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Raphael Mechoulam als Ur-Cannabinoid-Pionier
Autor: Robert Brungert  07/02/2018 - 15:23:00

Der Entdecker erster Cannabinoide

Gewisse Dinge des alltäglichen Lebens sind für die Menschheit bereits seit Jahrtausenden vorhanden. Der Mensch hat sie häufig für sich entdeckt und baut Erfahrungswerte auf, mit denen er die „richtige Nutzung“ von Generation zu Generation weiter gibt. Es handelt sich um Kultur, Rituale oder das Wissen der Alten. In der heutigen Zeit reicht das nicht mehr, alles soll bis in das letzte Detail erforscht werden. Der Entdecker erster Cannabinoide ist Raphael Mechoulam, der ab 1960 mit der Forschung rund um Cannabis anfing. Yehiel Gaoni unterstützte ihn in dieser frühen Phase.

Bereits 1963 konnte reines Cannabidiol, 1964 reines Tetrahydrocannabinol aus der Cannabispflanze gewonnen und damit entdeckt werden. Raphael Mechoulam forschte also hier und bei anderen Entdeckungen nicht alleine. Er ist jedoch derjenige, mit dem die moderne medizinische Cannabinoid-Forschung richtig los ging.

Von 1960 bis 1963 ist keine lange Zeit, um bahnbrechende Forschungsergebnisse zu präsentieren. Immerhin hatte Raphael Mechoulam auch nur begrenzte Möglichkeiten und keine großen Forschungsteams. Schon 1964 folgte die Gewinnung von reinem THC, welches viele als den relevanten Wirkstoff der Cannabispflanze ansehen. Auf medizinischer Ebene steht CBD dem THC in nichts nach sowie weitere Cannabinoide möglicherweise bei richtiger Anwendung ähnliches Potenzial entfalten können. Dennoch vergingen nun ca. 30 Jahre, bis wiederum Raphael Mechoulam mit seinen Forscherteams weitere relevante Entdeckungen machte.


Exogene und Endogene Cannabinoide im Cannabinoidsystem

Raphael Mechoulam hat sozusagen mit den leichten Dingen angefangen und hat Cannabinoide aus der Hanfpflanze als Reinstoff extrahiert und diese damit entdeckt. Es handelt sich um Phytocannabinoide und damit um exogene Cannabinoide, da es pflanzliche sind. Dass diese Cannabinoide eine medizinische Wirkung haben, war möglicherweise sogar der Antrieb für die ganzen Forschungsarbeiten. Wie entfalten denn Cannabinoide im Körper ihre Wirkung und vor allem die Heilwirkung? Als Antwort auf diese Frage wurde Anfang der 90er Jahre das Endocannabinoid-System (ECS) mit den CB1 und CB2 Rezeptoren gefunden. Das war jedoch nur der eine bedeutende Teil der Entdeckungen. Das andere sensationelle Forschungsergebnis vor der Jahrtausendwende lautet, dass der Körper endogene Cannabinoide ausschüttet, die im Körper im Cannabinoidsystem entscheidende Funktionen übernehmen. Jedes Wirbeltier und vieles andere Getier verfügen über ein Endocannabinoid-System. Ohne ein Endocannabinoid-System wären höhere Lebensformen möglicherweise gar nicht möglich, da es sehr viele und sehr viele sehr wichtige Funktionen im Körper übernimmt.

Die Forschung ist natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Vermutlich wurden bislang nicht einmal alle Cannabinoide oder Cannabinoidrezeptoren gefunden. Inzwischen wird weltweit geforscht, um die Wirkung dieser ganzen Cannabinoide besser zu verstehen. Damit können sie zugleich auch gezielter medizinisch eingesetzt werden und einen viel besseren Nutzen für die Menschheit haben. Raphael Mechoulam kann sich jedoch als der erste entscheidende Cannabinoid-Pionier in der Erforschung der Cannabinoide und des Cannabinoidsystems bezeichnen.

Frühe Erkenntnisse von Raphael Mechoulam

Entdecker können auch die Namen für ihre Entdeckungen vergeben. Diese können zum einen die übliche Struktur lateinischer Namen aufweisen und damit eine direkte Information beinhalten. Der Entdecker kann aber auch etwas „neues“ mit den Namen aussagen.

Es war das Jahr 1992, als Raphael Mechoulam zusammen mit dem tschechischen Chemiker Lumir Ondrej Hanus und dem amerikanischen Molekularpharmakologen William Anthony Devane das erste körpereigene Cannabinoid isolieren konnte. Es war also ein Endocannabinoid. Dieses Anandamid erhielt seinen Namen, der an Ananda aus dem indischen Sanskrit anlehnt, gewiss nicht zufällig. „Ananda“ bedeutet Freude, Glück, Abwesenheit von Unglück oder Glückseligkeit. Anandamid dockt im Körper dort an, wo auch THC andocken kann und hat ähnliche Wirkungen, ist jedoch ein eigener Stoff.

Raphael Mechoulam und Lumir Ondrej Hanus

Lebensabschnitte

Raphael Mechoulam, der 1930 in Sofia geboren wurde, musste als Jude erst einmal den zweiten Weltkrieg überleben und im jungen Israel mit der schwierigen Situation fertig werden, dass dieses Land noch im Entstehen war. Er studierte Biochemie in Jerusalem an der Hebrew University, promovierte am Weizmann-Institut für Wissenschaften im Jahr 1958 und erhielt eine Postdoktorandenstelle am Rockefeller Institute in New York. Ab 1960 forschte er am Weizmann-Institut, ab 1966 an der Hebrew University of Jerusalem.

Cannabis kann gerade bei traumatisierten Menschen zur einzig human wirksamen Medizin werden, mit der das Leben erträglich wird. Zu diesen Zeiten nach dem zweiten Weltkrieg war das Wissen um die medizinische Wirkung von Cannabis noch sehr präsent, da es in vielen Regionen vor dem Verbot immerhin in jedem dritten Medikament enthalten war. Es ist also naheliegend, dass die Forschung rund um die Cannabinoide ausgerechnet in Israel los ging und der Ur-Pionier mit Raphael Mechoulam Jude ist.

Der Beitrag Raphael Mechoulam als Ur-Cannabinoid-Pionier erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel: Raphael Mechoulam als Ur-Cannabinoid-Pionier

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