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Cannabinoide und das kindliche Gehirn
Autor: Dr. Dagmar Zidek  31/03/2018 - 09:08:00

Die Auswirkungen von Cannabinoiden auf das kindliche und jugendliche Gehirn und Denkanstöße, wie wir als Gesellschaft damit umgehen könnten.

Die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems

Die Ausbildung des Gehirns und des Nervensystems beim Menschen dauert vom Embryo bis nach der Pubertät, also ungefähr bis zum 25. Lebensjahr. Ab der dritten Schwangerschaftswoche beginnt beim menschlichen Embryo die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems. Bis zum Ende der 8. Schwangerschaftswoche sind sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark im Embryo angelegt. Die Nervenzellen werden ausgebildet und wandern langsam geleitet durch den Einfluss spezieller Proteine und noch nicht vollständig erforschter weiterer Faktoren an ihren späteren Wirkort.

Während dieser Phasen der Zellbildung, der Einwanderung der Nervenzellen an ihren vorbestimmten Platz und der Ausbildung von Verbindungen der Zellen untereinander, laufen immer wieder Kontroll- und Regulationsprozesse ab die dafür sorgen, dass Fehler sofort korrigiert werden. Insgesamt ist das ein hochkomplexes Geschehen, das offensichtlich nach exakten Schaltplänen abläuft, aber gerade eben wegen seiner Komplexität auch durch äußere Einflüsse wie z.B. durch Strahlung, Infektionserkrankungen, Vergiftungen, diverse Umwelteinflüsse oder Schädigungen durch Alkohol und Medikamente sehr störanfällig ist.

Bis zum Zeitpunkt der Geburt sind ca. 100 Milliarden Neuronen und der Großteil der Nervenzellen vorhanden. Die Nervenbahnen sind zu diesem Zeitpunkt aber erst als grobes Gerüst angelegt und werden nach der Geburt weiter entwickelt. In den ersten zwei Lebensjahren werden vor allem die Nervenbahnen durch Ummantelung mit speziellen Biomembranen, den Myelinen, dicker. Dadurch wird ihre Leitfähigkeit vervielfacht und die Verbindungen der Nerven untereinander nehmen rasant zu.

Die Dicke der Großhirnrinde ist vor der Pubertät im Verhältnis am größten. Die Hirnzellen sind zu diesem Zeitpunkt untereinander noch wild verzweigt. Während der Pubertät laufen dann sogenannte Optimierungsprogramme ab. Die Nervenverbindungen, die häufig genutzt, und dadurch als sinnvoll eingestuften werden, bleiben erhalten, die weniger benutzten Verbindungsbahnen werden wieder abgebaut. Dieser Reifungsprozess erstreckt sich dann über mehrere Jahre. Dabei ist interessant, dass sich die einzelnen Gehirnareale nicht gleichlaufend entwickeln, sondern einige Areale ihre Entwicklung schneller abschließen als andere.

So sind diese Areale, die für das sozio-emotionale Verhalten zuständig sind, zuerst ausgereift und die Areale im sogenannten „Präfrontalen Cortex“, die sich an der Stirnseite des Gehirns befinden, erst im frühen Erwachsenenalter vollständig ausgereift. Diese Areale sind für die Impuls- und Emotionskontrolle, für die Fähigkeit zu planen und für logisches Denken zuständig.
Die Weiterentwicklung eines voll funktionsfähigen Netzwerkes ist nach derzeitigem Wissensstand erst jenseits des 20. Lebensjahres abgeschlossen. Studien der Universität Harvard berichten sogar darüber, dass diese Phasen der „Netzwerkausbildung“ und „Netzwerkoptimierung“ bis zum 30. Lebensjahr andauern können, das Gehirn wäre demnach erst spätestens mit 30 Lebensjahren in allen Arealen voll ausgereift und „erwachsen“.

Im weiteren Verlauf des Lebens kann die komplexe Struktur des fertig entwickelten Gehirns nur noch in gewissen Grenzen umgebaut und/oder umfunktioniert werden. Wenn Nervenzellen dann durch Alterungsprozesse, Erkrankungen oder andere Einflüsse absterben oder in ihrer Funktion gestört werden, können benachbarte Bereiche des Gehirns ihre Aufgabe teilweise übernehmen. Dadurch bleiben das Gehirn und das Nervensystem lebenslang trainierbar und begrenzt an geänderte Bedingungen anpassungsfähig.

Mögliche Einflüsse durch Genussmittel, insbesondere von Cannabinoiden auf die Gehirnentwicklung

Allgemein gilt, dass Zellen und Gewebe dann am leichtesten beeinflussbar und störanfällig sind, wenn sie sich in Phasen der Zellteilung und großer Aktivität befinden. Das ist bei der Gehirnentwicklung zum Beispiel besonders während der Pubertät der Fall.

