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Apotheken-Cannabis und die Gammabestrahlung
Autor: Robert Brungert  16/04/2018 - 08:32:00

Nur geschmacklich ruiniert oder auch schädlich?

Seit 2009 haben die ersten deutschen Patienten dank ihrer Ausnahmegenehmigung nach § 3 Abs. 2 BtMG potente Cannabismblüten aus der Apotheke erhalten. Diese wurden und werden noch immer aus den Niederlanden importiert, in denen sie bislang praktisch nur durch die Firma Bedrocan produziert werden durften – neue Ausschreibungsverfahren ändern das derzeit. Seit einigen Quartalen wird Cannabis auch aus Kanada und hoffentlich bald aus vielen anderen Ländern importiert. Zuvor wurde also ausschließlich aus den Niederlanden von Bedrocan importiert, die ihr Apotheken-Cannabis durch eine Gammabestrahlung entkeimt haben.

Viele Patienten haben sich darüber beschwert und tun es noch immer, denn diese Gammastrahlung ruiniert nicht nur den Geschmack, sondern sie sei auch gesundheitsschädlich. Dank weiterer Importeure könnte man jetzt einfach auf Produkte aus Kanada ausweichen, die keiner Gammabestrahlung unterzogen werden. Doch das geht nur, wenn diese Blüten gerade lieferbar sind – der Import genügender Mengen für die Versorgung tausender Patienten ist derzeit leider nicht lückenlos möglich.

Zumindest klagen viele Patienten, dass sie in ihrer Besenkammer besseres Apotheken-Cannabis produzieren könnten, als sie es in der Apotheke erhalten, die es oft nicht mal liefern kann. Zusätzlich dazu zahlt die Krankenkasse weiterhin in den meisten Fällen noch nicht. Ist die Gammabestrahlung vom Apotheken-Cannabis nur eine geschmackliche Katastrophe oder auch schädlich?

Was ist Gammabestrahlung?

Die Gammabestrahlung geht auf die Gammastrahlen von strahlenden Materialien zurück. Die Alphastrahlung kommt nicht mal durch ein Blatt Papier, die Betastrahlung könnte sogar etwas größere Hindernisse noch durchdringen. Die Gammastrahlung hingegen kann ganze Palettenware durchdringen und damit effektiv Keime abtöten. Das Wort „durchdringen“ ist zu betonen, da es sich lediglich um die Strahlung handelt. Es bleibt in den bestrahlten Produkten kein bestrahltes Material zurück, da dieses auch gar nicht erst hinein gerät. Es wird hindurch gestrahlt.

Die Gammabestrahlung wurde und wird auch zum Abtöten von Keimen in Lebensmitteln verwendet, ist zu diesem Zweck für in Deutschland hergestellte Lebensmittel jedoch verboten. Vermutlich gibt es noch immer keine Studien, ob diese Gammabestrahlung bis zu den zugelassenen Strahlenwerten schädlich ist. Wenn die Bestrahlung durch andere Techniken ersetzt werden kann, was bei der Lebensmittelherstellung der Fall ist, dann muss auf dieseverzichtet werden – so der deutsche Gesetzgeber.

Bei Medizinprodukten und auch in vielen Produktionsprozessen ist die Gammabestrahlung jedoch ein wichtiger Bestandteil. Es geht um die Bestrahlung vieler Medikamente, aber auch um medizinische Ausrüstung wie OP-Bestecke. Hier sind sterile Zustände extrem wichtig. Die abgepackte Palettenware wird also einmal mit hoher Dosis bestrahlt, dann kann sie in den Vertrieb.

Die tödliche, auch letale Dosis liegt bei Wirbeltieren bei 0.005 bis 0.01 KGy, bei Viren bei 10 bis 150 KGy. Bedrocan-Cannabis aus den Niederlanden wird mit bis 10 KGy bestrahlt. das tötet nicht alle Viren ab, aber Bakterien und Pilze.

Die Strahlenräume und die Strahlenquellen müssen viele Sicherheitskriterien erfüllen. Viele solcher Anlagen gibt es nicht. Die Unternehmen bringen ihre Waren zu diesen Anlagen und schieben sie einmal durch. Bedrocan wird also kaum eigene Bestrahlungsanlage betreiben.

y-Strahlung

Bei Lebensmitteln

In einer Bestrahlung liegt Strahlenkraft. Sonnenlicht bräunt die Haut, UV-C Licht wird zur Entkeimung von Oberflächen oder Wasser verwendet und mit Infrarotstrahlern kann eine Infrarotsauna den Patienten gut tun. Viele Strahlungen sind bis zu einem gewissen Grad oder bei richtiger Anwendung positiv, können jedoch in das Negative kippen. Die Gammabestrahlung ist eine radioaktive Strahlung, der man sich generell nicht aussetzen sollte. Sie hat auf verschiedene Lebensmittel verschiedene Auswirkungen.

Bei Kartoffeln oder Zwiebeln können die Keimzellen abgetötet werden, womit die Haltbarkeit verbessert wird. Das Bestrahlen von Getreide kann Schädlinge abtöten, um dieses sicherer lagern zu können. Bei einigen Obstarten kann ein weiteres Reifen verhindert werden, wodurch diese länger haltbar sind. Bei anderen Obstarten könnte man jedoch das Verderben auslösen. Bei fetthaltigen Lebensmitteln kann eine zu starke Gammabestrahlung viele Fettsäuren schädigen. Weiterhin kann die Gammabestrahlung bei Lebensmitteln, die viel Wasser enthalten, Wasserstoffperoxid erzeugen, welches wiederum als freies Radikal wertvolle Stoffe angreift.

