die Indian Heirloom Seed Co. und andere damit beschäftigt, Landrassen- und Erbpflanzensamen aus dem ganzen Land zu sammeln, zu identifizieren, zu erhalten und auszutauschen. Die Bombay Hanf Company, ein im Jahr 2015 gegründetes Industrieunternehmen, arbeitet mit Familien in Himachal Pradesh, Uttarakhand, Punjab, Kaschmir und Jammu zusammen,

Tiefland, selbstblühende Cannabis-Biotypen in Indien

Erwähnenswert ist aber auch, dass die Einführung fremder Genetik nicht automatisch das Ende einer Landrasse bedeutet. Nach einer Definition von 1998 ist „eine autochthone Landrasse eine Landrasse, die über einen langen Zeitraum im betreffenden Anbausystem angebaut wird. Da sich die Umwelt jährlich verändert und die Landrasse mit wenigen Genotypen anderer Landrassen oder Sorten ,kontaminiert’ wird, wird sie sich kontinuierlich anpassen.“

Eine widerstandsfähige Landrassenpopulation sollte also in der Lage sein, ein gewisses Maß an fremdem genetischem Material aufzunehmen, ohne ihren Gesamtcharakter zu beeinträchtigen. Der Wettlauf um den Schutz der verbliebenen Landrassenpopulationen ist also nicht verloren – es geht jetzt darum, dass nicht zu viel Fremdmaterial eingebracht wird.

In Marokko zum Beispiel bedeutet die schiere Menge billiger, feminisierter und oft schlecht stabilisierter Genetik, die in den lokalen Genpool eingeführt wurde, und auch die klare Präferenz der Bauern für ertragreiche Sorten, die dazu führt, dass Landrassen abgelehnt werden, dass der Kampf dort wahrscheinlich schon verloren ist – es sei denn, es können vernünftige und dringend benötigte Zuchtprogramme implementiert werden, die auf lokale, dürrebeständige Anpassungen zurückgreifen, vielleicht mit der kontrollierten Einführung stabiler ausländischer Sorten zur Verbesserung von Geschmack und Cannabinoidprofilen.

Man bedenke auch, dass sich in vielen Ländern wie Marokko (wo Cannabis nicht einheimisch ist, sondern in mehreren Wellen über mehr als tausend Jahre eingeführt wurde) ohne die Einführung ausländischer Genetik, Landrassen niemals hätten etablieren können. Die meisten Einführungen waren jedoch limitiert und bestanden aus relativ stabilen Landrassen/Erbpflanzen.

Doch heute zeichnet sich sozusagen ein Verdrängungswettbewerb ab und wenn sich dieser auf andere ehemals unberührte Populationen ausbreitet, könnten wir uns von dem Reichtum an Landrassensorten verabschieden, auf den wir angewiesen sind, um kommerzielle Sorten für Orte zu entwickeln, an denen Cannabis nicht natürlich wächst.

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