Kommt es zu schädigenden Einflüssen, werden besonders diese Funktionen beeinträchtigt, deren Ausbildung gerade in dieser Phase stattfindet und die dadurch in ihrer Entwicklung gestört werden.
Kommt es beim Menschen zu Schädigungen zum Beispiel durch Substanzkonsum von der Zeit der Pubertät bis in etwa Mitte der zwanziger Jahre, dann sind genau diese Zentren betroffen, die für zielgerichtetes Handeln, Selektion von Eindrücken, Einschätzung und Planung sowie logisches Denken zuständig sind.

Das deckt sich mit der Beobachtung, dass derzeit kein Fall von Auftreten psychischer Störungen nach dem Erstkonsum von THC reichem Cannabis jenseits des 27. Lebensjahres bekannt ist.

Häufiges Thema: Cannabis und Schizophrenie

Derzeitiger Wissensstand: Schizophrenie kommt bei ungefähr 1% der „westlichen“ Bevölkerung vor. Cannabiskonsum kommt bei Menschen, die unter Schizophrenie leiden, signifikant häufiger vor, als in der übrigen Bevölkerung. Dieselbe genetische Disposition, die den Ausbruch einer Schizophrenie fördert, fördert auch den Konsum von Cannabis, was aber nicht zwangsläufig heißen muss, dass „Cannabiskonsum den Ausbruch einer Schizophrenie triggert.“

Die beschriebenen erstmaligen Ausbrüche von Schizophrenie nach Konsum von Cannabis scheinen nur mit THC reichen Sorten in Zusammenhang zu stehen, nicht mit anderen Formen von Cannabinoiden.
Bisher sind Fälle von Erstmanifestation einer Schizophrenie nach Konsum von THC reichem Cannabis bis Ende der 20er Jahre bekannt, danach scheint es zu keinen Erstmanifestationen mehr zu kommen.

CBD scheint eine andere Wirkung zu haben, der Einsatz von Cannabidiolreichen Hanfsorten in der Behandlung von Schizophrenie wird gerade beobachtet.

Mögliche Interpretationen:

Die genetische Anlage könnte bereits vor Ausbruch der Psychose dazu führen, dass jemand dazu neigt, Cannabis zu konsumieren. Cannabis könnte nicht nur Auslöser bei genetischer Prädisposition, sondern – und das vielleicht sogar viel häufiger – Ausdruck der Erkrankung oder bei manchen Formen von Psychosen sogar eine Form von „Selbstheilungsversuch“ sein.
Welche Konsequenzen sind zu ziehen, um mögliche Schädigungen der Gehirnentwicklung bei Jugendlichen zu vermeiden?
Um sich sachlich und emotionsfrei diesem Thema anzunähern, möchte ich anregen, sich mit folgenden Fragen zu beschäftigen und ihnen sorgsam auf den Grund zu gehen:

Wenn Du nicht mehr weiter weißt – bilde einen Arbeitskreis

Die Hanfpflanze ist nicht erst vorgestern überraschend vom Himmel gefallen. Sie begleitet den Menschen und auch die Tiere nachweislich als Kulturpflanze seit mindestens 12.000 Jahren und war auch bei uns bis in die 1930er Jahre voll in den Alltag integriert.
Die Verwirrung scheint also weniger dadurch begründet zu sein, dass wir Menschen nicht wissen, wie wir mit der Hanfpflanze umgehen sollen, denn das können wir spielend aus unserer eigenen Geschichte ableiten.

Auch die Natur hat bestens vorgesorgt: Wir haben ein eingebautes System, das im Körper selbst Cannabinoide produziert und auch auf die Verarbeitung von außen zugeführter Cannabinoide eingestellt ist.

Im Gegensatz zu anderen Drogen, Genussmitteln und sogenannten Nahrungsmitteln ist es trotz aller Anstrengungen bisher nicht gelungen eine Dosis zu ermitteln, die bei Einnahme von Cannabinoiden tödlich sein könnte. Es sieht also so aus, dass es nicht möglich ist, an einer Überdosis von Cannabis zu sterben.
Das können nicht alle Nutzpflanzen von sich behaupten …
Was also könnten dann die Beweggründe sein, Ängste zu schüren, bewährte Vorgangsweisen zu ignorieren, statt sachlicher Diskussionen ständig Äpfel mit Birnen und Pflaumen zu vermischen? Was sind die Gründe, dass das seit Jahrtausenden praktisch weltweit gebrauchte Nahrungsmittel Hanf plötzlich aufgrund seines seit Urzeiten bestehenden CBD-Gehaltes als „Novel Food“ zu deklarieren und damit staatlichen Kontrollen und Reglementierungen zu unterwerfen?

