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Cannabis bei LWS- und HWS-Syndrom
Autor: Dieter Klaus Glasmann  06/02/2018 - 15:02:00

Den Rücken kann heute so einiges plagen: Fehlhaltungen, ungeeignete Sitzgelegenheiten, zu wenig oder zu viel Bewegung, schwere Lasten und schlechte Hebetechnik. Aber auch einige psychische Ursachen können uns das Gefühl vermitteln, dass etwas mit unserem Rücken oder genauer der Wirbelsäule nicht stimmt. Und wahrscheinlich am häufigsten ist es, dass mehrere Gründe zusammentreffen und die Schmerzen verursachen, die sehr häufig im Nacken oder im Lendenbereich der Wirbelsäule auftreten.

Und so finden sich unzählige Krankheiten oder Verletzungen unter den Sammelbegriffen Lendenwirbelsäulensyndrom, also LWS, oder Halswirbelsäulensyndrom, HWS, wieder. Da die Lendenwirbelsäule in der Regel den meisten Belastungen ausgesetzt ist, ist das LWS das häufigste Wirbelsäulensyndrom.

So zahlreich und unterschiedlich die einzelnen Diagnosen sein können, so ähneln sie sich doch stark in den Symptomen, und damit vielleicht auch in Teilen ihrer Therapiemöglichkeit. Natürlich sollte ein genauer Blick auf die Ursachen gerichtet und dafür notwendige Untersuchungen durchgeführt werden, dennoch lohnt sich auch die Überlegung für die Schmerzbehandlung Cannabis in Erwägung zu ziehen.

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind in unseren Breiten längst eine Volkskrankheit und fast jeder hat sie im Verlauf seines Lebens irgendwann einmal, sei es durch Arbeit, Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen bedingt. In der Regel werden zu manuellen oder physiotherapeutischen Maßnahmen auch Schmerzmittel kombiniert. Dies ist wichtig, da ein Mensch mit Rückenschmerzen dazu neigt sich in Schonhaltungen zu begeben, was das Leiden langfristig verschlimmern würde.

Herkömmliche Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol bergen oft das Risiko Nebenwirkungen hervorzurufen, können Magen oder Gefäße schädigen oder das Herzinfarktrisiko erhöhen. Bei sehr starken Schmerzen oder Unwirksamkeit der Standardmedikamente werden Präparate verabreicht, die neben schweren Nebenwirkungen sogar Sucht auslösen können.
Solche Tatsachen vor Augen scheint es beinahe paradox, dass eine seit Jahrhunderten bei vielerlei Schmerzen bewährte Nutzpflanze mit vergleichsweise wenigen und harmlosen Nebenwirkungen nicht wesentlich mehr Verbreitung in der Therapie von Wirbelsäulenleiden findet. Und dies, obwohl Cannabis in der Schmerztherapie relativ gut erforscht ist.

Klar sollte sein, dass allein das Lindern der Schmerzen nicht die Lösung sein kann und das Verschreiben von Cannabis also nie die alleinige Behandlung für ein ernstzunehmendes Leiden darstellen sollte.

Dennoch kann in vielen Fällen damit sehr unmittelbar eine Starke Verbesserung der Lebensqualität erzielt werden. Wenn die Schmerzen nebenwirkungsfrei gelindert werden, wird dadurch auch sehr wahrscheinlich die psychische Situation eines Patienten verbessert, was eine zusätzliche Ursache für Rückenschmerzen eliminiert, da diese oft psychischen Ursprungs sind oder durch Gemütsumstände zumindest verstärkt werden. Somit kann eine erfolgreiche und angenehme Schmerzbehandlung eine kleine, positive Kettenreaktion auslösen oder begünstigen.