Deswegen eignen sich nur einige Lebensmittel für eine Gammabestrahlung. Fetthaltige Fische mit vielen ungesättigten Fettsäuren werden nicht bestrahlt, fettarme Sorten hingegen schon. Gewürze werden ebenfalls bestrahlt, da hier die Alternativen fehlen. Diese Gewürze sind jedoch getrocknet und weniger anfällig für die Wasserstoffperoxid-Bildung. Alternativ werden Lebensmittel mit hohem Wassergehalt tiefgefroren und vakuumisiert, da das Wasserstoffperoxid dann weniger Schaden anrichtet und die Aromen und Nährwerte besser erhalten bleiben.

Für viele Lebensmittel gibt es auch Grenzwerte, bis zu denen die Bestrahlung kaum negative Auswirkungen auf die Produktbeschaffenheit hat. In vielen Ländern wird aufgrund der Salmonellengefahr in der Geflügelhaltung dieses Geflügel mit bis 2.50 KGy bestrahlt. Die Salmonellen werden genügend abgetötet und das Fleisch verliert aber noch nicht seinen Geschmack. Mit höheren Strahlenwerten wären die Qualitätseinbußen für den Verbraucher jedoch sehr enorm.

Fettsäuren, Cannabinoide, Terpene

Die Gammabestrahlung kann ab einer gewissen Stärke Fettsäuren, Cannabinoide oder auch Terpene zerstören. Einige Moleküle werden schneller als andere geschädigt. Bislang wurde in Studien und Versuchen nicht nachgewiesen, dass bestrahlte Lebensmittel, die bis 10 KGy bestrahlt wurden, gesundheitsschädlich sind. Das ist der Wert, der durch die WHO als Grenzwert für die Lebensmittelbestrahlung festgelegt wurde, der in vielen Lebensmitteln jedoch schon den Geschmack oder auch die Haltbarkeit ruiniert.

Es gibt Studien, die besagen, dass die Gammabestrahlung bis 10 KGy die Cannabinoide nicht zerstört, einige Terpenen werden jedoch in nicht schädliche Stoffe zersetzt. In wie weit diese Studien sämtliche enthaltenen Cannabinoide, Terpene oder anderen Substanzen der Cannabisblüten einschließen, kann hier nicht gesagt werden. Viele stellen sich die Frage, ob vielleicht beim Rauchen bestrahlter Cannabisblüten schädlichere Produkte als beim Rauchen unbestrahlter Cannabisblüten entstehen.

Demnach gibt es keine hier bekannten wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Gammabestrahlung von Cannabisblüten bis 10 KGy für die Patienten gesundheitsschädliche Auswirkungen hat. Eines kann jedoch sehr deutlich wie bei einigen der nicht zu bestrahlenden Lebensmitteln abgeleitet werden: Die Gammabestrahlung kann die Qualität vom bestrahlten Produkt mindern. Die bestrahlten Cannabisblüten haben deswegen einen „miserablen“ Geschmack, da viele Terpene zerstört wurden. Diese prägen nicht nur den Geschmack der Cannabisblüten aus. Sie beeinflussen auch die Wirkung der Cannabinoide. Demnach soll ein fetthaltiger Fisch mit vielen ungesättigten Fettsäuren auch deswegen nicht bestrahlt werden, da seine Nährwertqualität leiden könnte. Genauso sollten die Terpene im Cannabis erhalten bleiben, damit dieses seine volle Qualität entfalten kann.

Anstelle der Gammabestrahlung für Härtefälle Extrakte verwenden?

Fazit

Selbst wenn das bestrahlte Cannabis die Gesundheit beim Rauchen oder Konsumieren nicht mehr oder weniger als ein nicht bestrahltes Cannabis schaden würde, so verliert es doch an seiner Qualität. Es gibt auch andere Methoden, die Keimdichte in Cannabisblüten zu minimieren. Für besonders empfindliche Patienten würde ohnehin gelten, dass sie nicht rauchen sollen. Hier werden Ärzte auf Extrakte oder Vollextrakte zurück greifen, die in bester Qualität erzeugt werden. Es gibt auch Patienten, die in isolierten Krankenzimmern hermetisch abgeschirmt werden, da die kleinste Bakterien- oder Virenbelastung sie aufgrund der mangelnden Abwehrkräfte umbringen kann. Würde ein Mediziner solch angeschlagenen Patienten noch einen Joint in die Hand drücken?

Die Gammabestrahlung ist vielleicht nicht gesundheitsschädlich, sie ist aber auch nicht wirklich notwendig, um medizinisch einsetzbares Cannabis oder daraus gewonnene Extrakte zu gewinnen. Auch in der Lebensmittelherstellung kann die Gammabestrahlung nicht alle Erreger abtöten. Allein das Mindern der Keimdichte reicht bereits. Selbst beim hermetisch abgeriegelten Patienten lässt sich nicht jeder Keim ausschließen.

Wer als Patient die Wahl hat, der macht mit unbestrahlten Cannabissorten gewiss keinen Fehler, solange diese in geprüfter Qualität hergestellt werden. Viele werden sogar dieses unbestrahlte Material bevorzugen und erklären, dass es ihnen damit viel besser geht und sie sich deutlich wohler fühlen.

Der Beitrag Apotheken-Cannabis und die Gammabestrahlung erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel: Apotheken-Cannabis und die Gammabestrahlung

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