Die vielleicht alles entscheidende Frage, die sich da aufdrängt, könnte auch lauten: Wer weiß da plötzlich nicht mehr weiter und wem dienen die Verwirrungen und Einschränkungen wirklich?

Wie viel Kontrolle wollen, und brauchen wir Bürger?

Dazu existieren bereits Strategien und es ist daher nicht erforderlich, das Rad für Cannabis noch einmal neu zu erfinden. Es gibt Jugendschutzgesetze, die den Konsum von Drogen und Genussmitteln reglementieren. Es ist ja nicht so, dass nur THC reiches Cannabis die Entwicklung beeinflussen kann, sondern dasselbe gilt für viele Substanzen, wie zum Beispiel besonders auch für das „Volksnahrungsmittel“ Alkohol und für Nikotin.

Es ist daher anzunehmen, dass es genügen würde, die Einhaltung bereits geltender Jugendschutzgesetze zu fordern und zu fördern. Immer mehr Länder auf der Erde zeigen auf, wie es gelingen kann, diesen Weg sinnvoll zu beschreiten, um Missbrauch und Drogenkriminalität das Wasser abzugraben und die frei werdenden finanziellen Ressourcen dafür in Jugendarbeit und Aufklärung zu investieren, wenn das Nahrungs- und Genussmittel Hanf wieder aus der Ecke der Kriminalität geholt wird.

Im Gegenzug dafür soll es erwachsenen mündigen Bürgern, die ein Auto lenken, Waffen tragen und die, die unsere regierenden Politiker wählen, dürfen, freigestellt sein, Cannabis zu konsumieren, genauso wie sie sich mit Alkohol, Nikotin und krankheitsfördernden von fett-, kohlehydrat- und hormonstrotzenden Nahrungsmitteln nach freiem Ermessen vollfüllen dürfen.

Der Kreislauf von Macht und Gier

Weiterhin ist es dringend notwendig, die ständige Vermischung von Cannabis als hochpotente Medizin mit Cannabis als Nahrungsmittel, Cannabis als Genussmittel und Cannabis als Rauschmittel klar und eindeutig zu beenden. Durch diese aktiv am Laufen gehaltene Verwirrtaktik wird eine sachliche und ordentliche Diskussion anhaltend vermieden und es beschleicht den „gelernten Bürger“ immer deutlicher die Erkenntnis, dass es hier nicht um Sachthemen, sondern um finanzielle Interessen einzelner Machtkomplexe gehen muss. Netzwerke aus Geld und Politik, die sich ihre Pfründe im Hanfgeschäft durch das Schüren von Ängsten und Sichern von „Claims“ mittels Anwendung von Methoden aus der Goldgräberzeit erst einmal an Land ziehen, durch Gesetze absichern und einbetonieren wollen.

Solche Vorgangsweisen schädigen nicht nur heranwachsende Jugendliche, die sich nachweislich weiter ihre Joints aus fragwürdiger Qualität im Hinterhof besorgen, sondern auch die gesamte Bevölkerung durch Verschwendung von Steuergeldern für die aufwendige Jagd nach den explosionsartig wachsenden Truppen kleiner Straßendealer, unsinnige Verwaltungsprozesse und offensichtlich sinnloser Drogenpräventionsprogramme, da sie erstens an der Realität vorbei gehen und zweitens dem wichtigsten und in der Pubertät für die Entwicklung typischen Motiv jugendlicher Vorschub leisten:

Der Reiz des Verbotenen: „High risk – high fun“, – nur was verboten ist, ist interessant, – Grenzen sind dazu da, um ausgetestet und übertreten zu werden …

Ich wünsche mir daher mehr

  • Offene, sachliche Diskussionen ohne Hintergedanken, Marketingstrategien und Manipulationsversuche
  • Wahrnehmen bereits funktionierender Systeme im Umgang mit Drogen und Genussmitteln, Hintanstellen narzisstischer Selbstüberhöhung und Übernahme guter Ideen, auch wenn sie vom Nachbarn und nicht von uns selbst entwickelt wurden.
  • Eigenständige, selbstbewusst denkende Mitbürger/Innen, die sich nicht mehr einlullen und wie Tanzbären von den Interessenlobbys am Nasenring vorführen lassen, sondern durch ihr Verantwortungsbewusstsein als nachahmenswerte Vorbilder für unsere heranwachsenden Jugendlichen zur Verfügung stehen.
  • Verteilung der staatlichen Ressourcen in Richtung Bildung und Förderung statt in Richtung Verbote, Einschränkungen und Reglementierung.

Der Beitrag Cannabinoide und das kindliche Gehirn erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel: Cannabinoide und das kindliche Gehirn

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