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Cannabinoide – einige Grundlagen
Autor: Robert Brungert  31/01/2018 - 13:51:00

Cannabis sativa L. ist eine Biofabrik

Die Pflanzengattung Cannabis ist mit dem Hopfen sehr nahe verwand und gehört zu den Hanfgewächsen. Diese umfassen elf Gattungen mit rund 170 Arten. Cannabis sativa ist der wissenschaftliche Name für die Pflanze, die viele auch als Hanf, Hemp, Marihuana, Gras, Ganja, Weed oder unter anderen Bezeichnungen kennen. Dabei kann oft bereits am Namen unterschieden werden, ob eine potente Pflanze oder eine Faserpflanze gemeint ist. In jedem Fall sind Cannabinoide enthalten. 

Hanf, Hemp, Faserhanf oder Nutzhanf wird für den nicht potenten Cannabis verwendet. Hanf, Hemp, Marihuana, Gras, Ganja oder Weed werden für potenten, sprich THC-haltigen Cannabis verwendet. Genau wie Cannabis wird auch Hanf oder Hemp für die Rohstoffpflanze und die Form mit dem höheren THC-Anteil verwendet. Dieses Tetrahydrocannabinol gehört zur Gruppe der Cannabinoide und ist derzeit das einzige Phytocannabinoid, welches erwiesener Weise einen Rausch auslöst.

Insgesamt wurden wenigstens 113 Phytocannabinoide in der Cannabispflanze entdeckt, die bislang noch in keinen anderen Pflanzen nachgewiesen werden konnten. Es ist teils auch eine Definitionsfrage, ob es ein Cannabinoid, ein Terpen oder beides ist. Cannabinoide gehören zur Gruppe der Terpenphenole. Die Stoffgruppe der Terpene wird an anderer Stelle gesondert aufgeführt.

Viele der Phytocannabinoide kommen nicht in den reifen Blüten, oder nur in kleinen Spuren vor. Bislang wird allein dem THC, beziehungsweise einigen Formen vom Tetrahydrocannabinol die verrufene Rauschwirkung zugeschrieben. Es ist nicht bekannt oder stichhaltig erwiesen, dass dieses Tetrahydrocannabinol eine schwere körperliche Abhängigkeit verursachen kann. Wenn ein starker Konsument von einem zum anderen Tag seinen Konsum einstellt, hat er durchaus ein paar schlaflose Nächte vor sich und gewiss erst einmal schlechtere Laune. Diese Punkte sind jedoch eine Umgewöhnung, keine physische Sucht. Ein „kiffen müssen“ ist eine medizinische Notwendigkeit oder eine psychische Sucht. Weiterhin ist Weltweit kein Fall bekannt, wo jemand sich „Totgekifft“ hat, da es im praktischen Leben kaum möglich wäre.

Cannabinoide in der Medizin

Bereits seit tausenden Jahren wird Cannabis von Menschen medizinisch oder auch zum Genuss, aber vor allem als Textil-, Rohstoff- und Nahrungspflanze verwendet. Demnach soll es bereits um 2700 v. Chr. schriftliche Aufzeichnungen in China gegeben haben. Die Chinesen blicken auf eine sehr lange Kultur zurück, die zugleich bereits sehr früh Heilkunde erforschte, in der Cannabis nicht fehlen darf.

Die Ursprungsregion von Cannabis lässt sich als Zentralasien in dem Bereich von Kasachstan, Russland, der Mongolei und China benennen. Cannabis sativa L. ist seit wenigstens 12.000 Jahren in großen Regionen von Zentralasien heimisch und hat wegen seiner positiven Eigenschaften dank der wandernden und handelnden Menschen die ganze Welt erobert.

Bis in die Zeit vom Cannabisverbot hinein, welches sich ab ca. 1936 mit dem Propagandafilm „Reefer Madness“ von den USA ausgehend um die Welt spannte, wurden Medikamente mit Cannabinoiden oder Cannabisextrakten für medizinische Zwecke angeboten. Als Faserpflanze war und ist der Cannabis so bedeutend, dass er sogar durchgehend in einigen Regionen der Welt angebaut wird. z.B. werden Wasserrohre mit Hanffasern abgedichtet und sind nach Ansicht vieler Handwerker nicht gleichwertig ersetzbar.

Die medizinische Wirksamkeit der Cannabinoide ist zugleich ein Grund, warum viele Menschen mit dem Kiffen nicht einmal unter Strafandrohung aufhören. Viele wussten nicht, dass Cannabis ihnen medizinisch hilft und dachten wirklich, dass sie einfach Drogensüchtig sind und ihr Leiden nicht behandeln, sondern betäuben. Andere waren sich durchaus über die medizinische Wirksamkeit bewusst, da sie mit ihren Eltern und Großeltern über diese Themen reden konnten, für die das einst alltäglich war. Genau diese medizinische Wirksamkeit wird jetzt wieder entdeckt und ist der Grund, weswegen Cannabis „normaler“ wahrgenommen wird und erneut alltäglich ist.

Cannabinoide – glänzende Harztropfen

Verschiedene Cannabinoide wirken unterschiedlich

Die Forschung rund um die Cannabinoide ist noch am Anfang. Einst probierten die Leute einfach alles aus und wussten hinterher, welches Kraut bei welchem Leiden oder in welcher Anwendungsform wirkt. Heute muss man das alles erforschen und verstehen, da einem diese Vorgehensweise bei kranken Menschen zu unsicher ist. Auch Cannabis kann damit nur dann als Medizin sicher verwendet werden, wenn man es erforscht hat – so die These.