Cannabis bei LWS & HWS

Dieser Effekt kann mit Sicherheit für viele psychosomatisch begründete Diagnosen genutzt werden, die sich durch Schmerzen und Unwohlsein äußern. Auch ein Vorteil von Medizinalhanf bei Rückenschmerzen ist, dass Cannabis nicht in der Art und Weise betäubt, die Überbelastungen durch „Übermut“ aufgrund von Schmerzfreiheit verursacht.
In diversen Studien wurde neben den positiven Wirkungen bei den Schmerzen auch eine Verbesserung der Stimmung bei Probanden festgestellt. Und eine verbesserte Gemütsverfassung ist in jedem Fall einer erfolgreichen Genesung zuträglich und fördert Heilungsprozesse.

Spinnt man diesen Gedanken aber nun weiter, so kommt man nicht um den Umkehrschluss herum. Wenn sich also ein Patient ohne Rezept auf dem nicht legalen Markt Cannabis verschaffen und konsumieren muss um seinen Leidensdruck zu verringern, kann er dann überhaupt von einer solchen Kettenreaktion profitieren, wie ich sie gerade beschrieben habe?

Meines Erachtens nach ist das unwahrscheinlich, hängt sicher aber von zwei wesentlichen Faktoren ab. Zunächst wäre die Qualität des Cannabis zu nennen, die auf dem Schwarzmarkt nicht kontrolliert oder garantiert ist. Da dieses Argument bereits Gegenstand in vielen Diskussionen um die Legalisierung ist, möchte ich diesen Punkt nicht weiter ausführen.
Der andere wesentliche Faktor ist die psychische Konstitution des Patienten.

Da jemand, der sich nicht legales Cannabis beschafft oder besitzt, sich der Strafverfolgung ausgesetzt sieht, kann dieser Umstand den positiven Effekt auf die mentale Verfassung schmälern oder zunichte machen, da eine gewisse Angst vor rechtlichen oder sozialen Konsequenzen die Psyche des Patienten beeinträchtigt. Wie stark der Mensch davon affektiert ist, hängt von seinem Rechts- und Gerechtigkeits-Empfinden ab und davon, wie kaltschnäuzig der Mensch gegenüber den Exekutivorganen seines Landes eingestellt ist.

Um dies so anzunehmen muss man kein Arzt sein. Wer glaubt schon, dass sich jemand, der Angst hat bei etwas erwischt zu werden, entspannen kann? Und gerade bei der Linderung von Rückenschmerzen, egal welche Ursachen ihnen zu Grunde liegen, ist Entspannung oft ein wichtiger Schlüssel zur Genesung.

Da sich diese Gedanken aber wohl auch auf viele weitere Krankheitsbilder bzw. ihre möglichen positiven oder negativen Entwicklungen übertragen lassen, findet sich hier durchaus Kritik an den Formulierungen des aktuellen Cannabis als Medizin Gesetzes, welches verlangt vor dem Einsatz von medizinischem Cannabis den Rahmen der herkömmlichen Therapieformen auszuschöpfen, was bedeutet, alle anderen, teilweise weit schädlicheren oder riskanteren, Therapieformen auszuprobieren, die in Betracht kommen. An dieser Stelle sollten Anerkennung des Patientenempfindens und Therapiehoheit des Arztes gestärkt werden.

Vielleicht kann dies darüber hinaus auch als Appell an Ärzte verstanden werden die Patienten ganzheitlicher zu betrachten und vermehrt ihre Wahrnehmungen und Wünsche zu berücksichtigen.

Wäre mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sich Patienten zum Beispiel die höher dosierten Ibuprofen Varianten vom Arzt verschaffen können, Cannabis erhältlich, würden sich viele Schmerzpatienten nicht für die mit einer langen Liste Nebenwirkungen im Beipackzettel versehenen Chemiepräparate entscheiden, sondern für eine schon antiken Zivilisationen bekannte Heilpflanze mit einem breiten Wirkungsspektrum, vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und Darreichungsformen, deren Wirkstoffe den körpereigenen Endocannabinoiden so ähnlich sind, dass sie wie für uns gemacht erscheinen.

Der Beitrag Cannabis bei LWS- und HWS-Syndrom erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel: Cannabis bei LWS- und HWS-Syndrom

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