Es war Raphael Mechoulam, der ab 1960 mit der Erforschung von Cannabis und dessen Inhaltsstoffen begann und als Pionier vielen anderen Forschern den Weg ebnete. Mit seinen Kollegen konnte er erste Cannabinoide isolieren und damit nachweisen. 1963 entdeckte er CBD, 1964 THC. Das sind Phytocannabinoide, die zu den exogenen Cannabinoiden gehören. Rund 25 bis 30 Jahre später entdeckte er mit seinem Team die endogenen Cannabinoide Anandamid und 2-Arachidonylglycerol. Auch das Endocannabinoid-System (ECS) mit seinen CB-1 und CB-2 Rezeptoren haben sie im menschlichen Körper aufgespürt. Dieses Endocannabinoid-System ist der Grund, weswegen Cannabinoide auf die Menschen eine Wirkung entfalten können. Genauso gibt es ein endogenes Opiat-System (EOS), wegen dem Opiate auf den Menschen wirken. Auch hier schüttet der Körper endogene Opiate aus, die wichtige Funktionen einnehmen.

Raphael Mechoulam machte den Start, mit dem weitere Cannabinoide isoliert und damit entdeckt wurden, um sie besser erforschen zu können. CBD und THC sind dabei die bekanntesten und am weitesten erforschten Cannabinoide, die zugleich in den Marihuanablüten häufig mit hohen Konzentrationen von mehreren Prozent vorkommen. Diese Cannabinoide ergänzen sich teils in ihrer Wirkung oder beeinflussen einander. Sie können allerdings auch entgegengesetzt zueinander wirken.

Es gibt jedoch mindestens 113 Phytocannabinoide, die nur im Cannabis sativa L. entdeckt wurden. Weitere Phytocannabinoide wurden auch in anderen Pflanzen entdeckt. Synthetische Cannabinoide werden nicht entdeckt, sondern erschaffen. Bislang sind es bereits hunderte synthetische Cannabinoide. Hinzu kommen noch einige endogene Cannabinoide. Von mehreren hundert Cannabinoiden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Dutzend medizinisch wirksam.

Bei entsprechenden Konzentrationen wären auch diese Cannabinoide möglicherweise medizinisch so bedeutsam wie CBD und THC. Auch diese anderen Cannabinoide können sich ergänzen, einander beeinflussen oder entgegengesetzt zu einander wirken. Sicher ist schon einmal, dass nicht jedes Cannabinoid bei jeder Erkrankung generell gut ist. So kann zu reines und zu hoch konzentriertes THC Ängste, psychotische Zustände oder epileptische Anfälle begünstigen, CBD würde dem jedoch entgegen wirken. Soll hingegen der Appetit angeregt werden, wären hohe Dosen von CBD kontraproduktiv, hier wäre THCV entscheidend.

Wissenswert

Auch wenn Cannabinoide vorwiegend an den Cannabinoid-Rezeptoren im Körper andocken, so können verschiedene exogene und endogene Cannabinoide auch an anderen Rezeptoren andocken oder unabhängig zu Rezeptoren etwas auslösen. Sie werden dann ebenfalls eine Reaktion und damit Wirkung auslösen. Auch hier wird die Wirkung von endogenen und damit auch einigen exogenen Cannabinoiden vom Organismus erwünscht sein und ihm beim „Gesundbleiben“ helfen. Viele synthetische Cannabinoide können hingegen beträchtlichen Schaden auslösen.

Genauso können aber auch einige Terpene oder andere Wirkstoffe an den Cannabinoid-Rezeptoren andocken, um eine Reaktion und damit Wirkung auszulösen. Auch hier wird das vielfach seinen Sinn haben.

Auch wenn Phytocannabinoide in der Anzahl von über 100 und einer Konzentration von bis über 20% nur in Cannabispflanzen vorkommen, so können sie auch in anderen Pflanzen enthalten sein. Geht es um den Rausch, werden diese anderen Pflanzen zumindest keinen Cannabinoid-Rausch auslösen. Auch für die medizinische Anwendung oder als Rohstoff für Arzneimittel können diese anderen Pflanzen im Punkt der Cannabinoide nicht an Cannabis heran reichen. Cannabis bietet als Pflanzengattung einfach mehr Auswahl und mehr Masse, wenn es um Cannabinoide geht. Deswegen kann die Pflanzengattung Cannabis nicht durch andere Pflanzen ersetzt werden und ist einzigartig in ihrer medizinischen Bedeutung.

Cannabinoidforschung

Die Erforschung der Cannabinoide steht zum einen noch am Anfang, weist zum anderen aber schon beachtliche Ergebnisse vor. Isolierte oder gezielt kombinierte Cannabinoide können für die medizinische Anwendung den entscheidenden Unterschied machen. Die Cannabinoid-Forschung ist deswegen extrem wichtig. Demnach wird in Israel bereits erforscht, welche Marihuanasorte bei welcher Krebsart besser wirkt. Je nach Krebsart sind verschiedene Sorten bei der Krebsheilung effektiver, da die Wirkstoffe sich in anderen Kombinationen oder in anderen Konzentrationen zusammen fügen.

Der Beitrag Cannabinoide – einige Grundlagen erschien zuerst auf Hanf Magazin.

Original Artikel: Cannabinoide – einige Grundlagen

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